Erlenbach

Für den Erlibacherhof braucht es einen Plan C

Der Erlibacherhof wird saniert, damit er der Bevölkerung und den Vereinen wenigstens zehn weitere Jahre zur Verfügung steht. Das haben die Stimmberechtigten entschieden. Sie wissen auch: Das Problem ist damit noch nicht gelöst.

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Die Erlenbacher hatten am Montagabend die Wahl zwischen einem Plan A und einem Plan B. Keiner machte sie glücklich. Das zeigte sich an der Gemeindeversammlung sehr schnell, als die Diskussion über die Zukunft des maroden Erlibacherhofs eröffnet wurde. Das baufällige Gebäude aus den 60er-Jahren, das mit seinem Restaurant und dem Saal eine wichtige Rolle für das Dorfleben spielt, ist kaum noch nutzbar.

Der Gemeinderat unterbreitete deshalb den Stimmberechtigten zwei Varianten. Erstens: Das Hotel im Erlibacherhof wird stillgelegt, dafür werden Restaurant und Dorfsaal so weit als nötig saniert, damit sie noch einmal zehn bis zwölf Jahre betrieben werden können. Die Kosten dafür sind verhältnismässig hoch – sie betragen fast 2,4 Millionen Franken. Zweitens: Der Erlibacherhof wird komplett abgerissen. Die Kosten dafür belaufen sich auf knapp 1 Million Franken.

Ein Fall für die Intensivstation

Selbst der Gemeinderat liess durchblicken, dass ihm beide Varianten nicht besonders behagen. Die Konsequenz eines doppelten Nein beunruhigte die Behörde aber noch mehr. «Es bliebe beim Status quo und wir müssten versuchen, einen Patienten auf der Intensivstation am Leben zu erhalten», sagte Gemeindepräsident Sascha Patak (FDP). «Das würde sehr kostspielig.»

Der Gemeinderat empfahl den 402 Stimmberechtigten, die zur Versammlung erschienen, die Sanierung des Erlibacherhofs. Es ging ihm hauptsächlich darum, dass die Vereine nicht den Dorfsaal für ihre Aktivitäten verlieren. «Wenn sie ins nahe gelegene Ausland wie Küsnacht, Zollikon und Herrliberg ausweichen müssen, wird es schwierig für alle», sagte Patak.

Schwierig fand die Rechnungsprüfungskommission (RPK) die Sanierung aus finanzieller Sicht. «Die Kosten werden wir wohl eher nach oben korrigieren müssen», sagte deren Präsidentin Erika Brandenberger-Mathys (FDP). «Ausgaben in dieser Höhe für nur zehn Jahre sind nicht vertretbar.» Die RPK empfahl deshalb den Abriss des Erlibacherhofs. Damit kam sie in erster Linie ihrer Aufgabe als finanzpolitisches Gewissen der Gemeinde nach. Dass es bei dem Geschäft um mehr als nur um nackte Zahlen ging, war aber auch ihr klar.

Kritik am Gemeinderat

Johanna Vogt-Stierli, Präsidentin der Erlibacher Volksbühne, warb eindringlich für die Sanierung. Sie betonte, wie wichtig der Dorfsaal für ihren Verein sei. «Für uns gibt es keine Alternative», sagte sie. Die Volksbühne nutzt den Saal etwa drei Wochen im Jahr.

Auch Alt-Gemeindepräsident Ferdy Arnold (CVP) machte sich für die Sanierung stark. Finanziell sehe er es nicht so dramatisch wie die RPK, sagte er. Der Bau des Alterszentrums Gehren sei günstiger ausgefallen als gedacht – das eingesparte Geld könne man nun gut in den Erlibacherhof investieren. Auch er warnte davor, dass der Abbruch der Liegenschaft die Existenz vieler Vereine gefährden würde. «Wir dürfen keine Schlafgemeinde werden.»

Geschlafen, fanden einige Redner sinngemäss, hätten in der Vergangenheit die Behörden. Das Geschäft habe ein «Beige­schmäck­le», fand ein Redner. «Der Gemeinderat hat lange nichts gemacht oder nichts zustande gebracht.» Gemeindepräsident Patak stritt zwar nicht ab, dass es zu wenig schnell vorangegangen sei, er sagte aber auch: «Wir haben eine kleine Verwaltung und nur beschränkt Kapazität.»

Die Unzufriedenheit zeigte sich auch darin, dass einige alternative Vorschläge geäussert wurden, wie es mit dem Erlibacherhof weitergehen könnte. Das Hotel nicht stilllegen, sondern in Studentenwohnungen umwandeln, lautete ein Antrag, der aber klar abgelehnt wurde. Einen neuen Erlibacherhof bauen und die Bauzeit mit Provisorien überbrücken, schlugen andere unverbindlich vor.

Die Uhr tickt

CVP-Präsident Marc Flückiger beantragte, den Saal mit möglichst wenig Aufwand weiterzuführen, währenddem die Behörde Vollgas geben und ein neues Projekt ausarbeiten sollten. Auch dieser Antrag blieb aber chancenlos – ebenso wie der komplette Abriss. In der Schlussabstimmung obsiegte die Sanierung des Erlibacherhofs deutlich.

Zuvor hatte es eine Rednerin auf den Punkt gebracht: «Verkaufen Sie nicht unsere Kultur. Geben Sie dem Gemeinderat die Zeit, die es braucht, um etwas Neues zu erarbeiten.» Die Erlenbacher stimmten somit für Plan A, verwarfen gleichzeitig Plan B und dachten insgeheim bereits an Plan C.

Wie schnell ein solcher erarbeitet ist, bleibt allerdings ungewiss. Die Botschaft an die Behörde war jedoch klar: Es gilt aufs Tempo zu drücken, damit Erlenbach in ein paar Jahren nicht wieder vor der gleichen Ausgangs­lage steht. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.11.2018, 17:29 Uhr

Ein emotionaler Abschied

Nach über 30 Jahren und 68 Gemeindeversammlungen ist Schluss: Am Montagabend hatte Gemeindeschreiber Hans Wyler seinen wohl letzten öffentlichen Auftritt. Er geht Ende Jahre in den Ruhestand. Gemeindepräsident Sascha Patak verabschiedete ihn mit einer launigen Rede und einem grossen Blumenstrauss.

Wyler war sichtlich bewegt. Er schaute seinerseits zurück auf seine Zeit in Erlenbach und gestand, dass ihm der Abschied nicht leichtfalle. Mit Erlenbach werde er sich zeitlebens verbunden fühlen, sagte der Uetiker. miw

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