Zürichsee

Gesetz nimmt Boat-Sharing Wind aus den Segeln

Boat-Sharing Plattformen wie Sailcom und Sailbox sind am Zürichsee gefragt. Doch das Angebot an Segelschiffen zum Teilen könnte erfolgreicher sein – das Konzept stösst nicht in allen Gemeinden auf Zustimmung.

Spontan auf einen kleinen Feierabendtörn auf dem Zürichsee: Auch wer kein eigenes Boot besitzt, kann dank Boat-Sharing segeln.

Spontan auf einen kleinen Feierabendtörn auf dem Zürichsee: Auch wer kein eigenes Boot besitzt, kann dank Boat-Sharing segeln. Bild: Sailcom

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Dinge teilen, statt sie zu kaufen – die sogenannte «Share-Economy» boomt. Etabliert hat sich so beispielsweise das Car-Sharing wie Mobility. Aber auch Boote werden mit dem Trendkonzept mittlerweile unter Segelbegeisterten geteilt. So sind in der Schweiz Portale wie Sailbox und Sailcom sehr erfolgreich, wie das deutsche Magazin «Yacht» in der aktuellen Ausgabe bewundernd anerkennt.

In der Genossenschaft Sailcom teilen sich die rund 2500 Mitglieder über 70 Schiffe, von der kleinen Jolle bis zur Zehn-Meter-Yacht. Allein 16 davon befinden sich am Zürichsee. Es könnten aber noch mehr sein, sagt Peter Auf der Maur, Geschäftsführer von Sailcom: «Es gibt viele Eigner, die uns ihr Boot zur Verfügung stellen wollen, da sie ihr Boot zu wenig benützen», sagt er. Doch je nach Standort, sei das nicht so einfach möglich.

«Prima! Aber nicht in unserem Hafen»

Laut Gesetz ist es den Haltern in gewissen Häfen nicht erlaubt, ihr Boot wirtschaftlich zu gebrauchen. «Ein Eigner wollte uns seine Segelyacht am linken Zürichseeufer zur Verfügung stellen. Das war in dieser Gemeinde aber gesetzlich nicht möglich», bedauert Auf der Maur. Die Antwort der Gemeinde: Boat-Sharing sei angesichts der Bootsplatzsituation zwar eine prima Lösung, «aber nicht in unserem Hafen.»

Streng sind die Vorschriften auch am Zürcher Seebecken. Die Stadt Zürich stellt nur eine gewisse Anzahl Bootsplätze für den gewerbsmässigen Gebrauch zur Verfügung. Darunter fallen neben Vermietung auch Segelschulen. Der Sailcom-Geschäftsführer bedauert, dass im Zürichsee so viele Boote an ihrem Liegeplatz stehen, ohne bewegt zu werden. «Auch manche Hafenmeister wünschen sich mehr Betrieb in ihren Häfen.»

Grosser Andrang – aber meistens genügend Boote

Bei schweizweit gerade mal 70 Booten auf 2500 Mitglieder kann es an gewissen Tagen Engpässe geben. «Gerade in den Sommerferien wollen natürlich alle ein Boot mieten», sagt Auf der Maur. Aber in der Regel kämen die Mitglieder auch an einem Wochenendtag oder am Feierabend sogar spontan zum Segeln. «Wir haben bewusst ein leichtes Überangebot an Segelbooten.» Die Idee von Sailcom sei es nämlich, den Mitgliedern den Segelsport zu ermöglichen.

Man wolle aber die Flotte weiter ausbauen. Dafür wartet Sailcom wiederum auf freie Liegeplätze. Peter Auf der Maur blickt optimistisch in die Zukunft: «Der Druck auf die Liegeplätze nimmt laufend ab. Vor ein paar Jahren war es beispielsweise am Bodensee aussichtslos einen Bootsplatz zu bekommen. Heute gibt es bereits wieder mehr freie Plätze.» Dies werde sich auch am Zürichsee bald ändern. (zsz.ch)

Erstellt: 13.05.2015, 16:02 Uhr

So funktioniert Sailcom

Die Bereitschaft Segelboote zu teilen musste sich auch in der Schweiz zuerst etablieren. Und auch heute sei diese Haltung noch nicht in allen Regionen gleich vorhanden, sagt Peter Auf der Maur, Geschäftsführer von Sailcom: «In der Westschweiz funktioniert es nicht so gut. In der Deutschschweiz sind wir aber erfolgreich.» Doch bis es soweit war, musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. «Dank Car-Sharing wie Mobility sind es die Deutschschweizer gewohnt zu teilen, die Idee ist in den Köpfen verankert», sagt Auf der Maur.

Die Genossenschaft Sailcom wurde 1998 von Mobility Car Sharing Mitgliedern gegründet. Als Non-Profit-Organisation hat sie zum Ziel, das Segeln zu günstigen Preisen zu ermöglichen. Heute zählt die Genossenschaft rund 2500 Mitglieder, die auf über 70 Booten segeln können. Die Genossenschafter können sich aktiv in die Organisation einbringen: Sie können zum Beispiel beim Unterhalt der Boote mithelfen.

Jährlich leisten die Mitglieder rund 50'000 Stunden Freiwilligenarbeit. Es gibt aber auch die Möglichkeit, ohne aktive Mithilfe dabei sein zu können. Entsprechend ist dann aber die Bootsmiete teurer. (far)

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