Zollikon

Freiwillige wollen jungen Asylsuchenden helfen

Seit Anfang August leben in Zollikon rund 80 minderjährige Asylsuchende. Etwa 50 Zolliker erschienen an einem Informationsabend für mögliche freiwillige Helfer im Zentrum.

Etwa 50 Freiwillige erschienen im ehemaligen Alterszentrum in Zollikon (Bild), um sich über die Möglichkeiten als Helfer für die nun hier einquartierten jungen Asylsuchenden zu informieren.

Etwa 50 Freiwillige erschienen im ehemaligen Alterszentrum in Zollikon (Bild), um sich über die Möglichkeiten als Helfer für die nun hier einquartierten jungen Asylsuchenden zu informieren. Bild: André Springer

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«Here no good», steht mit gelber Kreide an eine Wand des sogenannten MNA-Zentrums an der Zolliker Seestrasse geschrieben. «I miss my mom», wurde in derselben Schrift daneben angebracht.

Die Jugendlichen, die im MNA-Zentrum in Zollikon leben, haben Heimweh. 80 «mineurs non accompagnés», also unbegleitete, jugendliche Asylsuchende, im Alter von 12 bis 18 Jahren wurden Anfang August hier untergebracht.

Beschränkte Ressourcen

«Momentan finden wir uns in einer Inselsituation wieder», sagt Martin Mennen, Leiter des Zentrums. Die Jugendlichen wohnen, schlafen, essen hier. Sie lernen in denselben Räumen. Kontakt zur Aussenwelt wird nur rudimentär hergestellt. Dabei wäre dieser wichtig für die Integration. «Unsere personellen Ressourcen sind beschränkt», sagt Mennen. Man könne momentan nur die tatsächliche, vom Kanton geforderte Pflicht erfüllen. Für alles, was darüber hinausgeht, seien sie auf Hilfe angewiesen. Hilfe von Freiwilligen.

Um ehrenamtliche Helfer zu akquirieren, lud das MNA-Zentrum zu einem Informationsabend. Das Bedürfnis, den Jugendlichen zu helfen, scheint gross bei den Zollikern. Über fünfzig Stühle waren an diesem Abend besetzt. Einige Besucher nahmen gar mit den Tischen als Sitzgelegenheit vorlieb. Altersdurchmischt von Jugendlichen bis zu Senioren war der Tenor gleich: «Wir wollen helfen.»

«Wie unsere Kinder»

Doch Hilfe ist nicht gleich Hilfe und muss erst genau definiert werden. Martin Mennen erklärte den Anwesenden, wer die Menschen eigentlich sind, denen sie helfen möchten, und wie eine solche Unterstützung aussehen könnte. Dabei stehen ihm Christine Unterberger, katholische Religionspädagogin, und Eva Quenzer, reformierte Sozialdiakonin, tatkräftig zur Seite. Auch sie rufen im Namen der beiden Kirchgemeinden zur Unterstützung auf. Bis zur Schliessung des Durchgangszentrums in Zollikon trugen sie mit verschiedenen Projekten zur Integration der Asylsuchenden bei. Dasselbe soll nun beim MNA-Zentrum passieren.

Man dürfe die Hilfe nicht romantisieren, sagt Mennen. Weil 85 Prozent der Bewohner des Zentrums männlich sind, dominiert das Testosteron im Haus. «Die Jugendlichen haben dieselben Flausen im Kopf wie unsere Kinder», spricht der Leiter des Zentrums.

Sport verbindet

Für die potenziellen freiwilligen Helfer gibt es zwei Bereiche, in denen Unterstützung gefragt ist: entweder man betätigt sich im Zentrum oder wirkt ausserhalb. So gibt es unter anderem die Option, die Jugendlichen bei ihren Hausaufgaben zu unterstützen oder die Sozialpädagogen zu entlasten, indem man mit den jungen Erwachsenen Behördengänge oder Kleiderkäufe erledigt. Nicht nur im MNA-Zentrum kann man helfen: auch die Hilfe ausserhalb des ehemaligen Pflegeheims ist gefragt. Vernetzungen innerhalb des Dorfes durch das Vereinswesen seien Gold wert, sagt Martin Mennen. Bereits jetzt arbeiteten sie eng mit dem Schwimmclub zusammen. «Sport ist ein gutes Mittel, um Brücken zu schlagen», sagt der Zentrumsleiter. Die Privatschule Lakeside School in Küsnacht stellt darum ihren Sportplatz zur Verfügung. Doch die Jugendlichen dürfen ihn nur in Begleitung Erwachsener nutzen. So braucht es auch hier Unterstützung von Freiwilligen.

Doch egal, in welchem Bereich man nun helfen möchte: Wichtig ist für die Jugendlichen die Botschaft, dass man Zeit für sie hat. Dass sie wichtig sind. Damit sie sich hier in der Fremde ein wenig zu Hause fühlen können. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.09.2016, 16:36 Uhr

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