Küsnacht

Küsnachterhaus wird an Hotelbetreiber verkauft

Die reformierte Kirchgemeinde Küsnacht kann ihr Ferienhaus auf der Mettmenalp im Glarnerland verkaufen. Der Antrag der Kirchenpflege wurde klar angenommen – und dem Kaufantrag eines Küsnachter Vereins vorgezogen.

Soll mit neuem Konzept neu belebt werden: Das Küsnachterhaus auf der Mettmenalp im Glarnerland.

Soll mit neuem Konzept neu belebt werden: Das Küsnachterhaus auf der Mettmenalp im Glarnerland. Bild: PD

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An der Kirchgemeindeversammlung der reformierten Kirche am Montagabend in Küsnacht waren drei Geschäfte traktandiert. Für Diskussionen unter den 76 Stimmberechtigten sorgte – nach dem unbestrittenen Budget und der Wahl der RPK – aber nur der Verkauf des Ferienhauses auf der Mettmenalp. Zur Debatte stand insbesondere, wer das Küsnachterhaus übernehmen kann.

Die Kirchenpflege beantragte, das Haus für eine Viertelmillion Franken an die Firma von Sara und Romano-Frei Elmer zu verkaufen. Das Paar betreibt auf der Mettmenalp das neue Berghotel und war von der Kirchenpflege schon im vergangenen Sommer mit der Verwaltung des Küsnachterhauses betraut worden. Mit dem Verein IG Küsnachterhuus Mettmenalp hatte sich aber ein weiterer Interessent ins Spiel gebracht und eine Absichtserklärung für ein Angebot vorgelegt – mit dem gleichen Kaufpreis. Diese beiden Angebote standen sich gegenüber.

Regula Boller, Bauvorständin der Kirchenpflege, erläuterte an der Versammlung, warum der Verkauf nötig und die Lösung mit der Berghotel Mettmen AG gut sei. Als Argumente führte sie etwa die gesunkene Auslastung des Ferien- und Lagerhauses, den defizitären Betrieb und den grossen Investitionsbedarf an. Das Hotelier-Paar Sara und Romano Frei-Elmer sei in der Region verwurzelt, habe grosse Erfahrung mit Unterkünften und ein «überzeugendes Konzept» für die künftige Nutzung vorgelegt.

Ausgezeichnete Arbeit

Max Heberlein, Präsident der Kirchenpflege, doppelte nach: «Das Paar leistet ausgezeichnete Arbeit und garantiert, dass wir Küsnachter das Ferien- und Lagerhaus auch künftig nutzen können.» Mit dem Verkauf an die Hotelbetreiber sei zudem klar, was die Kirchgemeinde bekomme, und eine Bankgarantie sei ebenfalls vorhanden.

Die Hotelier-Paar stellte sich an der Versammlung mit einem sympathisch wirkenden Auftritt persönlich vor, um für sein Angebot zu werben. Sie seien überzeugt, das sie die Auslastung des Ferienhauses steigern könnten und es sei für sie gut, wenn sie auch Personal dort unterbringen könnten. «Wir garantieren Ihnen, dass dieses Ferienhaus mit uns eine langfristige Zukunft hat», sagte Romano Frei.

«Werk unserer Väter»

Für den Verein IG Küsnachterhuus Mettmenalp trat der Theo Gerber auf. Er bekräftigte, dass der aus zehn Küsnachtern und zehn ehemaligen Dorfbewohnern bestehende Verein das Ferienhaus ebenfalls kaufen wolle. Falls der eigene Kaufantrag angenommen werde, werde man eine Genossenschaft gründen. Das vor über 40 Jahren im Baurecht erworbene und in Fronarbeit aufgebaute Haus sei ein «Werk von Küsnachter Vätern» gewesen und solle auch künftig den Küsnachtern gehören, erklärte Gerber. Eine Genossenschaft könne das Haus durchaus in Eigenregie betreuen und erneuern. Für eine Zusammenarbeit mit dem Berghotels sei man offen.

Gerber bekam in der Diskussionsrunde Untersütztung von älteren Küsnachterinnen und Küsnachtern, die einst an Ferienlagern auf der Mettmenalp teilnahmen, sich dort selber engagiert haben und das Haus als Herzensangelegenheit bezeichneten. «Es stört mich auch, dass man ein Haus, das wir einst mit Spenden erworben und mit Fronarbeit aufgebaut haben, nun einfach verkaufen will», sagte eine Votantin. Es gab aber auch Stimmen, die den Antrag der Kirchenpflege unterstützten: So etwa ein Unternehmer, der die Hotelbetreiber für ihr Engagement für lokale Arbeitsplätze und einen sanften Tourismus lobte.

Fragen gab es zum geplanten Kaufpreis von 250 000 Franken, der von einem Gutachter abgeklärt und an der Versammlung – angesichts des Zustands des Hauses– als «grosszügig» bezeichnet wurde. Für die RPK beantragte André Tapernoux die Zustimmung zum Verkauf an die Hotelbetreiber, obwohl er auf ungenügende Abklärungen zum Preis und «mangelhafte Informationen» der Kirchenpflege hinwies.

Deutliches Resultat

Das Resultat der Abstimmung war dann doch sehr deutlich, wenn man bedenkt, dass sich die lokale EVP für den Verkauf eine künftige Genossenschaft ausgesprochen hatte: Für den Antrag der Kirchenpflege votierten 47 Stimmberechtigte, für den Gegenantrag 24. In der Schlussabstimmung war die Sache noch klarer: 49 Anwesende stimmten dem Verkauf an die Berghotel Mettmen AG zu, nur fünf waren dagegen.

Max Heberlein zeigte sich gegenüber der ZSZ zufrieden, obwohl er das klare Resultat auch «eher überrschend» fand. Man sei überzeugt, den richtigen Weg zu gehen und werde nun baldmöglichst einen Kaufvertrag abschliessen. Theo Gerber von der IG Küsnachterhuus reagierte gelassen: Die Abstimmung sei vorbei, das Ergebnis klar, der Verein bereits wieder aufgelöst und ansonsten alles in Ordnung. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.11.2018, 15:55 Uhr

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