Hombrechtikon

Ein kraftvoller Bauernführer

Diethelm Burkhard-Abegg sass bis zu seinem Tod 1926 als Vertreter der Zürcher Bauernpartei im Nationalrat. Am Sonntag würde der engagierte Hombrechtiker mit der markanten Gestalt 150-jährig.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Diethelm Burkhard-Abegg gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten, die Hombrechtikon hervor gebracht hat. Er war ein engagierter Bauernpolitiker, der sich in der Organisation der Milchwirtschaft und beim Wiederanbau der reblausgeschädigten Weinkulturen verdient gemacht hat.

Zu Unrecht ist er in Vergessenheit geraten. Am 14. Juli 2019 jährt sich sein Geburtstag zum hundertfünfzigsten Mal.

Durch den Grossvater politisiert

Diethelm Burkhard kam am 14. Juli 1869 im Pfarrhaus in Herrliberg zur Welt. Er entstammte einer alten stadt-zürcherischen Familie. Sein Vater war der Dekan und Kirchenrat Paul Heinrich Burkhard. Seine Mutter Henriette Ziegler entstammte einer illustren Familie. Ihr Vater war Eduard Ziegler, zur Zeit des Züriputschs von 1839 Stadtpräsident von Zürich, Divisionskommandant im Sonderbundskrieg und von 1840 bis 1866 Regierungsrat und Vorsteher der Polizei- und Militärdirektion. Über viele Jahre sass er auch im Nationalrat. Möglicherweise war es dieser Grossvater, der die politischen Ambitionen von Diethelm Burkhard weckte. Der bekannte Dichter Conrad Ferdinand Meyer, war mit seiner Tante Luise, der Schwester seiner Mutter, verheiratet.

Der bekannte Dichter Conrad Ferdinand Meyer, war mit seiner Tante Luise, der Schwester seiner Mutter, verheiratet.

Nach den Jugendjahren in Küsnacht studierte Diethelm Burkhard von 1888 bis 1891 Agronomie an der ETH Zürich. Auf Studienreisen in die Nachbarländer sowie in die nördlichen Staaten schuf er sich die theoretische Grundlage für seine erfolgreiche Betätigung auf dem Gebiet der Landwirtschaft. Er übte den Beruf des Landwirts zunächst im Wangensbach in Küsnacht praktisch aus. 1905 konnte er das stattliche Bauerngut Sunneblick mit Rebberg in Feldbach erwerben. Somit kannte er die Sorgen und Nöte der Bauern und Winzer aus eigener Erfahrung. 1894 heiratete Diethelm Burkhard Emma Abegg aus Küsnacht. Mit ihr hatte er zwei Kinder, den Sohn Paul und die Tochter Nelly

Der Landwirtschaft verpflichtet

Diethelm Burkhard galt als einer der markantesten Vertreter der ländlichen Bedürfnisse. In zwei der bedeutendsten Sparten der Landwirtschaft, brachte er sich besonders ein, nämlich im Rebbau und in der Milchwirtschaft.

Die Förderung der Qualität des Weinbaus war ihm ein Herzensanliegen. Systematisch suchte er Ersatz für die von der Reblaus zerstörten einheimischen Sorten. Von 1905 bis 1911 wirkte Diethelm Burkhard als Geschäftsführer der Gesellschaft schweizerischer Landwirte. In diesen Kreisen nahm er zu den Problemen des Weinabsatzes, dem Weinzoll und vielen anderen Fragen Stellung. 1911 ernannte ihn der Regierungsrat zum Zürcher Rebbaukommissär. Bis 1925 leistete er in dieser nebenamtlichen Funktion einen grossen Beitrag bei der Wiederherstellung von Rebbergen. Mit beeindruckendem Einsatz kämpfte Burkhard gegen das drohende Ende des Weinbaus aufgrund der Schädlinge und Krankheiten des Weinstocks, der ausländischen Konkurrenz und der damals herrschende Mutlosigkeit vieler Weinbauern.

Auch die Milchwirtschaft war Burkhard Abegg Ansporn zum Handeln. Sein Ziel war die rationelle Verwertung der Milch und deren möglichst reibungslose und gleichmässige Verteilung. Im Jahr 1906 war er Mitbegründer des Verbands nordostschweizerischer Käserei- und Milchgenossenschaften. Er übernahm das Amt des Quästors und präsidierte den Verband ab 1920 bis zu seinem Tod. In dieser Funktion nahm er auch Einsitz in den Vorstand des Zentralverbands schweizerischer Milchproduzenten, wo er dank seiner Sachkenntnisse rasch massgebenden Einfluss erlangte

«Tiefgründiger Parlamentarier»

Diethelm Burkhard war ein durch und durch politischer Mensch und engagierte sich erst auf kommunaler Ebene. Mit 26 Jahren wurde er Gemeinderat in Küsnacht, 1916 nahm er Einsitz in die Hombrechtiker Steuerkommission.

Als der Zürcher Kantonsrat 1917 erstmals im Proporzwahlsystem erkoren wurde, wurde Diethelm Burkhard als Vertreter der eben gegründeten Bauernpartei gewählt. Er war ein temperamentvoller und schlagfertiger Debattierer, der mit Sachlichkeit und Objektivität punktete. Er brachte sich vor allem bei Problemen der Landwirtschaft ein. Burkhard war Mitglied der Kommissionen, die das Gesetz über die Versicherung des Staatspersonals oder der Besoldungsverordnung der Beamten und Angestellten beriet. Während zweier Amtsdauern sass er in der Kommission für die Prüfung der Jahresrechnung und der Geschäftsführung der EKZ, in der zweiten Amtsdauer präsidierte er dieses Gremium. Er stand auch der Kommission für Beratung der Verordnung über die Notariats- und Grundbuchgebühren vor.

Am 29. Oktober 1922 wurde Diethelm Burkhard als Vertreter der Zürcher Bauernpartei in den Nationalrat gewählt. Wenn er in die Debatten eingriff, tat er dies hartnäckig und mit umfassender Sachkenntnis. Unter anderem brachte er sich in die Beratungen über das Automobilgesetz, über das Jagdgesetz, das Zollgesetz und die Alter- und Hinterbliebenen-Versicherung ein. Zudem waren ihm die Fragen der Landesverteidigung eine Herzenssache.

Diethelm Burkhard galt als kraftstrotzende, markante Gestalt, die gerne mit einer knorrigen Eiche verglichen wurde. Er war ein unermüdlicher und nie rastender Schaffer. Zudem war er ein zupackender Praktiker, dem das blosse Theoretisieren nicht lag. Beim Zürcher Landvolk erfreute er sich grosser Beliebtheit. Er hörte den Menschen zu und verstand es vortrefflich, in Ansprachen zum Volk zu reden.

Grosser Aufmarsch zum Abschied

Als sich der Kantonsrat am 17. Mai 1926 zur konstituierenden Sitzung zusammen fand, blieb der Platz von Diethelm Burkhard an der Rückwand des Saals unbesetzt. Tage zuvor war er erstmals zusammengebrochen. Eine schwere Krankheit schwächte seinen Körper in kurzer Zeit. Nach einer Kur am Vierwaldstättersee kehrte er nach Feldbach zurück, konnte sich aber nicht mehr erholen. Am Abend des 2. September 1926 verstarb Diethelm Burkhard in seinem Heim am Zürichsee im Alter von 57 Jahren.

An der Beerdigung am 5. September 1926 nahmen weit über tausend Menschen teil.

An der Beerdigung am 5. September 1926 nahmen weit über tausend Menschen teil. Der Trauerzug setzte sich um halb zwei Uhr in Feldbach in Bewegung. Unter den Trauernden marschierten National- und Ständeräte aus allen Landesteilen, Regierungsräte, der Kantonsratspräsident, zahlreiche Vertreter des Kantonsparlaments, der Bezirksbehörden und der Behörden von Hombrechtikon. Die Bevölkerung aus der ganzen Region erwies dem Verstorbenen am Wegrand stumm die letzte Ehre. Die Harmonie Hombrechtikon begleitete den Zug bis zur reformierten Kirche in Hombrechtikon. In zeitgenössischen Schriften heisst es: «Das darf als eine wahrhaftige Kundgebung des Volkes gewertet werden, für einen Bürger, der nie die Popularität suchte und der doch Volkstümlichkeit besass und Führer wahr.»

Nach seinem Tod würdigte ihn der seinerzeitige Nationalratspräsident mit den folgenden Worten: «Wir haben ihn kennen gelernt als einen tiefgründigen, unerschrockenen und vornehmen Parlamentarier, der selbst in heftigen Widerstreit der Meinungen die Achtung vor dem Gegner nie verletzte. Sein Auftreten im Rat hatte stets etwas Erfrischendes. Seine kraftvollen Worte erinnerten jeweils an den Wogenschwall des Zürichsees und ans offene, freie Idiom seiner Standesgenossen am See. Das war der Mann, bei dem man stets wusste, woran man mit ihm war.»

*Tumasch Mischol lebt in Hombrechtikon und sass von 2015 bis 2019 für die SVP im Kantonsrat. Der 43-jährige ist stellvertretender Gemeindeschreiber in Volketswil.

Erstellt: 12.07.2019, 15:21 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles