Meilen

Er zeichnet Lokalpolitiker und Frösche

Normalerweise illustriert und karikiert der Meilemer Owley Samter in der Zürichsee Zeitung. Nun veröffentlicht er sein zweites Buch und widmet sich dabei: den Fröschen.

Hat den Owley-Stil gefunden: Der Meilemer Olivier Samter zeichnet auch Karikaturen für die Zürichsee-Zeitung.

Hat den Owley-Stil gefunden: Der Meilemer Olivier Samter zeichnet auch Karikaturen für die Zürichsee-Zeitung. Bild: Manuela Matt

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Der 23-jährige Olivier Samter aus Meilen ist ein Künstler. Dies wird spätestens dann klar, wenn er sein Skizzenbuch öffnet. Seit zwei Jahren füllt er dieses mit spontanen Momentaufnahmen. Gesichter, die mit ein paar Strichen eine Mimik bekommen, Körper, die sich lässig an eine Hauswand lehnen. Es sind Szenen, die Samter tagtäglich beobachtet und mit seinem schwarzen Tuschezeichner in diesem Buch verewigt. Wenn es um seine Illustrationen und Karikaturen geht, wird Olivier Samter zu Owley. Dieser Künstlername wurde ihm während seiner Zeit im Gymnasium Küsnacht verpasst. Schon da habe er jene Aufgaben, deren Lösung er nicht kannte, mit kleinen Zeichnungen versehen. «Die Lehrer lobten die Bildchen zwar, konnten dafür aber keine Punkte verteilen», sagt Owley. So sei sein vorzeitiger Abgang vom Gymnasium auch nicht wirklich überraschend gekommen.

Überall arbeiten

Keine Matura zu haben, bedeutete aber nicht das Ende für seine Studienpläne. Die Hochschule Luzern hat ein Kontingent für Studenten, welche die fehlende Maturität mit Talent wieder wettmachen. Owley überzeugte und wird im nächsten Sommer mit einem Bachelor im Studiengang «Animation» abschliessen. Von seinem Talent zeugen auch zwei von ihm herausgegebene Bücher und seine regelmässigen Publikationen in der Zürichsee Zeitung. Hier illustriert er Artikel oder karikiert Lokalpolitiker.

Zur Vorbereitung ist es für ihn unabdingbar den dazugehörigen Text zu lesen oder möglichst viele Bilder der Person zu sichten. Ist er informiert, fertigt er zwei, drei Skizzen an. Kommt die Skizze beim Auftraggeber an, zeichnet der 23-Jährige sie in Reinform und scannt sie anschliessend ein. Koloriert werden die Bilder erst am Computer. Dies ist zeitsparender, als wenn er die Illustrationen von Hand mit Farbe versehen müsste. Zudem ermöglicht ihm dies, dass er praktisch von überall aus arbeiten kann. Alles was er dazu braucht, sind sein Tuschestift, ein Papier und sein Computer. «Zudem ist mein Zeichnungsstil nicht edel, elegant oder fein.» Da würden auch die Ruckbewegungen im Zug nicht stören, wenn er unterwegs arbeiten muss.

Politisch und provokant

Seine Zeichnungen erkennt man mittlerweile. Olivier Samter hat seinen Owley-Stil gefunden. Er habe früh eine wichtige Lektion gelernt: Man dürfe nie versuchen, einen eigenen Stil zu erzwingen. Das Endprodukt sei zurückzuführen auf verschiedene Illustratoren, die ihn inspiriert haben. Herausdestilliert hat sich dann das, was seinen eigenen Stil ausmacht. Beim Illustrieren eines Artikels versucht er sich selbst nicht zurückzuhalten. «Eine Karikatur ist nie unpolitisch», sagt er. Seiner Meinung nach darf sie auch provozieren. Aber nicht nur. Sie soll ausserdem informieren und einen Mehrwert bieten.

Eine grosse Inspiration bei seiner Arbeit war ihm stets sein verstorbener Grossvater, der als Grafiker tätig war. Jedes Jahr hat dieser die Weihnachtskarte für die Familie gestaltet. Im Jahr vor seinem Tod zeichnete Olivier Samter nach seinen Anweisungen und setzte so seine Ideen um. Seit damals führt er diese Tradition weiter.

«Einen ganz einheitlichen Stil habe ich aber nicht», sagt Owley, während er durch sein Skizzenbuch blättert. Seine Art zu zeichnen würde sich von Motiv zu Motiv sehr unterscheiden. So sehen sich die Bilder in Owleys neustem Buch und die Illustrationen in der Zürichsee Zeitung gar nicht ähnlich.

Frösche von A bis Z

Während in der Zeitung detailreiche Zeichnungen mit klaren Linien aufzufinden sind, präsentieren sich die Illustrationen im eben erst veröffentlichten Buch «Froxikon» verschwommener, künstlerischer. «Froxikon» ist ein Lexikon über Frösche.

Für das «Froxikon» zeichnete Owley verschiedene Frösche. zvg

Alphabetisch geordnet von A wie Aga-Kröte bis Z wie Zipfelkrötenfrosch. Eine besondere Liebe zu Fröschen habe er nicht. Das Büchlein sei aus einer Studienarbeit entstanden. Für jedes verkaufte Exemplar gehen fünf Franken an ein vom Zoo Zürich betreutes Projekt zur Erhaltung gefährdeter Amphibienarten. Owley ist realistisch: «Vermutlich werde ich nicht reich mit diesem Büchlein.» Etwas Gutes könne er aber tun mit dem Erlös. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.10.2016, 16:16 Uhr

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