Raumplanung

Erneuter Anlauf für einen Tunnel an der Goldküste

In Meilen sieht eine Einwendung zum kommunalen Richtplan einen Tunnel unter dem Dorfzentrum vor. Tunnels ­– ob für den ÖV oder für Autos – sind im Bezirk immer wieder ein Thema.

In Zumikon gibt es bereits je einen Auto- und den Forchbahntunnel im Dorfzentrum.

In Zumikon gibt es bereits je einen Auto- und den Forchbahntunnel im Dorfzentrum. Bild: Manuela Matt

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Das Verkehrsaufkommen an der Seestrasse wächst. Für den Architekten Hansruedi Bolliger Grund genug, den Verkehr im Meilemer Zentrum unter den Boden zu legen: Seine Einwendung zum kommunalen Richtplan sieht vor, dass der Seestrassenverkehr unterirdisch durchs Dorfzentrum geführt wird, sodass die Meilemer ungehinderten Zugang zum See hätten.

Zur konkreten Einwendung will Heini Bossert (FDP), Planungsvorsteher der Gemeinde Meilen, noch keine Stellung beziehen. Der kommunale Richtplan lag bis Ende Juli auf und derzeit erstellt die Gemeinde zu jeder Einwendung einen Bericht. An der Gemeindeversammlung im Dezember stimmen die Meilemer dann über den neuen Richtplan ab.

Tunnel als Mittel zum Zweck

Nicht nur für Hansruedi Bolliger und seine Unterstützer sind Tunnels im Bezirk Meilen ein Thema, sondern auch für die Planergruppe Hecht, eine Vereinigung hiesiger Architekten. «Es gibt innerhalb der Planergruppe jedoch unterschiedliche Ansätze», sagt Mitglied Urs Esposito und führt die Idee seines Architektenkollegen und Planergruppenmitglieds Hannes Strebel sogleich aus. «Er sieht einen kompletten U-Bahn-Ring rund um das Seebecken vor, während ich vorerst einen Tunnel von Stadelhofen nach Erlenbach, wo eine dichte Siedlungsstruktur besteht, bevorzuge.» Für den Architekten, der sich einst mit einem tiefer gelegten Bahnhof am Projektwettbewerb fürs Küsnachter Zentrum beteiligt hat, ist klar, dass es sich dabei um einen Tunnel für den ÖV handeln würde. Im Individualverkehr müsse man die künftigen Entwicklungen abwarten.

Er sieht den Verkehr im Kontext zur Siedlungspolitik und zum Bevölkerungswachstum. Esposito betont zudem, dass Tunnels für die Planergruppe Hecht nicht das eigentliche Ziel, sondern Mittel zum Zweck seien, um eine bessere Lebensqualität zu erreichen. In diesem Sinne begrüsst er die Eingabe Hansruedi Bolligers: «Ich finde es eine gute Idee, wenn man Meilen sein Seeufer zurückgibt.»

Auch in Erlenbach war einst ein Tunnel im Dorfzentrum im Gespräch: 2014 ergab eine vom Gemeinderat in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie, dass ein solcher unter der Kreuzung See-, Dorf- und Schiffländestrasse für 68 Millionen Franken umsetzbar wäre. «Die Vision des Tunnels ist nicht gestorben, sie schwingt immer bei unseren Planungen mit», sagt Gemeindepräsident Sascha Patak (FDP). Aktuell sei der Tunnel aber kein Thema, da andere Investitionen wie die Fertigstellung des Alterszentrums Gehren und die Planung von Erlenbach Süd rund um das Hotel Erlibacherhof wichtiger seien. In Küsnacht wiederum ist ein Tunnelprojekt für den Dorfkern 2012 gescheitert: Dort schickte die Bevölkerung einen Strassentunnel für 43 Millionen an der Urne deutlich bachab.

Kein Allheilmittel

Eine Untertunnelung mit Stilllegung der Seestrasse wie in Meilen bräuchte einen Eintrag im kantonalen Richtplan, ist von der kantonalen Baudirektion zu erfahren. Grund dafür ist, dass es sich um eine Hauptverkehrsachse handelt. Anträge für Teilrevisionen zum kantonalen Richtplan stellen in der Regel Gemeinden und regionale Planungsgruppen. Daher dürfte die Einwendung Bolliger zum kommunalen Richtplan kaum Erfolg zeitigen. Sie könnte aber auf Gemeindeebene einen Prozess anstossen.

In Zumikon wiederum lässt sich beobachten, dass Tunnels kein Allheilmittel sind. In den 70ern wurden sowohl die Forchbahn als auch der Individualverkehr im Zentrum tiefer gelegt. Hier kämpft die Gemeinde inzwischen mit der Verödung des Dorfplatzes, weil Grossverteiler die Menschen in die Peripherie locken.

Erstellt: 15.08.2017, 16:14 Uhr

Lageplan des Tunnels

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