Zollikon

Kinder-Permanence wegen neuer Tarife in Bedrängnis

Die Kinder-Permanence des Spitals Zollikerberg ist beliebt: Letztes Jahr behandelte sie rund 10 700 kleine Patienten. Doch die Notfallpraxis, welche an 365 Tagen bis 21 Uhr geöffnet ist, muss den Gürtel vielleicht bald enger schnallen.

Die Kinder-Notfallpraxis im Zollikerberg muss ihre Öffnungszeiten anpassen, wenn der Bund neue Tarifregelungen einführt.

Die Kinder-Notfallpraxis im Zollikerberg muss ihre Öffnungszeiten anpassen, wenn der Bund neue Tarifregelungen einführt. Bild: Michael Trost

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Für viele Eltern war die Freude gross, als das Spital Zollikerberg im Februar 2013 eine Kinder-Permanence eröffnete. Seither verzeichnet die Einrichtung Jahr für Jahr mehr Konsultationen: Während es im Eröffnungsjahr noch 5200 waren, wurden 2016 rund 10 700 Kinder gezählt, die sich bei kleineren Notfällen sowie für reguläre Kontrollen in der Notfallpraxis einfanden.

Doch nun könnte eine Tarifanpassung von Bundesrat Alain Berset die Kinder-Permanence in Bedrängnis bringen: Sein Departement will Permanencen, Notfallinstituten und Walk-in-Praxen das Erheben bestimmter Notfallzuschläge künftig verwehren. Bisher verrechnete die Kinder-Permanence Zollikerberg eine sogenannte Notfall-Inkonvenienzpauschale bei Patienten, welche unverzüglich und vor allen anderen Patienten von einem Arzt behandelt werden mussten.

Kein Anspruch auf Pauschale

«Die Anwendung dieser Pauschale ist aber eigentlich nicht für Permanencen oder Walk-in-Praxen gedacht», sagt die Mediensprecherin des Bundesamts für Gesundheit, Emmanuelle Jaquet von Sury. Die Abrechnung sei Hausarztpraxen vorbehalten, wo das Behandeln des Notfallpatienten eine Inkonvenienz, zu deutsch Unbequemlichkeit, bedeute. «Diese Störung des Praxisbetriebes darf entsprechend höher verrechnet werden.» Im Unterschied zu normalen Praxen seien Permanencen aber explizit für solche Notfallsituationen ausgelegt. «Deshalb steht ihnen diese Pauschale grundsätzlich nicht zu.»

Dem widerspricht Marion Mönkhoff, Chefärztin der Kinder-Permanence und der Neonatologie des Spitals Zollikerberg: «Gerade weil wir für Notfallsituationen gerüstet sein müssen, entstehen uns viele zusätzliche Kosten.» Zu den sogenannten Vorhalteleistungen zähle etwa, dass aufgrund der täglichen Öffnungszeit bis 21 Uhr mehr Ärzte und Praxisassistentinnen Dienst haben. «Diese müssen bezahlt sein, ob jetzt fünf oder zwanzig Patienten kommen.» Während der Randzeiten und den Wochenenden haben Ärzteschaft und Pflege zudem Anspruch auf Zuschläge.

Nachtarbeiten teurer

Auch weitere Dienste wie Putz- oder Wartungsarbeiten seien teurer als in einer regulären Praxis, erklärt Mönkhoff. «Weil sie nachts oder frühmorgens erledigt werden müssen, damit der Tagesbetrieb nicht gestört wird.» Laut der Chefärztin führt die Notfallpraxis zwar auch geplante Konsultationen durch wie eine normale Kinderarztpraxis. Sie machen in Zollikerberg etwa 25 Prozent der Behandlungen aus. Dieser «Praxisbetrieb» könne aber nicht so eng getaktet werden wie sonst üblich. «Wir müssen stets Platz freihalten für Notfälle.»

Für die Leiterin der Permanence ist deshalb klar, dass das Verrechnen der Notfall-Inkonvenienzpauschale gerechtfertigt und notwendig ist. Bei einem Wegfall rechnet das Finanzcontrolling des Spitals Zollikerberg mit einer Einbusse von 150 000 Franken. «Dann müssten wir unser Angebot überdenken und allenfalls anpassen», sagt Marion Mönkhoff.

Soweit muss es nicht zwingend kommen: Bis zum 21. Juni sind die Änderungen in der Vernehmlassung, und Permanencen haben die Möglichkeit, beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Stellungnahme einzureichen. «Darin müssen sie belegen, weshalb sie Anspruch auf diese Leistung geltend machen beziehungsweise eine höhere Abgeltung benötigen», sagt die Mediensprecherin. Anschliessend würden die konkreten Vorschläge der Permanencen geprüft und über das weitere Vorgehen entschieden. Die Kinder-Permanence Zollikerberg hat ihre Stellungnahme als Mitglied des Verbands H+ eingereicht. Die Tarifanpassungen treten auf den 1. Januar 2018 in Kraft. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.06.2017, 17:50 Uhr

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