Stäfa

Geschichten aus dem prallen Leben

Sina feiert mit ihrem Album «Emma» ihr 25-Jahr-Bühnenjubiläum und ist damit auf Tour. Ins Rössli drängten sich rund 360 Gäste, um den Popsongs und Folkballaden der Walliser Mundartsängerin zu lauschen.

Sina trat am Freitagabend mit ihrer Band in Stäfa im Rössli auf.

Sina trat am Freitagabend mit ihrer Band in Stäfa im Rössli auf. Bild: Manuela Matt

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Ein Stehkonzert ist angesagt. Sonst könnte das Kulturkarussell die 360 Besucher wohl kaum im Rösslisaal unterbringen. Schon vor vier Jahren platzte der Saal aus allen Nähten, als Sina das letzte Mal in Stäfa haltmachte. Einiges mag sich seither verändert haben, erzählt die sichtlich aufgestellte Mundartsängerin mit dem dichten langen Haar, doch könne sie eines ganz bestimmt versichern, das Wallisertiitsch werde nicht aussterben. Eine Aussage, die mit Lachen, Rufen und Klatschen quittiert wird.

Sina wird im Verlauf des über zweistündigen Auftritts immer wieder Geschichten über das Leben im Allgemeinen und Anekdoten aus ihrem eigenen zum Besten geben, das Gesagte stets garniert mit einer Prise Humor. Sodass man gar nicht weiss, ob sie es eigentlich ernst meint. Etwa den Hinweis an junge Bühnenfotografen, die sie ständig von unten her aufgenommen haben, bis sie denen einbläuen musste, dass man das bei einer Sängerin ihres Alters nicht mehr tue. Ausser sie würden die Fotos ordentlich am PC bearbeiten, aber nur dann. Dabei sieht man der 52-jährigen gertenschlanken Walliserin aus Gampel, die heute mit ihrem Mann im Aargau lebt, das Alter überhaupt nicht an.

Samtig und doch rau

Doch sie sei zum Singen hier. Sagts und stimmt das melodiöse «Nummu a Schattu» an, bei dem ihr Gitarrist Gregor Heini sie auf dem Cello begleitet. Das tönt ganz wunderbar und unterstreicht den melancholischen Grundton des Songs. Samtig und doch irgendwie rau tönt ihre Stimme, mit der sie sich sicher in den verschiedenen Tonalitäten bewegt. Sina klingt an diesem Abend längst nicht mehr nach der lauten Rockröhre aus frühen Hits, sondern offenbart eine stimmliche Vielfalt, die sie bewusst je nach Stimmung eines Liedes einsetzt.

So geht es heiter und fetzig im poppigen «Easy Rider» weiter, in dem sie eine taffe Frau besingt, die sie auf einer Harley in ihrer Nachbarschaft beobachtet hat. Mitreissend und stimmgewaltig ist «Gitarru Maa», bei dem man sich im Takt wiegt und zum ersten Mal dankbar für den Stehplatz ist. Bluesig ist der Sound im nachdenklichen «Wenns nit geit, da geisch», in dem sie den Geliebten bittet, nicht im Krach auseinanderzugehen. Dafür gleicht «Ich süächu dich» einer Ode an die Liebe: Sina interpretiert den Song im Duett mit dem Gitarristen Gregor Heini. Die unterschiedlichen Stimmen verweben sich zu einem einheitlichen Muster, daneben bleibt die Instrumentierung minimalistisch: sanfte Klänge vom Gitarristen Jean-Pierre von Dach, einfühlsamer Rhythmus von Michael Chylewski am Kontrabass, der zwischendurch auch mit seiner Mundharmonika auftrumpft und den jeweiligen Interpretationen einen jazzigen Touch verleiht.

Und schliesslich trifft Matthias Kräutli, ebenfalls ein langjähriger Musiker an der Seite der Walliserin, am Schlagzeug den richtigen Beat. Nebst dem Gesang bleibt den Musikern Raum für solistische Einlagen, bei denen sie sich zu Höchstleistungen aufschwingen. Gekrönt wird das Ganze mit farblich wechselnden Lichteffekten, die die Bühne in verschiedene Atmosphären tauchen – Sinas Auftritt ist auch ein visuelles Erlebnis.

An die Grossmutter gedacht

Sina hat sich beim Texten ihres 13. Albums «Emma» vom Leben und Alltag, aber auch von Erinnerungen inspirieren lassen, und nicht wie einst von der Musik. Auf die Geschichte folgen die Musikarrangements, für die ihr erstmals der Sänger und Songschreiber Adrian Stern zur Seite stand. So erzählen die 13 Popsongs und Folkballaden von Liebe, Sehnsucht und Enttäuschung, von der Suche nach dem idealen Mann und auch von der Grossmutter Emma. Ihr schafft die Sängerin mit dem Album ein musikalisches Andenken und der Titelsong ist wahrlich eine berührende Liebeserklärung.

Sina erzählt, wie sie mit kaum sechs Jahren die Mutter verloren habe und bei der Grossmutter aufgewachsen sei, die sie prägte. Diese Grossmutter hat Sina viel mit auf den Weg gegeben, etwa den Rat: «Wenn der Berg zu hoch ist, lauf drum herum.» Das sei natürlich im Wallis schwierig. Und dennoch heisst es im Song: «Ich erkenne mich in ihr.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.03.2019, 09:06 Uhr

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