Küsnacht

Kinder entdecken die Natur im Dorf

Um die Natur zu entdecken, muss man nur vor die eigene Haustür schauen. Das zeigt die Schnitzeljagd des Naturnetz Pfannenstiel. Eine vierte Klasse aus Meilen ging in Küsnacht auf Erkundungstour.

Primarschüler aus Meilen untersuchen die Kaulquappen mit Becherlupen.

Primarschüler aus Meilen untersuchen die Kaulquappen mit Becherlupen. Bild: Sabine Rock

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«Wer findet ein kleines Metallschild mit einem Vogel drauf?» fragt Biologe Christian Wiskemann vom Naturnetz in die Runde. Sofort rennen die 19 Schüler und Schülerinnen aus Meilen los. Es ist ein kühler Mainachmittag. Die Klasse hat sich am Bahnhof Küsnacht getroffen und startet die Schnitzeljagd des Naturnetz Pfannenstiel.

Im Unterricht behandeln die Primarschüler in Meilen gerade das Thema Dorf. Die Schnitzeljagd passe perfekt ins Programm, wie Klassenlehrerin Alexandra Brossard erzählt. «Wilde Hecke am Gleis», so heisst der erste Posten. Wiskemann erklärt, wie eine Wildhecke die Diversität fördert. Hier werden die Büsche freier wachsen gelassen und bieten so mehr Lebensraum für verschiedenste Tierarten. «Wie viele unterschiedliche Straucharten findest du zwischen der Tafel und der Strassenlampe?», lautet die erste Frage. Neben den Gleisen zählen wir die unterschiedlichen Blätter. Es gibt drei Lösungen zur Auswahl: Hinter jeder der Möglichkeiten steckt ein Begriff. Sophie schreibt das erste Lösungswort auf. Das blonde Mädchen und ihre Freundinnen rätseln schon, wie der Satz weitergehen könnte.

Digitale Schnitzeljagd

Doch um all diese Dinge herauszufinden, braucht es keine Fachperson. Denn bei jedem der elf Posten findet sich ein QR-Code. Dieser kann mit dem Smartphone oder Tabletcomputer gescannt werden und leitet auf eine Webseite weiter. Mehr als das Telefon braucht es nicht, heute sind die Schnitzel digital. Nur mit dem Code erfahren die Teilnehmer, wo es weitergeht. «Es soll spannend bleiben», meint der Biologe. Heutzutage ist jeder online, die Primarschüler wissen problemlos mit dem Smartphone umzugehen. Sie verwenden das Gerät von Christian Wiskemann, denn die eigenen Handys dürfen sie im Unterricht gar nicht benutzen.

Auf dem Bildschirm erscheinen Informationen über das jeweilige Thema. Warum ist der Dorfbach für die Seeforelle wichtig? Wie unterscheidet sich ein Mauersegler von einer Schwalbe? Das Wissen wird jeweils mit einer Frage getestet. Die Wörter der Lösungen ergeben am Ende der Schnitzeljagd einen Lösungssatz, der bei einem Wettbewerb eingereicht werden kann. Zuletzt gibt es eine Karte zum nächsten Posten. Die Kinder orientieren sich schnell und rennen weiter durch den Dorfkern von Küsnacht. Kiesplätze und Mauern werden untersucht. Im Kopfsteinpflaster der Kantonsschule hausen Ameisen, eine Feuerwanze wird im Gebüsch in Sicherheit gebracht.

Die Schnitzeljagd wurde vor einem Jahr aufgebaut, sie bleibt jedoch aktuell. Immer neue Dinge gibt es zu entdecken. Einzig eine gigantischen Efeupflanze, die sich um eine Hauswand rankte, musste einer Hausrenovation Platz machen.

Lebensräume im Dorf

«Schaut ihr oft auf den Boden wenn ihr über Plätze geht?», fragt der Biologe. Wohl weniger. Doch bei genauerem Hinschauen, leben selbst auf öffentlichen Plätzen in jeder Ritze die unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten.

Die Schnitzeljagd soll einem die Natur vor der eigenen Haustür näher bringen. «Was lebt im Dorf?», fragt Wiskemann, die Kinder zählen auf. Ameisen, Käfer, Insekten… Tatsächlich ist die Artenvielfalt in urbanen Gebieter dichter und grösser als auf dem Land. Alleine auf der Fläche der Stadt Zürich leben 1200 Pflanzenarten, das entspricht rund einem Drittel aller Arten der Schweiz. «Küsnacht soll als Beispiel dienen.

Solche Lebensräume gibt es in jedem Dorf, in jedem Garten. Doch über diese Vielfalt wissen nur die wenigsten. Und dieses Bewusstsein soll auf spannende Weise gefördert werden», so Wiskemann. Zum Beispiel gibt es neben dem Oberstufenschulhaus einen schlichten Betontümpel. Heute leben darin Algen, Schnecken und Schilfe. Sogar Molche können gefunden werden. Eine Diversität, von der viele glauben, dass sie nur in Naturschutzgebieten vorkommt.

Der kleine Teich bildet Posten neun. Die Schüler fischen Kaulquappen aus dem Wasser und untersuchen sie mit Becherlupen. Wiskemann erklärt den Unterschied zwischen dem Laich der Erdkröte und denjenigen des Grasfroschs.

Es gibt so viel zu entdecken, dass wir fast nicht mehr weiterkommen. Doch die Zeit läuft und davon und mittels digitaler Karte wird schon der nächste Posten gesucht. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.05.2018, 14:41 Uhr

Schnitzeljagd für alle

Teilnehmen können an der Schnitzeljagd des Naturnetz Pfannenstil nicht nur Schulklassen, sondern auch andere Gruppen, Familien und Einzelpersonen. Die elf Posten sind alle in gemütlicher Fussdistanz zum Bahnhof Küsnacht. Man sollte eine bis zweieinhalb Stunden dafür einplanen. Der Wettbewerb mit dem Lösungssatz läuft bis Ende Oktober. Zu gewinnen gibt es Gutscheine der Bäckerei Kägi. (rwe)

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