Küsnacht

In der neuen Klinik entstehen bis zu 150 Arbeitsplätze

Ein Neubau soll in Küsnacht die ehemalige Klinik St. Raphael ersetzen. Das kürzlich eingereichte Baugesuch zeigt die Ausmasse des Projekts: Vorgesehen sind fünf Operationssäle, ein Ärztezentrum, fast 100 Betten und ein Restaurant.

Bernsteinfarben soll die Fassade des geplanten Klinikneubaus am Waldrand schimmern.

Bernsteinfarben soll die Fassade des geplanten Klinikneubaus am Waldrand schimmern. Bild: Visualisierung: Webereinhardt Generalplaner / Nightnurse Images

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Architektonisch ist es ein grosser Wurf: ein vierstöckiger Spitalbau, der sich an das bewaldete Tobel des Kusenbachs im Küsnachter Ortsteil Itschnach anschmiegt. Der Grundriss hat die Form eines Bumerangs, die Fassade besteht aus Keramikplatten in Bernsteintönen. Alles wirkt teuer und exklusiv – so, wie man es sich bei einer Privatklinik eben vorstellt.

Seit Jahresbeginn gibt das öffentlich aufliegende Baugesuch detailliert Einblick in das 80 Millionen Franken teure Projekt. Das Vorhaben soll ein Stück Spitalgeschichte hoch über der Gemeinde Küsnacht wiederbeleben. Denn hier wurde bis 2008 die Privat­klinik St. Raphael betrieben. Ein Projekt für ein Nachfolgespital scheiterte – bis die Mehrheitsaktionärin, die Klinik Pyramide am See, im vergangenen November ein neues lancierte.

Seit bald zehn Jahren läuft hier nichts mehr: Die Klinik St. Raphael im Küsnachter Ortsteil Itschnach ist stillgelegt, die Liegenschaft wirkt verwahrlost. Foto: Manuela Matt

Mehr Steuereinnahmen

Weil ihre bisherige Liegenschaft totalsaniert werden muss, will die Pyramide 2021 ihren heutigen Standort im Zürcher Seefeld aufgeben und nach Küsnacht ziehen. Bis dann soll der dortige Neubau fertig sein, auch wenn es noch die eine oder andere Hürde geben könnte.

Für Küsnacht bedeutet die abermalige Inbetriebnahme der Klinik zusätzliche Steuereinnahmen sowie bis zu 150 Vollzeitstellen in der Gemeinde. Für so viele ist der Neubau konzeptioniert. Geplant sind gemäss Baugesuch ein Facharztzentrum, fünf bis zehn Facharztpraxen, vier grosse Operationssäle sowie ein kleiner, 66 Zimmer mit maximal 94 Betten, ein teils öffentliches Restaurant, eine Garage für 90 Autos und Abstellplätze für 40 Velos.

Wie ein Bumerang, der parallel zum Tobel verläuft, sieht das Gebäude von oben aus. Foto: Michel Wenzler

Verkehr könnte zu reden geben

Die Betreiber gehen gemäss den Unterlagen davon aus, dass die meisten Besucher und Patienten mit dem Auto anreisen werden. Bei einer Privatklinik könne die Anbindung an den öffentlichen Verkehr tiefer gewichtet werden als bei einem öffentlichen Spital, heisst es im Baugesuch. Die 500 Meter entfernte Bushaltestelle an der Zumikerstrasse, einer Kantonsstrasse, reiche deshalb.

Für Autofahrer erfolgt die Zufahrt ab der Zumikerstrasse über die Sackgasse In der Hinterzelg, auf der wie im restlichen Quartier Tempo 30 gilt. Die Verantwortlichen rechnen mit 350 bis 950 Personenwagen pro Tag, hinzu kommen wöchentlich fünf bis sechs Lieferwagen. Verglichen mit einem öffentlichen Spital sind diese Werte niedrig. Doch ist durchaus möglich, dass das voraussichtliche Verkehrsaufkommen bei den Anwohnern zu reden geben wird – schliesslich ging es in den vergangenen zehn Jahren, während deren die Klinik geschlossen war, ruhig zu und her im Quartier. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.01.2018, 21:41 Uhr

Historische Villa Nager

Eine geschützte Villa als Hindernis

Nebst Einsprachen von Nachbarn könnte der Klinik die eigene Vergangenheit zum Verhängnis werden. Der Neubau soll nämlich das bisherige Gebäude, die geschützte Villa Nager, ersetzen. «Die Villa Nager wird ins Neubauprojekt nicht integriert», sagte Mediensprecherin Sandra Neeracher kürzlich gegenüber der ZSZ. «Wir gehen davon aus, dass der Gemeinderat beantragen wird, sie aus dem Inventar schützenswerter Objekte zu entlassen, weil das öffentliche Inter­esse an einer Klinik als grösser bewertet wird als deren Schutzwürdigkeit.»

Um die Frage der Schutzwürdigkeit des Gebäudes gab es in den vergangenen Jahren jedoch mehrere juristische Auseinandersetzungen. 2012 befand das Bundesgericht, das Gebäude sei zu schützen, weil es sich um ein Stück Schweizer Architekturgeschichte handle. Die Villa wurde 1937 von den Architekten Otto und Werner Pfister im sogenannten Landistil erbaut. Auftraggeber war der renommierte Ohrenarzt Felix Nager, der darin sein Wohnhaus einrichtete.

1961 erwarben Ordensschwestern aus der Stadt Zürich die Villa Nager mitsamt Umschwung und eröffneten die Klinik­ St. Raphael. 1999 steigt die Klinik Pyramide als Mehrheits­aktionärin ein, in der Absicht eine moderne Klinik zu bauen. Weil es dagegen Rekurse gab und im Verlaufe der Zeit meh­rere der am Projekt beteiligten Ärzte absprangen, wurde das Projekt 2009 aufgegeben. (miw)

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