Erlenbach

Erlenbacher Bauer wehrt sich gegen das neue Schützenhaus

Familie Wydler bewirtschaftet seit 60 Jahren den Landwirtschaftsbetrieb neben dem Schützenhaus. Mit einem Flyer wendet sie sich gegen den Ersatzneubau. Matthias Wydler ist selber Schütze. Aber der Hof steht für ihn an erster Stelle.

Matthias Wydler ist vom Schützenbetrieb als Nachbar direkt betroffen. Er hat deshalb kein Interesse an einem Ersatzneubau.

Matthias Wydler ist vom Schützenbetrieb als Nachbar direkt betroffen. Er hat deshalb kein Interesse an einem Ersatzneubau. Bild: Sabine Rock

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Das abgebrannte Schützenhaus Ifang in Erlenbach entstand 1958. Geschossen wird dort aber schon viel länger. Weit zurück reicht auch die Geschichte des Familienbetriebs von Matthias Wydler gleich nebenan. Wydler führt den Berghof in dritter Generation. Er hat den Betrieb 2015 übernommen und bewirtschaftet ihn in einer Generationen­gemeinschaft – zusammen mit seinem Vater, seinem Onkel und seiner Schwester. In Familien­besitz ist der Hof seit 1948.

Die Wydlers wehren sich mit einem Flugblatt gegen den Wiederaufbau des Schützenhauses. «Der Schiessbetrieb bedeutet für unseren Alltag eine Belastung», heisst es dort. In den vergangenen 60 Jahren seien sie auf den Flächen zwischen Schiessstand und Schutzwall in der Bewirtschaftung des Landes enorm eingeschränkt gewesen. Für diese Einschränkung hätten sie nie eine Entschädigung erhalten.

Alles Schützen

Der junge Bauer war bis vor kurzem selber Mitglied der Schützengesellschaft. Schützen waren beziehungsweise sind auch sein Vater und Onkel. Das Schiessen habe in den letzten Jahren für ihn an Bedeutung verloren. «Seit ich den Betrieb übernommen habe und Vater dreier Kinder geworden bin, bleibt nicht mehr viel Zeit für anderes.» Für den Austritt gibt es aber auch noch einen anderen Grund: «Ich kann als Mitglied des Vereins nicht gegen den Wiederaufbau des Schützenhauses sein», sagt er.

«Ich bin nicht glücklich über den Flyer. Aber ich kann damit leben.»
Urs Fehr, Präsident der Schützengesellschaft

Für Wydler hat die Weiterentwicklung des Betriebs Priorität. «Ohne Schützenhaus könnten wir unsere Zukunft flexibler planen.» Anfang 2018 hat er die Bewilligung für einen neuen Legehennenstall erhalten. In artgerechter Freilandhaltung wird er so zwei Herden von je 6000 Tieren halten können. Auflage der Behörde: Die Hühner müsste er auf eigene Kosten vor dem Schiess­lärm schützen.

Zweifel an Mitgliederzahl

Matthias Wydler übt an der Vorlage, über die am Montag die Gemeindeversammlung entscheidet, auch Grundsatzkritik. Die Informationspolitik von Schützen und Gemeinde sei irreführend. In den genannten Mitgliederzahlen gäbe es auch reine Pistolenschützen, die in Erlenbach immer noch dem Schiesssport nachgehen könnten. Die Gemeinde brauche kein eigenes Schützenhaus. Es mache mehr Sinn, eine überregionale Lösung zu suchen.

Der Pistolenstand könne alleine nicht bestehen, sagt Urs Fehr, Präsident der Schützengesellschaft, dafür gebe es viel zu wenig Pistolenschützen. Er präzisiert die Zahlen von insgesamt 30 bis 40 aktiven Schützen. «Diese Zahlen beziehen sich auf die Zeit, als wir in Erlenbach trainierten.» In Meilen, wo sie seit dem Brand untergekommen sind, seien es weniger – wegen der umständlichen Anfahrt und der Schiesszeiten. «Der Schiesssport boomt im Moment nicht so. Aber wir hatten in den letzten Jahren stets konstante Zahlen.» Zum Flyer der Wyd­lers sagt er: «Ich bin dar­über nicht glücklich. Aber ich kann damit­ leben.»

So sieht der Ersatzneubau für das Schützenhaus aus. Visualisierung: zvg.

Schützenhaus oder nichts

Sicherheitsvorsteher Daniel Wes­ter­mann (SVP) sind die Argumente von Matthias Wydler bekannt. Sie hätten sich im Zuge der Projektierung immer wieder ausgetauscht. «Für den Gemeinderat war klar: Das Haus ist abgebrannt. Also bauen wir es wieder auf», sagt er. Schliesslich handle es sich um eine gemeindeeigene Liegenschaft. Weil sich das Schützenhaus in der Landwirtschaftszone befindet, kann die Gemeinde dort nichts anderes bauen. Westermann hält den Wie­der­aufbau auch im Hin­blick auf die Dichte von Schützen­häusern in der Nachbarschaft für vertretbar.

Ob Familie Wydler tatsächlich nie eine Entschädigung erhalten hat, lässt die Gemeinde derzeit abklären. «Es kann sein, dass man den Vorgänger entschädigt hat», sagt der Sicherheitsvorstand. Neben den Wydlers hat sich auch RotGrünPlus gegen das Schützenhaus ausgesprochen. Überraschend kommt dieser Widerstand für Westermann nicht. Die Schützen hätten heute einen ande­ren Stellenwert als früher. Aber sie seien für Erlenbach nach wie vor ein wichtiger Verein. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.06.2018, 09:21 Uhr

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Ein Jahr später brachte die IG Driving Range das Begehren abermals vors Volk; sie unterlag aber in der Abstimmung erneut. Die Abfuhr der Gemeindeversammlung war – anders als beim ersten Mal – deutlich. (miw)

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