Zürichsee

Ein Verein will das Feuer für eine U-Bahn am See entfachen

Eine Gruppe von Planern und Architekten will einen U-Bahnring rund um den Zürichsee bauen. Ihre Ideen sind eher visionär als konkret, doch nun organisieren sie sich neu in einem Verein.

Städteplanerin Antonia Cornaro präsentierte am Anlass zur See-U-Bahn internationale Bauten im Untergrund: Hier ein Beispiel aus Stockholm.

Städteplanerin Antonia Cornaro präsentierte am Anlass zur See-U-Bahn internationale Bauten im Untergrund: Hier ein Beispiel aus Stockholm. Bild: Visualisierung: PD

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Durch die Backstube des Mühleramas Tiefenbrunnen wehte am Donnerstagabend der Duft der grossen weiten Welt. Städteplanerin Antonia Cornaro präsentierte Bilder von U-Bahn-Stationen und Untergrund-Nutzungen weltweit. Unterirdische Bauten aus Seoul, Montreal oder dem niederländischen Delft waren nur einige Projekte, welche die Horgnerin vorstellte: Fantastische architektonische Gebilde, in denen Atmosphäre durch Licht, Design und Kunst entsteht.

Eigentlich ging es beim Anlass des neu gegründeten Vereins Lake Area Metro um die Region, genauer um den Bezirk Meilen. Die Vision etwas Neues in der Zürichsee-Region zu schaffen, eint die erst drei Mitglieder des Vereins. Geladen wurde zu einem Anlass zum Thema «Etappierung, Streckenführung und Gemeindeanschlüsse der geplanten U-Bahnlinie am unteren Seebecken». Knapp 50 Interessierte – darunter auch einige Behördenvertreter – lauschten den Ausführungen.

Trennende Achsen

Hannes Strebel, der bereits die Planergruppe Hecht mitinitiiert hat, gab einen Überblick über die Ziele und Hintergründe des Vereins. «Das grosse Problem unserer Region sind zwei starke Achsen: Die Seestrasse und die Eisenbahn», führte der Architekt aus. Diese Achsen würden dafür sorgen, dass die Bevölkerung vom See getrennt sei und durch Lärm und Gestank belastet würde. Der Fokus an diesem Abend lag allerdings nicht auf dem Strassen-, sondern auf dem Öffentlichen Verkehr und damit auf der Idee, einen U-Bahnring rund ums Seebecken zu bauen.

Die Idee mag eine Vision sein, doch die Planer der Lake Area Metro haben schon greifbare Vorstellungen. So erklärte Strebel, dass man die Streckenführung im Jahr 2030 bis Uetikon und Wädenswil unterirdisch führen und den Ring bis 2050 vollständig schliessen könne. Auch für das Land, auf dem heute die Gleise verlaufen, hat Strebel eine Idee: «Wir schlagen vor, dass man das Bahntrassee als Biketrail nutzt.» Bei den Kosten ging er von 2,4 Milliarden Franken für den U-Bahnring aus. Aussagen, die von Moderator und CVP-Kantonsrat Lorenz Schmid mit dem Hinweis kommentiert wurden: «Je älter er wird, desto visionärer wird Hannes Strebel.»

Station für Hombrechtikon?

Auch Stefan Maurhofer relativierte etwas. «Es ist eine Riesenvision, die kostet vielleicht auch mehr als 2,4 Milliarden», sagte der Dozent für Untertagebau an der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR). Aber man müsse visionär anfangen, sonst passiere nichts. Er nahm Stellung zu einer möglichen Linienführung einer Metro am rechten Zürichseeufer und wie sich diese von der heutigen S-Bahn-Strecke unterscheiden könnte.

Als Optionen nannte er, dass die Uetiker Station zum alten Fabrikareal verschoben und die Bahn neu auchdurch das Dorf Hombrechtikon führen könnte. Architekt Urs Esposito wiederum erläuterte, welche Möglichkeiten für eine Tieferlegung des ÖV sich in Küsnacht bieten. Eine Überbauung der Zentrumsflächen habe dort noch nicht stattgefunden.

Ein Plan mit der Streckenführung einer rechtsufrigen U-Bahn hing an der Wand der Backstube. Doch bevor die Anwesenden ihre Ideen mit ausgeteilten Stiften dort einzeichnen konnten, wurden Fragen beantwortet. Ein Bürger wollte wissen, ob mit einer U-Bahn eine gleichwertige Kapazität bestehe wie heute mit der S-Bahn. «Wir könnten in sehr kurzen Abständen Züge durchlassen», bejahte Maurhofer. Ein anderer interessierte sich für die Tunnelinfrastruktur. Strebel hatte zuvor die Untertunnelung in der Stadt Zürich und am Zimmerberg erwähnt. Es sei ihm darum gegangen zu zeigen, dass die Idee nicht so utopisch sei, erklärte der gebürtige Uetiker. Wahrscheinlich müsste man für eine U-Bahn aber einen neuen Tunnel bauen.

Ernüchternde Antwort

Der Verein, für den man sich an diesem Abend einschreiben konnte, besteht nicht nur aus Fachleuten, ist Lorenz Schmid doch eine Art politisches Zugpferd. Der Männedörfler Kantonsrat gab einen Einblick in die politischen Prozesse. Eine Antwort, welche Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) auf eine Anfrage seinerseits lieferte, nannte er ernüchternd. Zudem schilderte er, wie er von Gemeinden darauf hingewiesen worden sei, besser den Weg über die Zürcher Planungsgruppe Pfannenstiel zu nehmen. Ein Weg, der für ihn offensichtlich verfrüht ist. «Es geht um eine Vision: darum ob wir eine Faszination, ein Feuer entfachen können.»

Wer weiss, vielleicht sind die unterirdischen Bauten, die Antonia Cornaro zu Beginn präsentierte tatsächlich ein Gruss aus der Zukunft. Vielleicht könnte es zumindest eine pragmatischere, bescheidenere - kurzum schweizerischere Version der Untergrundnutzung am Zürichsee geben.

Erstellt: 01.11.2019, 16:55 Uhr

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