Küsnacht

Für die Maturaarbeit in die Unterführung

Für ihre Maturaarbeit sprayt die Gymnasiastin Leah Süss in einer Küsnachter Unterführung. Obwohl sie dies legal tut, kam am ersten Tag die Polizei.

Die Küsnachterin in ihrem Element. In den verschiedensten Farben sprayt sie mit den Schablonen Figuren auf die Wand der Unterführung.

Die Küsnachterin in ihrem Element. In den verschiedensten Farben sprayt sie mit den Schablonen Figuren auf die Wand der Unterführung. Bild: Manuela Matt

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Die Unterführung, die unter der Seestrasse zum Küsnachter Horn führt, wird während den heissen Sommertagen rege passiert. Auf der einen Seite das Dorf, auf der anderen lockt der See. Ein Velofahrer, dessen nasse Haare von einem Erfrischungsbad im Zürichsee zeugen, fährt durch eben diese Unterführung. Er schaut nach rechts, erblickt die Malereien an der Wand und schüttelt den Kopf. «Immer diese Schmierereien», murmelt er. «Szenen wie diese sind die Ausnahme. Meist sind die Reaktionen positiv», sagt Leah Süss. Die 18-Jährige absolviert zurzeit das letzte Schuljahr an der Kantonsschule Küsnacht und arbeitet an ihrer Maturaarbeit. Dabei widmet sie sich dem Thema Streetart. Als Streetart bezeichnet man Kunst im öffentlichen Raum, die teils illegal, teils legal angebracht wird. Nicht zu verwechseln ist Streetart mit dem Begriff Graffiti. Hierbei handelt es sich per Definition um das kunstvolle Anbringen von Schriftzügen.

Sprayen in den Ferien

Leah Süss ist fasziniert von dieser Form der Kunst. «Es ist schön, dass man dafür nicht erst ins Museum gehen muss, sondern die Kunst auf der Strasse findet», sagt sie. Sie entschied sich für ein legales Vorgehen und fragte beim Tiefbauamt in Küsnacht an, ob sie eine freie Fläche gestalten dürfe. «So erhielt ich die Erlaubnis für die Bemalung der Unterführung», sagt Süss. Einzige Bedingung: Wenn das Projekt misslingt, wird die Malerei überstrichen.

Damit das nicht passiert, bereitet sich die Küsnachterin entsprechend vor. Die anfänglichen Skizzen hat sie ausgearbeitet, auf dickes Papier gezeichnet und schliesslich ausgeschnitten. Mit den Schablonen machte sich Leah Süss während den Sommerferien mehrmals zur Unterführung auf, wo sie jeweils zwei bis vier Stunden verbrachte und sprayte.

Dabei entstand eine Assoziationskette. Die Gymnasiastin verknüpft verschiedene Szenen zu einem Gesamtwerk. Der Anfang bildet ein Handy, das für die virtuelle Welt steht. Die Kette wird mit dem Gesicht eines Mädchens abgeschlossen, das die menschliche Fantasie symbolisiert. Dazwischen zieren Schmetterlinge, Monde und Löwen die zuvor graue Wand der Unterführung. Ein Sammelsurium von Gedankensprüngen. «Es fehlen noch Details», sagt die 18-Jährige. Auch ein theoretischer Teil muss noch geschrieben werden, um die ganze Arbeit im Dezember dann abgeben zu können.

Polizei vor Ort

«Beim ersten Mal habe ich mich fast nicht getraut zu sprayen», sagt Süss. Doch die vorbeigehenden Leute hätten ihr Mut gemacht und sie motiviert. Gleich am ersten Tag sei die Polizei vorbei gekommen, erzählt Süss. Jemand hätte diese alamiert und auf die Gymnasiastin aufmerksam gemacht. «Die Polizei war zwar über mein Vorhaben informiert, wollte aber sicher gehen ob es sich dabei tatsächlich um mich handelt», sagt sie. Seither hängt neben ihrem Werk ein Zettel «Work in progress! Maturaarbeit von Leah Süss. Von der Gemeinde bewilligt».

Sind die Arbeiten abgeschlossen, werde dieser Zettel vermutlich einem Neuen weichen, sagt sie. «Ich würde die Passanten gerne nach ihrer Meinung fragen.» Auf dem neuen Zettel könnten sie ihre Meinung anonym mitteilen.

In der Streetartszene sind Rückmeldungen der Künstlerkonkurrenz weniger anonym. Fertige Malereien werden von anderen übermalt oder verunstaltet. Angst davor hat Leah Süss nicht. «Diese Provokation würde ich mir nicht bieten lassen», sagt sie. Sie würde wohl die Malereien mit ihrer eigenen Kunst versuchen, solche Malereien mit ihrer eigenen Kunst zu verbinden und daraus ein Gesamtwerk zaubern. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 31.08.2016, 16:27 Uhr

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