Stäfa

Gemeindehaus steht nicht mehr permanent unter Schutz

Ein Mann, der Gemeindeangestellte bedrohte, löste im Frühling einen Polizeieinsatz aus. Als Reaktion postierte die Gemeinde monatelang einen Sicherheitsmann am Eingang. Nun hat sie die Massnahmen gelockert.

Mehrere Monate lang wurde der Eingang des Gemeindehauses Stäfa von einem Sicherheitsdienst kontrolliert.

Mehrere Monate lang wurde der Eingang des Gemeindehauses Stäfa von einem Sicherheitsdienst kontrolliert. Bild: Patrick Gutenberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer beäugte wen kritischer? Der Angestellte der Sicherheitsfirma jene Personen, die ins Gemeindehaus wollten, oder aber die Besucher besagten bärtigen, tätowierten Mann, der tagein, tagaus als Zugangskontrolle im Eingangsbereich sass?

Vermutlich trifft letzteres zu, denn der Security-Mann hielt sich dezent im Hintergrund, während für die meisten Stäfner der Anblick von Sicherheitspersonal im Gemeindehaus ungewohnt sein dürfte.

Einer ungewohnten Situation hatten sich auch die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung im Frühling ausgesetzt gesehen. Ein 25-Jähriger hatte einzelne Angestellte bedroht. Dabei ging es laut der Gemeinde um Leistungen, die dem Mann nicht zugesprochen worden waren. Da dieser äusserst aggressiv auftrat und sogar drohte, das Gemeindehaus anzuzünden, beschloss die Gemeinde Massnahmen. Nachdem der Mann verhaftet, später aber wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, engagierte sie Sicherheitsleute, die ein Auge darauf hatten, wer das Gebäude betrat. Ausweisen musste sich allerdings niemand, da die Zugangskontrolle gezielt nach dem Aggressor Ausschau hielt.

Der Steuerzahler zahlt

Dennoch kommunizierte die Gemeinde im April ihren Entscheid der Öffentlichkeit, damit Besucher des Gemeindehauses nicht allzu irritiert über die Präsenz des Wachmanns waren. Die Massnahme würde so lange aufrechterhalten, bis die Polizei und die Gemeindeverwaltung zu einer anderen Einschätzung der Gefährdungslage kommen würden, hiess es damals. Aufmerksamen Bürgern dürfte nun aufgefallen sein, dass der Security-Mann inzwischen nicht mehr beim Eingang sitzt.

«Glücklicherweise hat sich die Lage wieder beruhigt.»Erich Maag, stellvertretender Gemeindeschreiber

«Wir haben die Sicherheitskontrolle reduziert», bestätigt denn auch Erich Maag, stellvertretender Gemeindeschreiber von Stäfa, auf Anfrage. Das heisst: Es gibt keine permanente Sicherheitskontrolle beim Eingang mehr. Zeitweise sei aber im Hintergrund immer noch ein Angestellter einer Sicherheitsfirma anwesend. Zudem seien weitere Massnahmen getroffen worden, nur seien diese für Besucher nicht sichtbar. Aus taktischen Gründen will die Gemeinde sie nicht näher erläutern.

Maag ist erleichtert, dass die Angestellten der Gemeindeverwaltung mit dem Schrecken davon gekommen und Besucher des Gemeindehauses nicht mit einer brenzligen Situation konfrontiert worden sind. «Glücklicherweise hat sich die Lage wieder beruhigt.» Dennoch: Für die Sicherheit des Personals und der Bürger musste die Gemeinde laut Maag über 20 000 Franken ausgeben - Geld, das letztlich der Steuerzahler berappt.

Kein Einzelfall

Gegen den Mann, der die Verwaltungsangestellten bedroht hat, läuft indessen ein Strafverfahren. In Stäfa ist es in jüngerer Vergangenheit erst zum zweiten Mal zu einer Situation gekommen, die dermassen eskalierte. Vor über zehn Jahren hatte ein Einwohner einmal damit gedroht, Mitarbeiter zu erschiessen. Im Kanton Zürich ist jedoch immer wieder einmal eine Gemeindeverwaltung von einer akuten Gefährdung bedroht. So war im vergangenen Jahr ebenfalls wegen einer Drohung das Knonauer Gemeindehaus im Säuliamt gar für mehrere Tage geschlossen worden.

Drohungen und Beschimpfungen kennen überdies nebst Stäfa auch andere Gemeinden am Zürichsee. Gegenüber dieser Zeitung gaben im April die meisten befragten Verwaltungen in der Region an, sie würden ihre Mitarbeiter gezielt schulen, damit diese in heiklen Situationen deeskalierend auf den Aggressor einwirken könnten. Auch gaben viele Gemeinden an, bereits bauliche und technische Sicherheitsvorkehrungen getroffen zu haben. Aus Sicherheitsüberlegungen legen sie diese aber nicht offen auf den Tisch.

Erstellt: 11.07.2019, 14:24 Uhr

Artikel zum Thema

Gemeindehaus Stäfa steht unter Polizeischutz

Stäfa Ein Mann, der Mitarbeiter der Gemeinde massiv bedroht hat, wurde am Mittwoch aus der Untersuchungshaft entlassen. Nun wird das Gemeindehaus bewacht. Mehr...

Verwaltung schützen und schulen

Drohungen Drohungen gegen Gemeindeangestellte sind keine Seltenheit. Dass das Stäfner Gemeindehaus jetzt unter Polizeischutz steht, ist aber eine Ausnahme. Wie sind die Seegemeinden auf mögliche Konflikte vorbereitet? Eine Umfrage. Mehr...

«Plötzliche Gewalt gibt es eigentlich nicht»

Stäfa Die Drohungen gegen die Gemeinde Stäfa sind kein Einzelfall. Generell häufen sich Übergriffe und Drohungen gegen Behörden. Ein Sicherheitsexperte erklärt. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles