Beleuchtung

Grosser Kampf um die richtige Beleuchtung

Im Kanton Zürich haben die kantonalen Elektrizitätswerke in Sachen Strassenbeleuchtung viel zu sagen. Doch einzelne Gemeinden gehen eigene Wege. Allen voran Langnau.

In Wädenswil wird die Lichtstärke dem Verkehr angepasst.

In Wädenswil wird die Lichtstärke dem Verkehr angepasst. Bild: pd / EKZ

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Kürzlich haben die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) eine imposante Medienmitteilung verschickt. An der Seestrasse in Wädenswil werden mehrere Strassenlampen durch den sogenannten Smart City Tower gesteuert. Je nach Verkehrsfluss leuchten die Lampen heller oder weniger stark. Klingt eindrücklich.

Einer kann da nur müde lächeln: Rolf Schatz, GLP-Gemeinderat in Langnau und Leiter der Geschäftsstelle von Dark Sky, einer Organisation, die sich gegen Lichtverschmutzung einsetzt. Als Vorstand Infrastruktur treibt er die Umrüstung der Strassenlampen vehement voran. 2011 noch mit den EKZ. Damals wurden in einer Strasse Lampen eingebaut, die dimmbar waren. Mit den EKZ hat sich der Grünliberale mittlerweile überworfen.

Computer steuert Lichter

Vor etwas mehr als einem Jahr hat Schatz zusammen mit seinem Adliswiler Kollegen neue Lampen direkt beim Hersteller bezogen, einer Churer Firma. Auch den Auftrag zur Installation hat der Langnauer ausschreiben lassen. Wieder entschied man sich für eine andere, preisgünstigere Firma als die EKZ. Jetzt sind schon erste Quartiere mit den neuen Leuchten ausgerüstet. Gewechselt wurden nur die Lampen, die Kandelaber blieben stehen.

Das Besondere an den neuen Lichtern: Sie sind über Computer steuerbar. Die Lichtstärke kann jederzeit verändert werden. Die Leuchten schalten nur noch mit 40 Prozent Lichtstärke ein, ab 20 Uhr senken sie auf 10 Prozent ab. Nun sind von sie auf Bewegung eingestellt. Befindet sich jemand im Erfassungsbereich, steigt die Beleuchtungsstärke für eine Minute wieder auf 40 Prozent um danach auf 10 Prozent zurückzufahren. «Damit können wir über 80 Prozent der Energiekosten gegenüber einer Natriumdampf-Leuchte einsparen», erklärt Schatz.

Der umtriebige Gemeinderat hat Interesse geweckt. Am Donnerstag sind Vertreter mehrerer Gemeinden nach Langnau gekommen, um sich die Alternativen zur EKZ anzuhören. Dabei sind etwa Kilchberg, Thalwil und Rüschlikon. Fast schon konspirativ trifft sich die Männerrunde - nur eine Frau nimmt teil - im Werkhof Langnau. Schatz ist in seinem Element. Besseren Schlaf für die Menschen oder auch weniger tote Insekten bringen die Wunderlampen.

Völlig falsch seien viele Gemeinden die Umrüstung auf LED angegangen. Sie hätten Lampen mit einer Stärke von 4000 Kelvin gekauft. Diese bringen zwar grosse Einsparungen bei den Kosten, doch sei die Leuchtkraft doppelt so stark wie vorher, sagt Schatz. 3000 Kelvin seien besser, versichert er.

Geschickt verbindet der Gemeinderat die beiden Teile seiner Partei. Grün ist der Kampf für den Schutz der Natur, liberal sein Aufstand gegen die grossen EKZ und für einen offenen Markt. Die Gemeinden sollen sich zusammenschliessen, um gute Preise für die Produkte zu erreichen, so wie es Langnau und Adliswil getan hätten. Die Gemeindevertreter hören interessiert zu. Kritisch wird hinterfragt, wie man der Bevölkerung beibringen soll, dass eine Lampe mit 10 oder 30 Prozent ihrer Leistung hell genug sein soll oder, dass die Gemeinde nachts alle Lichter löscht.

«Mit den Rückzahlungen versuchen die EKZ letztlich den freien Wettbewerb auszuhebeln.»Rolf Schatz, Gemeinderat Langnau

Rolf Schatz verkauft Langnau als Erfolgsgeschichte. Natürlich habe es kritische Stimmen gegeben. Doch mit breiter Information und Taten sei die Bevölkerung überzeugt worden. So etwa als die Lampen abgeschaltet wurden, als die Weihnachtsbeleuchtung hing. Praktischerweise konnte der Gemeinderat auf aufklärende Flyer von Dark Sky zurückgreifen, die an alle Haushalte verteilt wurden.

Noch gibt es keine Revolution gegen die EKZ. Adliswil hat entschieden, sowohl die Beschaffung, als auch die Umrüstung an die EKZ zu vergeben. Das ist nicht etwa ein Richtungswechsel. Wie Carmen Marty Fässler (SP), die seit 2018 den Werkbetrieben vorsteht, erklärt, sei das in Adliswil die übliche Praxis. Die Leuchten der besagten Churer Firma haben eben auch die EKZ im Angebot. Bei den aktuell nutzbaren Synergien mache eine Zusammenarbeit mit den EKZ am meisten Sinn. Am Donnerstag sind nur Vertreter von sieben Gemeinden anwesend. Aus dem Bezirk Meilen sind keine Vertreter dabei. Was aber nicht heisst, dass an der Goldküste nichts passiert in der Richtung.

Stäfa machts selber

Zuletzt liess Stäfa aufhorchen. An der Gemeindeversammlung beschlossen die Stimmbürger einen Wechsel zu intelligenten Lampen. In der Weisung zur Abstimmung ist nicht von den EKZ als Partner die Rede. Und tatsächlich bestätigt der stellvertretende Gemeindeschreiber Erich Maag, dass die Gemeindewerke Stäfa den Auftrag selber durchführen. Maag rechnet damit, dass die Umrüstung zwischen 2019 und 2022 erfolgen wird.

Im unteren Bezirksteil haben die Zürichsee Werke AG das Sagen beim Strom. In Küsnacht, Erlenbach und Zollikon sorgt die aus den jeweiligen Gemeindewerken entstandene AG für die Strassenlampen. Wie der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Rolf de Pietro, sagt, habe man auch schon intelligente Strassenbeleuchtung installiert, so 2015 in Zollikerberg. Alte Lampen werden durch LED ersetzt, wobei Sensoren dabei eher selten eingesetzt würde, so de Pietro. Mit den EKZ komme es zu einem regelmässigen Erfahrungsaustausch. «Grundsätzlich arbeiten wir aber direkt mit den Lieferanten zusammen», sagt de Pietro.

Hell, nicht grell

Es gibt also Beispiele von Gemeinden, die eigene Wege gehen. Die meisten bleiben den EKZ aber treu. Rolf Schatz hat seine eigene Erklärung dafür. Er verweist darauf, dass viele Gemeinden unsicher seien, ob sie die Zusammenarbeit aufkündigen wollen. Schliesslich leisten die EKZ jährlich Rückzahlungen an die Gemeinden, sogenannten Cashback. Jetzt kommt Schatz in Fahrt. Mit diesen Zahlungen werde letztlich versucht, den freien Wettbewerb, also die privaten Unternehmen, auszuhebeln. «Nach den Motto: Kaufst du nicht mehr bei mir, dann gibt es weniger Rückzahlungen!» meint er. Die EKZ seien quasi ein Monopolist, nur wenn man Druck mache bewege sich etwas - ein Vorwurf, den die EKZ entschieden dementieren (siehe nebenstehender Kasten).

Zum Schluss des Abends dürfen die Gemeindevertreter die Lampen noch in Aktion sehen. Im ruhigen Quartier fallen die gut 20 Leute auf. Etwas ungläubig hören sie zu, als Schatz sagt, dass die beiden Lampen am Ende der Strasse mit 10 Prozent Leistung leuchten. Hell genug ist es noch. Als einer aus der Gruppe Richtung Lampen geht, dreht die erste auf. 40 Prozent Leistung hat sie jetzt. Kurz darauf wird auch bei der zweiten Strassenlampe das Licht stärker. Die Strasse ist jetzt gut erleuchtet, aber nicht übertrieben grell. Die Gruppe ist beeindruckt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.02.2019, 18:55 Uhr

Lichtverschmutzung

EKZ verweisen auf erfolgreiche Zusammenarbeit mit Gemeinden

Dark Sky Geschäftsführer Rolf Schatz hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, wenn es um die EKZ geht. Zu träge ist ihm der Elektro-Riese, quasi ein Monopolist. Offiziell scheint es umgekehrt nicht so tragisch zu sein. Die provokativ gestellte Frage an die Medienstelle sorgt eher für Stirnrunzeln denn für Verärgerung. Wieso denn die EKZ bei der intelligenten Beleuchtung so hinter einer einzelnen Gemeinde wie Langnau hinterherhinken, will die ZSZ wissen. Das sei nicht objektiv, antwortet Mediensprecherin Katia Soland. Ebensowenig wie die Behauptung, dass das Verhältnis zwischen Rolf Schatz und den EKZ nicht das beste sei.

Also etwas diplomatischer: Was tun die EKZ in Sachen intelligente Beleuchtung? Einiges. Nur nicht unbedingt das, was Rolf Schatz macht. Der Langnauer Weg sei eben nicht in allen Situationen ideal. «Bewegungsmelder können für die Anwohner auch störend sein, weil das Licht laufend an- und ausgeht», sagt Soland. Je nach Strasse brauche es unterschiedliche Beleuchtungsmodelle. Es gebe verschiedene Arten der intelligenten Lichtsteuerung: Die Art des Sensors, die Dichte der Sensoren, also an jeder Leuchte oder nur an ausgewählten Leuchten, einfachere mit Bewegungsmelder oder komplexe, zum Beispiel mit Programmierung in Abhängigkeit des Verkehrsflusses.

Interessierte Gemeinden

Beim Smart City Tower in Wädenswil etwa wird der Verkehrsfluss gemessen. Das heisst, dass die Leuchten vor allem in den Stosszeiten heller leuchten und zurückgefahren werden wenn auf der Strasse weniger los ist. In Urdorf bleibe es so bis 22 Uhr hell.

Klar sei auch, dass die Gemeinden selber entscheiden, ob sie die neuen Technologien nutzen wollen, betont die Mediensprecherin. Die EKZ würden niemandem etwas aufdrängen. Es gebe regelmässige Treffen an denen solche Fragen aufgeworfen werden. Die EKZ liefern Inputs, die Gemeinden entscheiden. Katia Soland verneint, dass die Behörden kein Interesse zeigen. Als Beispiel nennt sie Adliswil, wo die EKZ im Auftrag der Stadt grossflächig intelligente Leuchten installiert haben. Der Kanton und 140 Gemeinden würden weiterhin mit den EKZ zusammenarbeiten. Im Einzugsgebiet stünden Hunderte intelligente Leuchten.

Die Aussage von Rolf Schatz, die EKZ versuche mit den jährlichen Rückzahlungen an die Gemeinden den freien Wettbewerb, also die privaten Unternehmen, auszuhebeln, weist EKZ als falsch zurück. Mediensprecher Noël Graber hält fest: «Die Ausgleichsvergütungen an die Gemeinden ohne eigenes Elektrizitätswerk werden nach einem definierten Schlüssel berechnet - basierend auf der Strommenge, die in der jeweiligen Gemeinde abgesetzt wird. Sie sollen einen möglichen Gewinn kompensieren, den Gemeinden mit einem eigenen EW hätten erzielen können. Ein Zusammenhang mit der öffentlichen Beleuchtung besteht nicht. Rolf Schatz wirft uns hier zu Unrecht vor, unsere Position zu missbrauchen.»

Pascal Jäggi

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