Ürikon

Erst ein Fest, dann eine grössere Sanierung

Dieses Wochenende feiert die Ritterhaus-Vereinigung ihr 75-jähriges Bestehen mit einem Fest. Sie war einst gegründet worden, um das historische Gebäudeensemble am See vor dem Abriss zu bewahren.

David Kobelt vor dem Ritterhaus in Ürikon – er ist Aktuar der Ritterhaus-Vereinigung.

David Kobelt vor dem Ritterhaus in Ürikon – er ist Aktuar der Ritterhaus-Vereinigung. Bild: Michael Trost

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Schon von weitem machen die Plakate und Werbebanner an der mittelalterlich anmutenden Gebäudegruppe am See auf sich aufmerksam. Dort, im Ritterhaus Ürikon, bereitet man denn auch einen Jubiläumsanlass vor: Am Wochenende feiert die Ritterhaus-Vereinigung ihr 75-jähriges Bestehen.

Was hinter dem Begriff der Ritterhaus-Vereinigung genau steckt, dürfte indes in der Bevölkerung rund um Ürikon nicht mehr ganz so bekannt sein wie auch schon. Dies vermutet zumindest David Kobelt, der Aktuar der Vereinigung. So wolle man sich mit dem Fest nicht zuletzt an die breite Öffentlichkeit wenden. Deshalb sind unter anderem das Ritterhaus und die Kapelle zur Besichtigung frei zugänglich. Diese werden üblicherweise nur auf Anmeldung geöffnet.

Bewegte Zeiten erlebt

Die Ritterhaus-Vereinigung mag bewegtere Zeiten erlebt haben; man denke etwa an die dramatischen Umstände ihrer Gründung: Häuser und Kapelle waren dem Verfall preisgegeben. Beinahe wären sie abgerissen worden, hätte sich nicht eine Gruppe kulturell engagierter Stäfner Bürger zu deren Schutz zusammengetan. Sie kaufte 1943 das Gebäudeensemble, um es der Nachwelt zu erhalten. Hierbei wurde sie bereits Ende des Gründungsjahres von 250 Mitgliedern unterstützt – mit einem jährlichen Vereinsbeitrag von je zwei Franken. Eine Summe, die schon damals als bescheiden gegolten hatte, wie in der dreiteiligen Festschrift zu lesen ist.

Dort ist auch dokumentiert, was für detaillierte Fragen die Vereinsmitglieder beschäftigte, als die aufwändige Restaurierung von Kapelle und Häuser anstand. Desgleichen, wie Jahrzehnte später «der Weg zum konfessionellen Miteinander lang und harzig war.» Die Entscheidung, ob und wie in der reformierten Kapelle katholische oder ökumenische Anlässe zelebriert werden dürfen, wurde zuweilen Sache von Kirchenrechts-Spezialisten und der Evangelischen Landeskirche.

Tempi passati. Heutzutage mache die Hauptaufgabe der Vereinigung die Pflege der historischen Bauwerke aus, sagt Kobelt. Der Schutz der Liegenschaft ist längst durch die kantonale und kommunale Denkmalpflege sichergestellt. Erhalt und Pflege bedeuten freilich auch, regelmässig die eine oder andere Sanierung durchführen zu lassen – kleinere und tiefgreifendere.

Eine solche «grundlegende Sanierung» dränge sich zurzeit wieder auf, sagt Kobelt. «Die vier Wohnungen im Burgstall sind baufällig», erklärt er. Seit 1945 vermietet die Ritterhaus-Vereinigung die Wohnungen in dem stattlichen Gebäude, das im Ostteil des Grundstückes liegt. «Die Wohnungen sind völlig verschachtelt und müssen möglicherweise neu eingeteilt werden», führt Kobelt aus. «Sie sollen auch nach dem Umbau weiterhin erschwinglich sein. Das ist eine Herausforderung.»

Wie man die Sanierung konkret angehe, werde man indes erst nach den Jubiläumsfeierlichkeiten planen. Vor allem sei die Finanzierung ein gewichtiges Thema. Kobelt sieht auf die Vereinigung eine Ideenfindung für die Geldbeschaffung zukommen, bei der es nicht an Kreativität fehlen dürfe.

Nachwuchs gesucht

Nebst der Finanzierung seien die Vorgaben der Denkmalpflege eine weitere Knacknuss. Die Zusammenarbeit habe sich indes bei vorgängigen Projekten in letzter Zeit als konstruktiv erwiesen. «Wichtig ist, die Denkmalpflege von Anfang an in die Planung jedes Bauprojektes einzubeziehen», sagt Kobelt.

Dies gilt auch für die zweite Sache, die in nächster Zeit für die Ritterhaus-Vereinigung eine hohe Priorität hat: Die Umgestaltung des Umschwungs. Kobelt schwebt ein naturnah gestaltetes Gartenkonzept vor; entschieden werde, wie bei allen Plänen, innerhalb der Mitgliederversammlung. Daneben erwäge man, die «Ferien im Baudenkmal» im Haus Blumenhalde ganzjährig besser bekannt zu machen.

Gut 700 Mitglieder zählt die Vereinigung gegenwärtig. Wie viele andere Vereine kennt auch sie die Sorge um Nachwuchs. «Wir müssen auch hier kreativ sein», sagt Kobelt. Der 31-jährige Historiker ist beispielhaft dafür, dass die Ritterhaus-Vereinigung auch für ein jüngeres Publikum durchaus von Interesse sein kann.

75-jähriges Jubiläum der Ritterhaus-Vereinigung Ürikon-Stäfa. Samstag, 16. Juni, ab 16 Uhr Filmvorführung «Das Ritterhausfest 1975» (alle 15 Minuten), ab 19 Uhr Festwirtschaft. Seestrasse 254, Ürikon. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.06.2018, 15:52 Uhr

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