Bezirksgericht Meilen

Für eine Würge-Attacke fehlen die Beweise

Eine afghanische Asylsuchende wirft ihrem Mann vor, sie fast zu Tode gewürgt zu haben. Das Gericht hat nun den Beschuldigten, der abgetaucht ist, frei gesprochen.

Das Meilemer Bezirksgericht hat im Fall eines zerstrittenen Ehepaars aus Afghanistan zu Gunsten des Angeklagten geurteilt.

Das Meilemer Bezirksgericht hat im Fall eines zerstrittenen Ehepaars aus Afghanistan zu Gunsten des Angeklagten geurteilt. Bild: Archiv Manuela Matt

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Keine schöne Ehe haben eine Afghanin und ein Afghane geführt, die vor fünf Jahren in die Schweiz geflüchtet sind. Der Mann soll mehrmals gegen seine Frau tätlich geworden sein. Vor zwei Jahren kassierte er eine bedingte Geldstrafe, weil er sie am Hals gepackt hatte. Die Richter ordneten daraufhin ein Kontaktverbot an – doch das nutzte zumindest nach Darstellung der Frau nichts.

Der 29-jährige Asylsuchende unterhielt nämlich weiterhin Kontakt zu seiner Frau. Er nahm ihr das Mobiltelefon ab, weil er selber keines mehr hatte. Deswegen kam es im vergangenen Jahr auch zum Streit in der Hombrechtiker Wohnung der Frau – sie forderte das Handy zurück.

Ihr Mann soll sie schliesslich ins Schlafzimmer gezerrt, sie aufs Bett geworfen und so stark gewürgt haben, dass sie nicht mehr atmen konnte und ihr schwarz vor den Augen wurde. Ihren vierjährigen Sohn, sagte sie vor vier Wochen an der Verhandlung am Bezirksgericht Meilen, habe sie nur noch verschwommen gesehen. Der Junge war der einzige Zeuge des Vorfalls.

In dubio pro reo

Genau daran dürfte es gelegen haben, dass das Gericht den Beschuldigten nun freigesprochen hat. Aus dem kürzlich versandten unbegründeten Urteil gehen die Gründe zwar nicht hervor, doch war den Richtern die Beweislage wohl zu wenig eindeutig. Auch ein Unbeteiligter, der die Polizei gerufen und sich um die Frau gekümmert hatte, nachdem diese es hustend und keuchend aus der Wohnung geschafft hatte, hatte keine Angaben zum Vorfall machen können.

Der Pflichtverteidiger, der auf einen Freispruch plädierte, zweifelte überdies vor Gericht das gerichtsmedizinische Gutachten an. Es habe zu wenig Substanz und könne keine Würge-Attacke beweisen. Zwar belegte das Gutachten eindeutige Verletzungen am Hals des Opfers – doch reichte dies offenbar nicht für einen Schuldspruch.

Anders hatte es der Staatsanwalt gesehen. Die Frau habe noch zwei Wochen nach dem Vorfall an Hals- und Schluckschmerzen gelitten, sagte er an der Verhandlung und kam zum Schluss: «Es bestand eine konkrete Lebensgefährdung.» Die beschriebenen Symptome würden auf eine sauerstoffbedingte Hirnfunktionsstörung hindeuten, die zum Tod führen könnten.

Kontaktverbot aufgehoben

Der Staatsanwalt hatte deswegen eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten beantragt sowie einen Landesverweis von sieben Jahren und ein Kontaktverbot während fünf Jahren zur Ehefrau. Deren Anwalt hatte zudem eine Genugtuung von 8000 Franken gefordert. All dies haben die Richter nun abgelehnt. Auch das Kontaktverbot, das nach dem ersten aktenkundigen Zwischenfall verhängt worden war, hoben die Richter auf.

Möglicherweise wird der Freigesprochene seine Frau aber nicht mehr so schnell wieder aufsuchen: Vor der Gerichtsverhandlung war er nämlich abgetaucht. Nicht einmal sein Pflichtverteidiger wusste, wo er war – möglicherweise in Deutschland, wo er Familie und Freunde hat.

Lediglich einen Brief hatte der Mann hinterlassen, den die Dolmetscherin auf Deutsch übersetzte: Er fühle sich unschuldig und habe Angst, ausgeschafft zu werden, hatte er darin geschrieben. Und da er keine Möglichkeit sehe, sich zu verteidigen, müsse er fortgehen.

Erstellt: 30.10.2019, 14:46 Uhr

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