Uetikon

Ein einzigartiges Areal am Zürichsee mitgestalten

Jetzt liegt es an der Bevölkerung, das Industrieareal Chemie Uetikon mitzugestalten. Am Mittwoch orientierten Gemeinde und Kanton über Eckpunkte und Möglichkeiten der Mitwirkung.

Stellten sich den Fragen aus dem Publikum: Matthias Thoma, Benjamin Grimm, Roman Dellsperger, Urs Mettler und Hans Jörg Höhener (von links).

Stellten sich den Fragen aus dem Publikum: Matthias Thoma, Benjamin Grimm, Roman Dellsperger, Urs Mettler und Hans Jörg Höhener (von links). Bild: Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Ausgangslage ist in der Schweiz einzigartig: Ein 6,5 Hekt­aren grosses Industrieareal an bester Lage am See wird frei für eine neue Nutzung. Bislang ist lediglich klar, dass der Kanton auf einem Viertel der Fläche ein neues Gymnasium plant. Unbestritten ist auch, dass der Seezugang der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Vor diesem Hintergrund fand am Mittwoch im Uetiker Riedstegsaal eine erste Informationsveranstaltung statt. Eingeladen hatten die Gemeinde Uetikon und der Kanton, denen das Grundstück gehört. «Wir haben ein Versprechen gegeben, das wir einlösen wollen», sagte Gemeindepräsident Urs Mettler (parteilos). Damit spielte er auf die Mitwirkung der Be­völkerung an – das Thema des Abends – und formulierte ein erstes Ziel. Der Gestaltungsplan für das gesamte Areal soll 2021 mit einer grossen Zustimmung angenommen werden. «Wir streben 70 bis 80 Prozent an.»

Nicht in Stein gemeisselt

Einem anspruchsvollen Projekt geht ein ebenso anspruchsvoller Prozess voraus. Dies spiegelt sich im Saal auch an der Anzahl der Redner: Gleich fünf standen dem Publikum Red und Antwort.

Projektleiter Benjamin Grimm vom kantonalen Amt für Raumentwicklung sprach von einem sehr komplexen Prozess mit vielen Themen. «Wir wollen ergebnisoffen einsteigen. Aber Sie müssen damit rechnen, dass es gewisse Grenzen gibt.» Was er ­damit meinte, zeigte sich anhand der bereits durchgeführten Verkehrsstudie. Laut dieser ist etwa die Verlegung des Bahnhofs an den See aus Kosten-Nutzen-Überlegungen keine sinnvolle Lösung. Hinzu kommt, dass SBB und ZVV wenig Bereitschaft für eine Standortänderung signalisieren. Trotzdem: In Stein gemeisselt wollte Grimm auch die denkmalgeschützten Gebiete des Areals nicht verstanden wissen. «Aber ein Abbruch benötigt richtig gute Argumente.»

Kein Siegerprojekt

Matthias Thoma vom Planungsunternehmen EBP oblag es, zwei wichtige Schlagworte zu erklären. Das Varianzverfahren diene dazu, das städtebauliche Potenzial zu ermitteln. So bearbeiten vier Fachteams Themen wie Städtebau, Landschaft, Verkehr, Sozialraum und Immobilienmarkt. «Es gibt am Schluss kein Sieger­projekt», betonte Thoma, «alles fliesst mit ein.» Die Resultate dieses Verfahrens werden in den Masterplan überführt – ein informelles Planungsinstrument. Dort könne etwa festgehalten werden, wann die Uetiker weiter mit einbezogen würden oder welches die Aufgaben des Kantons seien.

Für die Anwesenden wurde es mit den Ausführungen von Roman Dellsperger von der Firma Moderat konkreter: Er stellt die Möglichkeiten des Beteiligungsprozesses vor. Eine konkrete Vision, was auf dem Areal nebst dem Gymi entstehen könnte, hat bereits der Gemeinderat. Verraten wollte sie Gemeindepräsident Urs Mettler aber nicht. «Wir möchten der Bevölkerung die Chance geben, sich einzubringen.»

Ringen im Hintergrund

Dass schon jetzt im Hintergrund heftig gerungen wird, machte Hans Jörg Höhener, stellvertretender Amtschef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamts, in einem Votum deutlich. «Es ist ein Ort für Schüler und Bevölkerung vorgesehen.» Sprich, die Uetiker sollen künftig von der Infrastruktur des Gymnasiums profitieren können. Für die Anwesenden im Saal war die Kantonsschule selber kein Thema. Eine Frau aber erkundigte sich nach den Verkehrsströmen. Ein Mann monierte, dass er von all den Begriffen verwirrt sei, ihm fehle ein Ziel. Ein anderer erkundigte sich nach den Möglichkeiten einer Zwischennutzung.

Der Informationsabend zeigte: Bis auf dem Areal der heutigen Chemie Uetikon die Bagger auffahren können, ist es noch ein langer Weg. Und der Zeitplan mit der Eröffnung der Kantonsschule 2028 ist optimistisch. Urs Mettler strich am Ende der Veranstaltung die Teamarbeit heraus und schloss mit den Worten: «Wir haben die Chance, ein tolles Projekt zu entwickeln.»

Erstellt: 05.10.2017, 08:53 Uhr

Wie es weitergeht

Die erste Beteiligungsveranstaltung findet am Samstag, 11. November, im Uetiker Riedsteg-saal statt. Sie dauert von 10 bis 15 Uhr. An diesem Tag werden unter anderem die Resultate der Onlinebefragung besprochen und die Anliegen der Bevölkerung aufgenommen. Teilnehmer sind gebeten, sich anzumelden. Nach der ersten Veranstaltung vertiefen die Fokusgruppen bestimmte Themen. Die Resultate werden im November 2018 an einer öffentlichen Veranstaltung besprochen. Die Onlinebefragung ist noch bis 16. Oktober aufgeschaltet. (rli)

Artikel zum Thema

«Skeptiker haben oft gute Argumente»

Uetikon Roman Dellsperger von der Firma Moderat begleitet den Beteiligungsprozess bei der Gebietsplanung «Chance Uetikon». Dabei gehe es nicht ums Gewinnen oder Verlieren, betont er. Mehr...

Jetzt gilt es ernst mit dem Mitreden beim Uetiker Seeareal

Uetikon Die Online-Umfrage zur Zukunft des Industrieareals in Uetikon ist eröffnet. Auf der Website kann man das Gebiet aus neuer Perspektive erkunden und sich dazu äussern, wie dieses rund um die geplante Mittelschule gestaltet werden soll. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben