Urteil

Kandinsky-Diebin streitet vergeblich um Geld

Ein leerer Tresor, ein wertvolles Gemälde und viele offene Fragen: Ein spektakulärer Fall aus Zollikon hat am Bundesgericht ein Ende genommen. Am Schluss ging es noch um einige zehntausend Franken.

Ein Gemälde des russischen Malers Wassily Kandinsky – hier betrachtet eine Besucherin ein Exemplar in einer Galerie in New York – spielte die Hauptrolle in einem Prozess, der nun vor Bundesgericht sein Ende fand. (Symbolbild)

Ein Gemälde des russischen Malers Wassily Kandinsky – hier betrachtet eine Besucherin ein Exemplar in einer Galerie in New York – spielte die Hauptrolle in einem Prozess, der nun vor Bundesgericht sein Ende fand. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Eine verschwundene Million und ein wundersam wieder aufgetauchter Kandinsky haben die vergangenen Jahre sämtliche Gerichtsinstanzen in der Schweiz beschäftigt. Zum Schluss hat nun das Bundesgericht einen Entscheid gefällt. Allerdings geht es in seinem am Dienstag veröffentlichten Urteil nur noch darum, wer welchen Anteil an den Gerichtskosten zu zahlen hat.

Umso spektakulärer ist jedoch die Vorgeschichte: Vor mittlerweile neun Jahren begleitet eine Unternehmensberaterin ihre betagte Mutter zur Bank, um eine Million Franken abzuheben und im elterlichen Zuhause in Zollikon in einen Tresor zu legen.

Wenige Tage später sind Vater und Mutter tot. Sie haben aufgrund ihres Alters und ihrer Gebrechen Doppelsuizid begannen. Der Tresor wird geöffnet und die Million ist weg. Ebenso ein Aquarell des russischen Malers Wassily Kandinsky, das einen Versicherungswert von 150'000 Franken hat. Die Brüder der Unternehmensberaterin werden argwöhnisch und verdächtigen die Schwester.

Der Russe aus der Sauna

Schliesslich kommt es – die Schwester wohnt mittlerweile in der Liegenschaft der Verstorbenen – zu einer Hausdurchsuchung. Und siehe da: Die Polizei stösst im Haus auf den vermissten Kandinsky. Die Beschuldigte will ihn achtlos in der Sauna deponiert gefunden haben. Dies, obwohl ein renommierter Liquidator nach dem Tod der Eltern das Haus sorgfältig geräumt hat. Das Bild des russischen Künstlers müsste dem erfahrenen Mann, so ist anzunehmen, aufgefallen sein.

Verdächtig sind auch die Bankbewegungen der Tochter. Sie hat nach dem Tod der Eltern Hunderttausende von Franken zwischen verschiedenen Konten verschoben. Das Geld hat sie sich jeweils bar ein- und auszahlen lassen. Und aufgrund gefälschter Dokumente, wie sich herausstellt, hat sie die Herkunft der Gelder verschleiert. Ihre Erklärungen für die Geldflüsse sind wenig überzeugend und lückenhaft. Sie bringt einen ominösen Geschäftspartner ins Spiel, der ihr für den Kauf ihrer Firma Geld geschuldet haben soll. Den Betrag habe er ihr bar übergeben, irgendwo in einem Zürcher Hotel, an das sie sich nicht mehr genau erinnern will.

Geldwäscherei unbewiesen

Anderes vermutet die Staatsanwaltschaft: Geldwäscherei. Beweisen lässt sich dies allerdings nicht. Das Bezirksgericht Meilen spricht die Beschuldigte deshalb vor drei Jahren vom Vorwurf des Diebstahls der Million, des Betrugs und der Geldwäscherei frei. Nur im Fall des entwendeten Kandinsky kann sie ihren Kopf nicht aus der Schlinge ziehen, da dieser anders als das Geld von der Polizei sichergestellt worden ist.

Zwar hat die Frau noch versucht, die Bedeutung des Bildes herunterzuspielen. Es handle sich nicht um einen echten Kandinsky, sondern um eine Fälschung. Der Vater habe viele gefälschte Kunstwerke besessen und sogar solche anfertigen lassen. Doch ihre Beteuerungen bringen nichts. Das Obergericht bestätigt das Urteil der Vorinstanz im vergangenen Jahr weitgehend. Die Diebin kommt aber mit einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 300 Franken praktisch ungeschoren davon. Bezahlen muss sie die Strafe nur, wenn sie sich in den nächsten zwei Jahren etwas zuschulden kommen lässt.

Den Schuldspruch akzeptiert die Frau offenbar. Aber nicht die Kosten für das Verfahren und die vom Gericht angeordneten Prozessentschädigungen. Die Verurteilte versucht, den grössten Teil auf die Brüder abzuwälzen. Auch der Staat soll zahlen. Die Frau findet, sie werde zu Unrecht zur Kasse gebeten, schliesslich sei sie von den meisten Vorwürfen freigesprochen worden. Es geht um mehrere Zehntausend Franken.

Gericht hält sich zurück

Das Bundesgericht will davon aber nichts wissen. Die Kostenverteilung liege im Grundsatz im Ermessen der Vorinstanz, da diese am besten in der Lage sei, die Angemessenheit zu beurteilen, hält es ins seinem Urteil fest. Das Bundesgericht auferlege sich hier eine gewisse Zurückhaltung und schreite nur dann ein, wenn die Vorinstanz den ihm zustehenden Ermessensspielraum überschritten habe.

Bleiben noch die Kosten für das Verfahren am Bundesgericht. Sie betragen 3000 Franken. Zahlen muss die Kandinsky-Diebin.

Erstellt: 01.10.2019, 16:26 Uhr

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