Herrliberg/Meilen

Junges Ensemble zeigt reife Leistung

La Scaletta, die junge Bühne des Atelier-Theaters Meilen,feierte am Sonntag mit einer erfrischend frechen Version von «Romeo und Julia» Premiere. Die 10-bis 15-jährigen Darsteller begeisterten ihr Publikum auf der ausverkauften Heubühne.

Die Protagonisten Nina Häni und Nino Gherzi überzeugen in der Szene, in welcher der verzweifelte Romeo seine vermeintlich tote Geliebte findet.

Die Protagonisten Nina Häni und Nino Gherzi überzeugen in der Szene, in welcher der verzweifelte Romeo seine vermeintlich tote Geliebte findet. Bild: Sabine Rock

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Wer glaubt, der tragischen Ge­schichte­ um das wohl berühm­teste Liebespaar der Weltliteratur könne nichts Neues mehr abge­wonnen werden, der wird in der Heubühne eines Besseren belehrt. Anke Ruges zeitgemässes Stück «Romeo und Julia» frei nach William Shakespeare besticht durch viele, bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Rollen und ist speziell auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten. Anne­gret Trachsel passte in ihrer Inszenierung die Vorlage so an die 20 Akteure an, dass jeder Einzelne­ sich perfekt einbringen konnte.

Unter der musikalischen Leitung von Corina Gieré am Klavier­ wird Ruges Sprech­theater mit Gesang und Tanz noch um eine Dimension erweitert. Auch in der 15. Produktion begeisterte La Scaletta, die junge Bühne des Atelier-Theaters Meilen.

Berührende Todesszene

Julia Capulet (Nina Häni) wächst behütet in einer gut situierten Fami­lie auf. Anders als ihre Freun­dinnen glaubt die roman­tische 15-Jährige noch, irgendwann den Traumprinzen zu finden, der sogar sein Leben für sie geben würde. Umso schockierter ist sie, als sie erfährt, dass ihre Eltern sie mit dem reichen Prinzen Paris verheiraten wollen.

Unter die Gäste eines Maskenballs der Capulets mischen sich auch Jugend­liche der Montagues aus der ärmlichen Vorstadt Veronas. Die beiden Familien sind seit je verfeindet. Obwohl Romeo Montague (Nino Gherzi) wegen eines anderen Capulet-Mädchens zur Feier erscheint, verliebt er sich in Julia, die seine ­Gefühle erwidert. Bei einer Begeg­nung der Montague- und Capulet-Jugend versucht Romeo, das Kriegsbeil zu begraben und Frieden zu schliessen. Doch statt des erhofften Handschlags fliegen die Fäuste. Die Situation eskaliert und endet in einer Katastrophe, die Romeo zum Untertauchen zwingt. Ein Pater ­möchte dem jungen Liebespaar die Flucht und somit ein gemeinsames Leben ermöglichen, indem er Julia mithilfe einer seiner Tinkturen in einen 24-stündigen todesähnlichen Schlaf versetzt.

Dass Romeo nicht rechtzeitig darüber informiert werden kann und es dann zu Verzweiflungs­taten kommt, weiss jeder Theaterbesucher. Trotzdem hätte ­diese Szene intensiver und emotionaler nicht sein können. «Als Julia aufgebahrt dalag und alle mit Kerzen in den Händen zu dieser ergreifenden Klaviermusik Abschied nahmen, liefen mir Tränen­ die Wangen hin­unter», sagte eine Zuschauerin, und auch eine andere Frau gab an, den Schluss nur noch durch einen Tränenschleier gesehen zu haben­. Einen eindrücklicheren Beweis für eine gelungene Darbietung dürfte es kaum geben.

Verschmelzen mit der Rolle

Sowohl Musikauswahl als auch Rollenverteilung waren perfekt auf Inszenierung und Darsteller zugeschnitten. «Jeder hat den richtigen Charakter gefunden», sagte Anne­gret Trach­sel. Und nichts fesselt ein Publikum mehr als Akteure, die ihre Rolle nicht nur spielen, sondern mit so viel Authentizität verkörpern, dass sie fast mit ihr verschmelzen und sie zum Leben erwecken. Besonders eindrücklich war zum Beispiel, wie Nino Gherzi als Romeo auf die Nachricht von Julias Tod rea­gierte. Er ereiferte sich dermassen, dass die Halsschlager deutlich hervortrat.

Es überzeugten freilich alle – und zwar schauspielerisch wie musikalisch. Mimik und Körpersprache stimmten immer, auch wenn die eigene Figur überhaupt nicht im Fokus des Geschehens war. Sogar den Umbau des raffiniert vielseitigen Bühnenbildes von Thomas Trachsel übernahmen die Jungen mit routinierten Handgriffen in Windeseile. Dem Publikum blieb nichts weiter übrig­, als ob der Verbindung von Professionalität und natürlichem Charme zu staunen – und tosend zu applaudieren.

Aufführungen: 16., Donnerstag,17., 23., 25. Mai, um 19.30 Uhr; 26. Mai, um 18 und 27. Mai um 17 Uhr. Heubühne, General-Wille- Strasse 169, Feldmeilen. Vorverkauf: Papeterie im Dorf 21, Herrliberg, Tel. 044 915 25 66 (dienstags bis samstags 9 bis 12 Uhr) oder unter www.ateliertheater-meilen.ch (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.05.2018, 08:53 Uhr

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