Brandschutz

Gemeinden reagieren unterschiedlich auf fatalen Brand

Himmelslaternen sind auch am Zürichsee eine beliebte Attraktion. Während manche Gemeinden keinen Anpassungsbedarf bei der Sicherheit sehen, wollen andere die Situation genauer überprüfen.

Himmelslaternen sind schön anzusehen, doch können sie bei falscher Handhabung oder zu viel Wind Brände auslösen.

Himmelslaternen sind schön anzusehen, doch können sie bei falscher Handhabung oder zu viel Wind Brände auslösen. Bild: Keystone

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«Zaubern sie eine traumhafte Stimmung in den Nachthimmel», mit diesen Worten werden im Internet Himmelslaternen zum Kauf angeboten. Dass die Flugkörper, die vor allem zu Hochzeiten gerne steigen gelassen werden, auch Gefahren bergen, zeigte sich an der Silvesternacht im deutschen Krefeld.

Dort haben Himmelslaternen das Affenhaus des Zoos in Brand gesetzt, wie Ermittlungsergebnisse der Polizei zeigen. Das mit Plexiglas überdachte Gebäude brannte innert weniger Minuten lichterloh. 30 Tiere, darunter fünf Orang Utans, zwei Gorillas und ein Schimpanse, starben einen qualvollen Tod in den Flammen.

In Nachbarstaaten verboten

Die Himmelslaternen, welche das Unglück in Krefeld verursacht haben, wurden illegal gen Himmel geschickt, besteht doch in Deutschland, aber auch in Österreich ein flächendeckendes Verbot. Nicht so in der Schweiz: Hier haben manche Kantone wie etwa Genf, die beiden Basel und das Wallis, aber auch gewisse Kommunen wie die Städte Zürich und Rapperswil-Jona einen Bann erlassen.

Zusätzlich gelten die Regeln des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL). Im Zürichseegebiet gleicht die Situation einem Flickenteppich: In manchen Gemeinden sind Himmelslaternen weder verboten noch bewilligungspflichtig.

So etwa in Küsnacht, wo Himmeslaternen bei Veranstaltungen im Romantik Seehotel Sonne steigen gelassen werden. «Das Problem ist, dass wir es unseren Gästen nicht gut verbieten können, solange sie sich an die Auflagen des BAZL halten», sagt Hotelier René Grüter. «Anfragen der Gäste verweisen wir auf die Webseite der Gemeinde Küsnacht betreffend Himmelslaternen und direkt ans BAZL zum Einholen der aktuellen Informationen.»

Hier liegen die Flugverbotszonen für Himmelslaternen:

Unabhängig vom BAZL dürfen aus Sicherheitsgründen die Gäste der Sonne die Laternen aber nicht immer steigen lassen. «Wenn wir starken Westwind haben, bei dem die Laternen über das Hotel und nicht über den See schweben, ist es nicht erlaubt», sagt Grüter. «Weiter versuchen wir das Steigen lassen von Himmelslaternen auf ein Minimum zu reduzieren. Wenn sich in Zukunft die Situation ändern würde, müssten wir die aktuelle Praxis überdenken.»

«Bis jetzt haben wir im Zusammenhang mit dem Thema Himmelslaternen keine Probleme gehabt», sagt Catrina Erb Pola, Küsnachter Gemeindeschreiberin. «Falls es Probleme geben würde, würden wir die Situation sicher genauer anschauen.»

Aktuell steigen etwas fünf bis sechs Mal jährlich Himmelslaternen im Hotel Sonne auf. Eine weitere Eventlocation, wo Himmelslaternen steigen gelassen werden können, ist etwa die Moschti in Stäfa. Dort ist zu erfahren, dass etwa 30 Mal pro Jahr Himmeslaternen steigen gelassen werden.

Thema für den Gemeinderat

Ebenso wie in Küsnacht und Stäfa sind auch in Oberrieden Himmelslaternen weder verboten noch bewilligungspflichtig. «Bei Anfragen werden die Personen aber direkt über die möglichen Risiken und Haftung im Zusammenhang mit den Himmelslaternen aufgeklärt», sagt der stellvertretende Gemeindeschreiber Fabian Marty. «Dieser Dialog führt oft dazu, dass die Leute freiwillig verzichten.»

Doch der in Deutschland durch eine Himmelslaterne ausgelöste Brand hat die Oberriedner nicht unberührt gelassen. Der tragische Vorfall von Krefeld zeige einmal mehr, wie gefährlich Himmelslaternen sein können, sagt Marty. «Ein mögliches Verbot wird deshalb in Oberrieden vom Gemeinderat in einer Sitzung diskutiert.»

«Der Fall von Krefeld gibt sicher zu denken und wir werden unsere Bewilligungspraxis überdenken»Daniel Keibach

Es müsse allerdings auch festgehalten werden, dass die Nachfrage zur Bewilligungspraxis von Himmelslaternen in den letzten Jahren stark abgenommen habe und es in Oberrieden kaum noch Anfragen dazu gebe. Auch in Erlenbach braucht es keine Bewilligung für die Laternen. «Der Fall von Krefeld gibt sicher zu denken und wir werden unsere Bewilligungspraxis überdenken», sagt der Erlenbacher Gemeindeschreiber Daniel Keibach.

Verbot wegen Baumbrand

Gewisse Ortsteile Oberriedens, Horgens, Thalwils und Langnaus liegen in einem 5-Kilometer-Radius rund um den Flugplatz Hausen, weswegen Himmelslaternen dort bewilligungspflichtig sind. Dies gilt wegen des Heliports Schindellegi auch für Richterswil und Teile Wädenswils. Insbesondere am linken Ufer gibt es zudem kommunale Verbote. In Rüschlikon wurden die Laternen vor acht Jahren vom Himmel verbannt, weil ein Ast durch eine Himmelslaterne Feuer fing. Einzig am 1. August und am 31. Dezember gelten Ausnahmen.

Einen anderen Weg geht die Gemeinde Meilen: Dort erfordert das Steigen lassen eine Bewilligung und das Zahlen einer Gebühr. «Aus Erfahrung erhalten wir pro Jahr null bis drei Gesuche, wovon einzelne auch schon aufgrund telefonischer Beratung und Hinweis auf die potentiellen Gefahren zurückgezogen wurden», sagt Gemeindeschreiber Didier Mayenzet.

Generell zeigt sich in einer Umfrage, dass die hiesigen Gemeinden sowohl auf ihren Websites als auch telefonisch auf Gefahren hinweisen, wie etwa starke Winde, Trockenheit oder dass man Himmelslaternen nicht zusammenbinden sollte. Ganz ausschliessen lässt sich ein Risiko aber nie.






Erstellt: 14.01.2020, 17:33 Uhr

Auflagen für das Steigenlassen von Himmelslaternen

Zwar sind Himmelslaternen in der Schweiz nicht grundsätzlich verboten, doch gibt es gewisse nationale Auflagen zu beachten. So schreibt das Bundesamt für Zivilluftfahrt vor, dass in einem Umkreis von 5 Kilometern zu Flughäfen eine Bewilligung von Skyguide erforderlich ist.

Beim Flughafen Zürich wird eine Bewilligung generell nur nach Betriebsschluss erteilt. Der Inhalt der Laterne darf nicht mehr als 30 m3 betragen und eine Nutzlast von 2 Kilogramm nicht überschreiten. Der Grundeigentümer muss dem Start von Himmelslaternen zudem zustimmen. Ausserdem empfiehlt das BAZL Himmelslaternen mit einer Distanz von mindestens 5 Kilometer zur Landesgrenze steigen zu lassen. Zudem sollen kommunale Vorgaben beachtet werden. (phs)

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