Stäfa

Geruch vom «Chinesen» sorgt für Streit in der Nachbarschaft

An der Seestrasse in Stäfa stinkts, sagt ein Vermieter. Der Grund des Übels sei das chinesische Restaurant im Quartier. Mit seiner Beschwerde ist er bis vor das Verwaltungsgericht gezogen – ohne Erfolg. Dieses gibt den Pächtern und der Gemeinde Recht. Ein bestimmtes Mass an Immissionen sei zu tolerieren.

Der Geruch eines chinesischen Restaurants war einem Stäfner Vermieter zu stark. Er zog mit seiner Beschwerde bis vor das Verwaltungsgericht.

Der Geruch eines chinesischen Restaurants war einem Stäfner Vermieter zu stark. Er zog mit seiner Beschwerde bis vor das Verwaltungsgericht. Bild: Symbolbild/Keystone

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An der Seestrasse in Stäfa nimmt ein Nachbarschaftsstreit kein Ende. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht ein chinesisches Restaurant. Vor über drei Jahren hatten sich Anwohner über zu viel Abfall im Hinterhof des Restaurants beschwert. Inzwischen haben neue Pächter das Lokal übernommen und Gegenstand der Reklamationen ist diesmal denn auch ein anderer.

Ein betroffener Vermieter, der in der Zeitung nicht namentlich genannt werden will, stört sich am Geruch, der aus dem Restaurant ausströmen soll. «Es stinkt praktisch jeden Tag im ganzen Quartier», sagt er. Seine Mieter hätten sich bereits mehrfach bei ihm beschwert. «Sie haben in einer Exceltabelle über 50 Beanstandungen zusammen getragen.» Der Vermieter selber ist an einer anderen Adresse wohnhaft.

«Problem falsch angepackt»

Im Dezember 2015 bewilligte der Hochbauvorstand der Gemeinde Stäfa eine neue Lüftung für den Lagerraum im Erdgeschoss des Restaurants. Weiter ordnete die Gemeinde an, dass die Fenster neben der Anrichte im ersten Obergeschoss geschlossen bleiben müssen, wenn im Restaurant gekocht wird.

«Es stinkt praktisch jeden Tag im ganzen Quartier.»Vermieter

Mit der Lüftung im Lagerraum sei das Problem nicht gelöst, sagt der betroffene Vermieter und erhebt einen Vorwurf gegen die Gemeinde: «Sie ist das Problem falsch angegangen.» Im Januar 2016 gelangte er mit seinem Anliegen an das Baurekursgericht. Als dieses ihn abblitzen liess, zog er den Fall im Februar 2017 weiter. Seine Forderung vor dem Verwaltungsgericht: Die Lüftung müsse über das Dach erfolgen und gegen den Garten hin seien im Erdgeschoss alle Fenster permanent geschlossen zu halten, ebenso auch das Fenster im ersten Obergeschoss. Zudem hat er das Gericht darauf hingewiesen, dass in seiner Liegenschaft eine «besonders renomierte und anspruchsvolle» Mieterschaft wohne, wie dem Urteil des Verwaltungsgerichts zu entnehmen ist.

Beschwerde abgewiesen

Bei der Gemeinde ist der Beschwerdeführer kein Unbekannter. Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger findet für sein Vorgehen deutliche Worte: «Er versucht die Behörden für seine Zwecke zu instrumentalisieren.» Die Lüftung des China-Restaurants sei von Spezialisten fachgemäss abgenommen worden. Es gebe keinen Anlass deren Arbeit zu misstrauen. «Die Aufgabe der Gemeinde ist es, das öffentliche Plan- und Baurecht durchzusetzen», sagt Scheidegger. Dies sei im vorliegenden Fall auch geschehen. Wie aus dem Urteil des Verwaltungsgerichts hervorgeht, hat das Gericht die Beschwerde denn auch als unbegründet abgewiesen.

Im Innenhof zwischen den Gebäuden sei je nach Windrichtung zwar ein leichter Geruch nach Essen auszumachen, heisst es im Urteil. «Die geruchsbelastete Küchenabluft des Restaurants wird jedoch vorschriftsgemäss über das Dach geführt und die Abluft der streitbetroffenen Lüftungsanlage des Lagerraums wird an der von der beschwerdeführerischen Liegenschaft abgewandten Seite des Restaurants ausgestossen.» Ein Anspruch, von sämtlichen Gerüchen verschont zu bleiben, bestehe – gerade in einer Kernzone, in der Gewerbebetriebe zugelassen sind – nicht.

Desweiteren sei nicht ersichtlich, inwiefern die Zusammensetzung der Mieterschaft bei der juristischen Beurteilung des vorliegenden Falls von Relevanz wäre – bekanntlich seien alle Menschen vor dem Gesetz gleich.

«Halten uns an die Regeln»

Die ZSZ hat den «Chinesen» zur Mittagszeit aufgesucht. Von Müllbergen hinter dem Restaurant ist jetzt keine Rede mehr. Am Tisch neben der Tür sitzt ein Stammgast. Ein weiterer Mann lässt sich sein Essen als Take away einpacken. Eine freundliche Asiatin – Pächterin Zheng Jixia wie sich später herausstellt – nimmt die Bestellungen auf. Weder draussen noch im Innern des Restaurants ist ein besonderer Geruch auszumachen.

«Er versucht die Behörden für seine Zwecke zu instrumentalisieren.»Daniel Scheidegger, Gemeindeschreiber von Stäfa 

«Wir halten uns an die Regeln», sagt Zheng Jixia, als sich die ZSZ zu erkennen gibt. Die Abluft aus der Küche werde vorschriftsgemäss über das Dach geführt, die Fenster blieben während dem Kochen geschlossen. Zweimal habe der Beschwerdeführer bei ihnen reklamiert, seine Mieter hätten sich aber nie direkt bei ihr beklagt. «Einer hat sogar mal hier gegessen», erinnert sich Zheng Jixia. Ein ehemaliger Mieter habe ihr gegenüber sogar gesagt, er rieche nichts.

Noch nicht abgeschlossen

Wegen der «furchtbaren Sauerei» des Vorgängers, seien zwei Parteien ausgezogen, sagt der betroffene Vermieter. Auch der Gestank habe damals schon eine Rolle gespielt. «Ich bin nicht jemand, der sagt, dass wegen mir alle um 21 Uhr ins Bett müssen», betont er. «Bei der Seestrasse handelt es sich aber um eine gemischte Wohn- und Gewerbezone, wo auch entsprechend immissionsfreies Wohnen möglich sein muss.»

Konflikte wie diese seien in Kernzonen keine Seltenheit, sagt Gemeindeschreiber Scheidegger. «Ein bestimmtes Mass an Immissionen ist erlaubt, weil unvermeidlich», hält er fest. «Das kann jemand als subjektiv störend empfinden, obwohl alle rechtlichen Gebote eingehalten werden.»

Der Beschwerdeführer sieht im vorliegenden Fall das Mass überschritten. Obwohl er den Fall nicht vor das Bundesgericht weitergezogen hat, lässt er durchblicken, dass für ihn die Sache noch nicht abgeschlossen ist. Wie er weiter vorzugehen gedenkt, will er aus strategischen Gründen aber nicht verraten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.10.2017, 17:39 Uhr

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