Stäfa

Hier wird für die Filmstars gekocht

Ob in Zürich, auf einer abgelegenen Bergwiese oder mitten in einem Privatgarten. Die Filmcaterer Bacio Lupaio befinden sich dort, wo gedreht wird – aktuell neben der Stäfner Seestrasse.

Rémy Majer und Aleyda Ozuna kochen im Foodtruck ein dreigängiges Menü für 40 Personen.

Rémy Majer und Aleyda Ozuna kochen im Foodtruck ein dreigängiges Menü für 40 Personen. Bild: Manuela Matt

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Leuchtend gelbe Mangostücke, grasgrüne Edamamebohnen, weisse Blumenkohlröschen und braune Morcheln – auf der Chromstahlabdeckung des Küchenmobils reiht sich Schale an Schale mit vorbereiteten Lebensmitteln. Im Ofen brutzeln Würstchen im Teig, in der Pfanne rösten Baumnusskerne – die Vorbereitungen für eine weitere Tagesverpflegung laufen auf Hochtouren.

Aleyda Ozuna nimmt die Mangostücke und füllt sie zusammen mit Lachs, Frühlingszwiebeln und Sojasprossen in kleine Weckgläser. «Das gibt den Znüni für die Filmcrew», sagt die 48-Jährige, die ursprünglich aus der Dominikanischen Republik stammt. Ihr Geschäftspartner, der 27-jährige Rémy Majer, leert inzwischen die gekochte Tomatencurrysauce in ein Gefäss. Sie wird später zu den Würstchen im Teig gereicht. Die beiden betreiben gemeinsam das Filmcatering Bacio Lupaio, was auf Deutsch Wolfskuss bedeutet. «Namensgeber war eine Weinflasche», sagt Majer und lacht. Mit ihrem 1,80 mal 3 Meter grossen Foodtruck, einem umgebauten Marktwagen, sind die Caterer zurzeit neben der Stäfner Seestrasse stationiert.

«Ich wollte jeweils alles à la minute zubereiten, Aleyda hingegen 50 Stunden vorher.»Rémy Majer

Demnächst wird der Fahrer der Filmcrew eintreffen, der anschliessend den Znüni ans Set von Bettina Oberlis neuem Spielfilm bringen wird. Dieses befindet sich ein paar Hundert Meter weiter seeaufwärts in einer prächtigen Villa direkt am See. Bacio Lupaio bereiten an jedem der 30 Drehtage in Stäfa das Frühstück, ein dreigängiges Mittagessen sowie zwei bis drei Zwischenverpflegungen für 40 Personen zu. Eine Herausforderung in einer Miniküche, in der zwei Personen nur aneinander vorbeikommen, «wenn keine der beiden mit Übergewicht zu kämpfen hat», sagt Rémy Majer und lacht.

10-Stunden-Tage

Logisch, dass jedes Ding in der klug eingerichteten mobilen Küche seinen festen Platz hat, sonst wäre das Chaos programmiert. Von Chaos ist denn auch nichts zu spüren an diesem Vormittag. «Aleyda und ich arbeiten Hand in Hand», sagt Majer. Das sei nicht immer so gewesen, meint er vielsagend, und seine Geschäftspartnerin lacht schallend. «Ich wollte jeweils alles à la minute zubereiten, Aleyda hingegen 50 Stunden vorher.» Heute sind die beiden so gut eingespielt, dass ihnen auch die 10-Stunden-Tage die Freude am Kochen nicht verderben können.

Majers Arbeitstag beginnt um 5.30 Uhr. Dann holt er im Lager in Freienstein Lebensmittel für den jeweiligen Tag, denn im Kühlschrank im Foodtruck ist der Platz begrenzt. Immerhin könne in Stäfa der Kühler über Nacht laufen gelassen werden, sagt er. «Findet der Dreh auf einer abgelegenen Bergwiese statt, ist der logistische Aufwand viel höher.»

Lecker und frisch: Zwischenverpflegung aus der Küche «Bacio Lupaio».

Heute gibt es zum Zmittag Blumenkohlsuppe, Farfalle mit Mönchsbart und Pesto sowie ein Vermicelles-Törtli zum Dessert. Alles wird vor Ort frisch und möglichst abwechslungsreich zubereitet. Majer lässt Zucker über die gerösteten Baumnusskerne in der Pfanne rieseln. Ob die karamellisierten Kerne dem Pesto einen besonderen Geschmack verleihen? Er habe keine Ahnung, sagt der 27-Jährige und lächelt verschmitzt. «Ich mache das heute zum ersten Mal.» Die beiden Caterer kochen nach Gefühl. Beide sind keine gelernten Köche. Aleyda Ozuna kommt aus dem Service, Rémy Majer absolvierte ursprünglich die Handelsmittelschule. Kennen gelernt haben sie sich, weil Majer mit Ozunas Tochter zusammen war. «Da entdeckten wir unsere gemeinsame Leidenschaft fürs Kochen.» Im Mai 2016 gründeten sie ihr Cateringunternehmen, im Sommer eröffneten sie eine Beiz in Freienstein, welche sie auch heute noch während der Monate Juni, Juli und August führen. Der erste Filmauftrag folgte im Spätsommer des gleichen Jahres.

Inspiration Streetfood

Etwa 150 Tage im Jahr arbeiten Bacio Lupaio für Kino-, Fernseh- oder Werbeproduktionen. Rémy Majer kennt die Branche bestens: Sein Grossvater Bernard Lang gründete 1980 die Filmproduktionsfirma Bernard Lang AG, die heute von Rémys Mutter Anne-Catherine Lang geführt wird. Er selber arbeitete während zweier Jahre als Regieassistent.

Diese Branchenkenntnisse machen es den Caterern leichter, gewisse Eigenheiten eines Filmcaterings zu verstehen. Etwa, dass Pünktlichkeit ein dehnbarer Begriff ist: «Die Crew ist selten zur vereinbarten Zeit zum Zmittag da.» Oft komme kurz vorher noch ein Whatsapp mit der Info, der Dreh dauere länger. Aleyda Ozuna zuckt mit den Schultern. «Das ist halt einfach so.» Die Caterer haben daraus gelernt: Pasta etwa kochen sie erst, wenn die Filmtruppe für das Mittagessen eingetroffen ist. Auch sonst ist ein hohes Mass an Flexibilität unerlässlich. Beim aktuellen Auftrag müssen die beiden Köche auch vegetarische, vegane, laktose- und glutenfreie Menüvarianten zubereiten. Inspirieren lassen sie sich etwa von Kochbüchern mit Streetfood aus aller Welt, das dann auf den Tellern der Filmcrew landet. Diese ist dankbar für die täglichen kulinarischen Highlights. Gerade trifft das Whatsapp eines Setmitarbeiters auf Rémys Handy ein: «Was gibt es heute Tolles zum Zmittag?»

Erstellt: 03.05.2019, 11:14 Uhr

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