Bezirksgericht Meilen

Er hält sich eisern an die «Verbrecherehre»

Ein 20-jähriger Chilene kassiert eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Er war wohl Teil eines Trios, das in drei Tagen mehrere Einbrüche beging. Seine Komplizen verrät er aber nicht.

Ein 20-jähriger Mann aus Chile stand am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Meilen.

Ein 20-jähriger Mann aus Chile stand am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Meilen. Bild: Archiv Manuela Matt

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Dramatisch beginnt der Staatsanwalt sein Plädoyer. An einem Dezemberabend 2018 sei es zu einer wilden Verfolgungsjagd in der Zürcher Innenstadt gekommen. Zwei Patrouillenfahrzeuge verfolgten einen gestohlenen Toyota mit italienischen Kennzeichen, vom Central bis nach Hottingen. Das Auto ähnelte einem Wagen, der bei einem Einbruch zum Einsatz gekommen war.

Der Lenker des Toyota beging dabei mehrere grobe Verkehrsregelverletzungen. In einer Quartierstrasse bleibt das Auto stehen, drei Personen stürzen heraus. Zwei entkommen der Polizei und wurden bis heute nicht gefunden. Einen erwischen die Polizisten. Der 20-Jährige gesteht in Haft mehrere Einbrüche und Einbruchsversuche.

Rolle des Sündenbocks

Jetzt steht der Chilene am Bezirksgericht Meilen. Viel sagt er nicht. Als er erzählt, dass er in seiner Jugend in schlechte Kreise geraten sei, spricht ihm sein Verteidiger ins Ohr. Danach sagt er nichts mehr zu seiner Vergangenheit. Eisern schweigt er zu den Umständen der Taten und seinen möglichen Komplizen. Er übernimmt die Rolle des Sündenbocks. Konkret gestanden hat er in der Untersuchung, an drei erfolgreichen Einbrüchen, vier Versuchen und einem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein. Unter anderem in Zumikon, Küsnacht und Oetwil. Die Taten geschahen innerhalb von gerade mal drei Tagen.

Gleich viermal schlugen die Täter in Zumikon zu. Besonders dreist: In einem Zumiker Quartier gingen die Einbrecher an einem Tag ohne Beute weg. Und kehrten am nächsten Tag zurück, um im Nachbarhaus einzusteigen. Die Beute war eher tief. Waren im Wert von 18500 Franken erbeutete das Trio.

Dennoch sind die Täter für den Staatsanwalt keine blutigen Anfänger, wie die Verfolgungsjagd zeige. Dem Beschuldigten kann aber nicht nachgewiesen werden, dass er gefahren ist. Der Staatsanwalt fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 10 Monaten und einen Landesverweis für zehn Jahre.

Gefährliche Leute warten

Der Verteidiger des Chilenen beklagt die lange Verfahrensdauer. Sein Mandant habe gestanden, weil ihm ein rascher Prozess versprochen wurde. Er hält eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten und einen Landesverweis von fünf Jahren für angemessen. Vor allem soll auf die Ausschreibung im Schengen-Raum verzichtet werden. Denn eine Schwester des Beschuldigten wohnt in Spanien, ohne die Ausschreibung könnte er zu ihr. Nach Chile könne er nicht, dort würden gefährliche Leute auf ihn warten.

Die Richter überraschen mit einer höheren Strafe als gefordert. 14 Monate bedingt setzt es für den Chilenen ab. Dazu sieben Jahre Landesverweis und die Ausschreibung im Schengen-Raum. Sie gewichten die Delikte schwerer als der Staatsanwalt. «Sie sind in bewohnte Häuser eingedrungen, zweimal waren sogar Bewohnern drin», sagt der Vorsitzende Richter. Die Einbrecher hätten die Absicht gehabt, alles zu stehlen. Das zähle mehr als die Höhe der Beute.

Erstellt: 11.07.2019, 21:58 Uhr

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