Herrliberg

Herrlibergs neue Bauordnung steht vor der letzten Hürde

Nächste Woche stimmt die Gemeindeversammlung über eine Teilrevision der Nutzungsplanung ab. Diese soll das Dorfzentrum gleichzeitig verdichten und aufwerten.

Die Forchstrasse soll dereinst das Dorfzentrum weniger zerschneiden. Dafür werden nun die planerischen Grundlagen gelegt.

Die Forchstrasse soll dereinst das Dorfzentrum weniger zerschneiden. Dafür werden nun die planerischen Grundlagen gelegt. Bild: Manuela Matt

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Wachsen ja, aber bitte nur sanft und schön. Unter diesem Grundsatz lässt sich die Revision der Nutzungsplanung der Gemeinde Herrliberg zusammenfassen. Sie wurde basierend auf den Ende 2017 festgesetzten Richtplänen ausgearbeitet und im Mai 2019 erstmals der Bevölkerung präsentiert.

Es folgte ein 30-tägiges Mitwirkungsverfahren und die Anhörung von Nachbarsgemeinden sowie der Planungsgruppe Pfannenstiel und des Kantons. Am kommenden Mittwoch wird nun die bereinigte Version der Gemeindeversammlung vorgelegt.

Anreize für Verdichtung

Im Fokus der Revision steht das Dorfzentrum. Dieses soll als Begegnungs- und Aufenthaltsort gestärkt werden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Forchstrasse. Die Planung für die Umgestaltung der zentralen Verkehrsachse will die Gemeinde noch in diesem Jahr zusammen mit dem Kanton an die Hand nehmen. Mit der nun vorgelegten Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) werden dafür nötige planerischen Voraussetzungen festgeschrieben. So wird zürichseitig entlang der Forchstrasse eine Zentrumszone festgesetzt, in der beispielsweise höhere Fassaden für gewerblich genutzte Gebäude erlaubt und Mauern über 1,2 Metern untersagt sind.

Zugleich soll das Dorfzentrum aber auch derjenige Ort sein, an dem eine Verdichtung stattfindet. «Herrliberg will nicht wahnsinnig stark wachsen», sagt Hochbauvorsteher Hansjürg Zollinger (Gemeindeverein). Dennoch wurde im Richtplan festgehalten, dass eine sanfte Entwicklung, insbesondere im Zentrum, möglich sein soll. Erreichen will dies der Gemeinderat mit Sonderbauvorschriften für die Zentrumszone sowie die daran angrenzenden Wohnzonen.

Demnach sollen «gute architektonische und freiräumliche Lösungen» mit einem Nutzungsbonus von bis zu 20 Prozent mehr Baumasse belohnt werden. Als Kriterien gelten die Qualität der Gestaltung, die Schaffung von begrünten Freiflächen und die Planung unterirdischer Parkplätze. Wie Zollinger sagt, bringt dieses Planungsinstrumen im Gegensatz zur Aufzonung den Vorteil, dass es den Behörden Einfluss auf die Gestaltung erlaube. «Wir erachten es daher als geeignetes Mittel um eine massvolle Verdichtung zu erreichen», sagt der Hochbauvorstand.

Zugleich betont er, dass schon heute die Möglichkeit bestehe, zusätzliches Bauvolumen zu realisieren – nämlich dann, wenn Bauherren bei Anbauten eine energiesparende Bauweise geltend machen können. Die Befürchtung, dass infolge der Sonderbauvorschriften die Häuser in Herrliberg künftig viel grösser würden, sei demnach unbegründet.

Neue Gestaltungsplanpflicht

Trotzdem: Die Sonderbauvorschriften kommen nicht bei allen Herrlibergern gut an. Dies hatte sich bereits an der Infoveranstaltung im Frühling gezeigt und ist nun im Bericht zum Mitwirkungsverfahren ersichtlich. So haben mehrere Grundeigentümer an der Glärnischstrasse einen Verzicht auf besagtes Anreizsystem in ihrer Strasse gewünscht. Der Gemeinderat ist auf die Einwendung eingetreten und hat den Perimeter entsprechend verkleinert. Zollinger rechnet aufgrund von Parikularinteressen aber weiterhin mit Gegenwind für die Sonderbauvorschriften.

Wie dem Bericht zur Mitwirkung zu entnehmen ist, sind insgesamt 13 Einwendungen mit 19 Änderungsanträgen von Privateigentümern eingereicht worden. Auf die Mehrheit dieser Einwendungen ist der Gemeinderat nicht eingetreten – teils weil sie den Zielen der Teilrevision widersprechen würden, teils weil sie bereits sinngemäss berücksichtigt oder nicht Gegenstand der aktuellen Teilrevision seien.

«Wir erachten es als geeignetes Mittel, um eine massvolle Verdichtung zu erreichen.»Hansjürg Zollinger, Hochbauvorsteher der Gemeinde Herrliberg über die neuen Sondervorschriften

Ebenfalls berücksichtigt hat der Gemeinderat allerdings eine Einwendung zu der Liegenschaft direkt an der Kreuzung Forch- / Humrigenstrasse. Auf dem in der Kernzone liegenden Grundstück wollte er ursprünglich einen wichtigen Freiraum – eines der neuen Instrumente für die Erhaltung des Ortsbildes – einzeichnen. Die Grundeingentümer, eine private Erbengemeinschaft, forderten jedoch, das Grundstück davon zu befreien und es als Bestandteil der Zentrumsplanung zu betrachten.

Geeinigt hat man sich schliesslich darauf, die Parzelle mit einer Gestaltungsplanpflicht zu versehen. Dies hat zur Folge, dass eine Neubebauung, wenn sie die Grundmasse gemäss BZO überschreiten würden, vor die Gemeindeversammlung kommen würde – eine aus Sicht von Gemeinderat Zollinger durchwegs positive Lösung: «So haben wir vielleicht sogar die Möglichkeit, dass dort mit der Aufwertung der Forchstrasse etwas Neues entsteht», sagt er.

Erstellt: 16.01.2020, 17:15 Uhr

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