Stäfa

Exhibitionist belästigt Frau mit Baby

Ein unbekannter Mann hat sich auf einer öffentlichen Badewiese bewusst vor einer jungen Mutter entblösst.

Auf der Stäfner Badewiese Risi entblösste sich ein Exhibitionist vor einer jungen Frau mit Baby.

Auf der Stäfner Badewiese Risi entblösste sich ein Exhibitionist vor einer jungen Frau mit Baby. Bild: Sabine Rock

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So hatte sie sich ihren Ausflug an den Zürichsee nicht vorgestellt. Statt entspannt mit ihrer Mutter und ihrer drei Wochen alten Tochter dem Badespass zu frönen, musste eine 24-Jährige auf der Stäfner Badewiese Risi jäh die Flucht vor einem Exhibitionisten ergreifen. Nun fahndet die Polizei nach dem Unbekannten.

Ereignet hat sich der Vorfall gemäss «20 Minuten» bereits letze Woche. Wie die Betroffene der Gratiszeitung schildert, habe der etwa 30-jährige, südeuropäisch aussehende Mann in schwarzer Unterhose sich zunächst in ihre unmittelbare Nähe gesetzt. Kurz darauf habe er dann seinen Penis entblösst.

«Es wirkte, als ob er onanieren wollte.» Sie habe umgehend reagiert und den Mann auf sein Verhalten angesprochen, schildert die Frau der Zeitung weiter. Davon habe sich dieser aber nicht beeindrucken lassen. Die beiden Frauen packten daraufhin das Baby und verliessen den Badeort.

Es drohen Geldstrafen

Noch immer entsetzt über das Erlebte, erstattete die junge Mutter am Folgetag Anzeige gegen den Unbekannten. Marc Besson, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich, bestätigt dies auf Anfrage. «Wir nehmen solche Fälle sehr ernst.» Weil die Frau sich jedoch erst am nächsten Tag bei der Polizei meldete, besteht gemäss Besson eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass der Täter von Stäfa gefunden wird. «Die Aufklärungsquote ist dann am höchsten, wenn sich Opfer umgehend bei uns melden.»

«Die Aufklärungsquote ist dann am höchsten, wenn sich Opfer umgehend bei uns melden.»Marc Besson, Mediensprecher Kantonspolizei Zürich

Der Mediensprecher appelliert denn auch an die Bevölkerung: «Bei Exhibitionismus muss man sofort handeln und die Polizei alarmieren.» Denn Exhibitionismus sei ein Antragsdelikt. Soll heissen, anders als bei einem Offizialdelikt kann die Polizei erst strafrechtliche Massnahmen treffen, wenn eine Anzeige vorliegt.

Exhibitionismus kann gemäss dem Schweizerischen Strafgesetzbuch mit einer Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen geahndet werden. Als exhibitionistische Handlung gilt gemäss dem Gesetzestext das Vorzeigen der Sexualorgane gegenüber unvorbereiteten Drittpersonen aus sexuellen Beweggründen. Die Tat gilt als vollendet, wenn die Zielperson das Verhalten des Täters wahrnimmt.

Keine Handhabe

Der Vorfall in Stäfa ereignete sich auf einer öffentlichen Wiese. Im Gegensatz zu einer Badeanstalt, wo man einem Täter Hausverbot erteilen kann, gibt es im öffentlichen Raum kaum Möglichkeiten exhibitionistische Handlungen zu verhindern. Das bestätigt eine Nachfrage beim stellvertretenden Gemeindeschreiber von Stäfa, Erich Maag. «Der Vorfall ist unschön. Als Gemeinde können wir dagegen allerdings leider nicht viel unternehmen.»

«Als Gemeinde können wir dagegen allerdings leider nicht viel unternehmen.»Erich Maag, Stellvertretender Gemeindeschreiber Stäfa

Wie die Gemeinde Stäfa verfügt auch die Gemeinde Küsnacht über viele öffentlich zugängliche Seeanlagen. Wie Gemeindeschreiberin Catrina Erb Pola auf Nachfrage erklärt, patroulliere dort regelmässig die Gemeindepolizei. In den Abend- und Nachtstunden komme zudem auch Securitaspersonal zum Einsatz. Für Stäfa sind solche Patrouillen derzeit trotz des Exhibitionisten keine Option.

Erstellt: 29.07.2019, 16:59 Uhr

Exhibitionismus

Immer mehr Fälle werden gemeldet

2018 wurden im Kanton Zürich 173 Fälle von Exhibitionismus zur Anzeige gebracht. Im Jahr davor waren es 141. Das entspricht einer Zunahme von 23 Prozent. Ein Blick in die Kriminalstatistiken der letzten zehn Jahre offenbart, die Zahlen variieren teilweise stark von Jahr zu Jahr.

Dennoch: Noch nie wurde ein höherer Wert erzielt als im letzen Jahr. Weshalb ist das so? Marc Besson, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich kann darüber nur spekulieren. Er glaubt aber nicht, dass es immer mehr Exhibitionisten gibt. «Wir stellen jedoch grundsätzlich eine Veränderung im Anzeigeverhalten der Leute fest.»

Tendeziell würden Vorfälle, Straftaten und Missachtungen häufiger und vor allem schneller gemeldet. Besson führt dies hauptsächlich darauf zurück, dass heute praktisch jeder und jede mit einem Mobiltelefon unterwegs sei. Auch dass die Vorfälle medial immer häufiger aufgegriffen werden, nennt der Mediensprecher als Grund für die Zunahme der Anzeigen. «Die Leute melden heute eher ein Ereignis.»

Keine Zahlen zu Voyeurismus

Im Gegensatz zum Exhibitionismus sind in der Kriminalstatistik des Kantons keine Zahlen zu Fällen von Voyeurismus zu finden. Der Grund: Voyeurismus ist in der Schweiz strafrechtlich nicht durch eine einheitliche Definition geregelt. «Kein Vorfall ist wie der andere.» Man könne die Fälle schlicht nicht vergleichen, sagt Marc Besson. Fälle von Spannern oder Stalkern können deshalb unter die unterschiedlichsten Straftatbestände wie zum Beispiel Persönlichkeitsschutz, Nötigung oder etwa sexuelle Belästigung fallen. (fse)

Praxistipps

So verhalte ich mich richtig

«Als Betroffener einer exhibitionistischen oder einer voyeuristischen Handlung ist es wichtig, umgehend die Polizei zu verständigen», sagt Marc Besson, Mediensprecher der Kantonspolizei. In einer Badeanstalt oder einem Zug sei es zudem ratsam sich an das Personal zu wenden. Denn diese seien befugt, eine Person bis zum Eintreffen der Beamten festzuhalten.

Besson rät zudem, die betreffende Person anzusprechen und möglichst weitere Leute in der Nähe auf den Vorfall aufmerksam zu machen. «Wenn man alleine ist und sich nicht zu sehr exponieren will, ist es wichtig, dass man sich so viele Details wie möglich merkt.» Dazu gehören Kleidung, besondere Kennzeichen wie Brille, Narben oder Bart, Gangart der Person, Grösse und Statur oder allenfalls auch ein Autokennzeichen.

Was man hingegen nicht tun sollte sei, den Vorfall mit einem Handy zu fotografieren oder zu filmen, hält Marc Besson fest, da man so selber strafrechtlich belangt werden könnte. (fse)

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