Küsnacht

In drei Jahren zur Nachwuchs-Schachmeisterin

Sie ist noch keine zehn Jahre alt und hat kürzlich an den Mädchen-Schweizermeisterschaften im Schach alle Gegnerinnen geschlagen. Was Aanya Garg am meisten am Schachspiel gefällt? Natürlich gewinnen.

Voller Stolz posiert die U10-Schweizermeisterin Aanya Garg hinter dem Schachbrett mit ihrem Goldpokal.

Voller Stolz posiert die U10-Schweizermeisterin Aanya Garg hinter dem Schachbrett mit ihrem Goldpokal. Bild: Sabine Rock

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Sie sagt es mit der Selbstverständlichkeit und der unschlagbaren Natürlichkeit eines Kindes in ihrem Alter und ohne nur eine Sekunde zu zögern: «Gewinnen!» lautet die Antwort von Aanya Garg auf die Frage, was sie denn am Schachspiel begeistert.

Die Tochter indischstämmiger Eltern, die im Oktober ihren 10. Geburtstag feiert und erst seit drei Jahren Schach spielt, besiegt mittlerweile sowohl Mutter wie Vater. Als die Familie vor drei Jahren nach Küsnacht zog, war es den Eltern wichtig, dass Aanya nebst der Schule in der Freizeit einem Hobby nachgehen sollte, um sich besser zu integrieren.

Das Tennisspielen liess sie rasch bleiben. Bei der Musik übt sie zwar weiterhin auf ihrer Gitarre. Angetan war das aufgeweckte Mädchen jedoch sofort vom Schachspiel, nachdem sie in der Küsnachter Schachschule von Markus Regez eine Schnupperstunde besucht hatte. Seitdem geht sie in den nur 200 Meter von ihrem Zuhause entfernten Kursräumen ein und aus.

Aanya hatte Glück, denn Markus Regez hat seine Schachschule erst 2013 an der Seestrasse eröffnet. Der 43-Jährige professionelle Schachtrainer, der mit acht Jahren das Brettspiel erlernte, inzwischen über 1000 Turnierpartien gespielt hat und zudem Nationalcoach der Schweizer Junioren ist, bietet Schachkurse für Kinder ab vier Jahren an. «60 Kinder kommen in der Woche zu mir, daneben unterrichte ich 30 Junioren und Erwachsene und erteile auch Einzeltrainings vor Turniere», sagt er. Regez hat für seine jüngsten Kursteilnehmer kindergerechte Schachtests entwickelt, von denen auch Aanya profitiert hat. Sie schwärmt immer noch von den spielerischen Aufgaben. Inzwischen setzt sich die Kleine immer öfter vor den Computer und spielt online mit erwachsenen Gegnern, nachdem ihr das Training mit Gleichaltrigen keine Herausforderungen mehr geboten hatte.

Begabt für logisches Denken

Das Schachspiel sei ein Kopfsport, der Aanya besonders liege, bemerkt Regez: «Sie denkt für ihr Alter sehr sorgfältig über ihre Züge nach und hat eine besondere Begabung für logisches Denken.» Während Kinder in der Regel nach Impuls spielen und einen Zug ausführen, ohne die Konsequenzen zu bedenken, prüfe Aanya die Züge zuerst nochmals, bevor sie sie ausführe, sagt Regez. Darum liegen ihr Langzeitpartien besonders. Sie sei kein «Jufli», sondern ihre Art zu spielen entspreche ihrem Charakter. «Sie hinterfragt ihre Entscheidungen gut, was andere Kinder in ihrem Alter meist noch nicht so ausgeprägt machen.»

Abenteuerliche Seite

«Es braucht viel Geduld», so formuliert es Aanya, die Schach spielte, bevor sie noch richtig schreiben konnte. Auch wenn eine Partie über drei Stunden dauere, für sie fliegt die Zeit nur so vorbei. Sie spricht fliessend Mundart. Da wir das Gespräch mit ihren Eltern, die vor neun Jahren in die Schweiz kamen und beide erwerbstätig sind, auf Englisch führen, beteiligt sich die Tochter wortgewandt in ebendieser Sprache. Nebenbei bespricht sie einige Antworten mit ihnen auf Hindi, bevor sie auf Hochdeutsch fortfährt.

Man spürt ihre Freude am Schachspiel und während es aus ihr heraussprudelt, kann sie kaum stillsitzen. Da muss der Vater die abenteuerliche Seite seiner Tochter doch noch erwähnen, die neben der Kopfarbeit auch Sport treibe: Im Winter wird in Arosa Ski gefahren und sommers geht die ganze Familie oft wandern. Aanya sei begeistert von Seilparks und liebe «rockclimbing», also klettern, wie der Ingenieur nicht ohne Stolz beifügt.

Die Schweizer Schach-Meisterschaften in Solothurn mit vier Kategorien waren zusammen mit den Qualifikations-Turnieren für Aanya die erste Beteiligung an einem Turnier dieses Ausmasses. Die Eltern unterstützen die Leidenschaft der Tochter, organisieren die Reisen und Unterkünfte, ohne Druck auszuüben. «Die Freude muss von ihr kommen», sagt die Mutter.

Und was ist, wenn Aanya mal verliert? «Dann bin ich traurig», lautet die Antwort. Dann bespricht die stille Strategin ihre Notizen zu den Schachzügen mit Markus Regez, um daraus zu lernen. Denn Aanya hat ein Ziel: «Nächstes Jahr an den U12 gewinnen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.07.2017, 15:00 Uhr

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