Erlenbach

Ein Bohrer gräbt sich unter der Seestrasse hindurch

Die Arbeiten für die Neugestaltung der Schifflände in Erlenbach sind in vollem Gang. Derzeit wird eine neue Abwasserleitung gebaut – das Loch dafür verläuft unter der Seestrasse.

Seit Anfangs Jahr wird die Schifflände saniert und umgestaltet. Am Ufer sollen künftig etwa Sitzstufen zum Verweilen einladen. Ende Juli sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Seit Anfangs Jahr wird die Schifflände saniert und umgestaltet. Am Ufer sollen künftig etwa Sitzstufen zum Verweilen einladen. Ende Juli sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Bild: Moritz Hager

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Die Autos rauschen wie gewohnt über die Seestrasse in Erlenbach. Dass sechseinhalb Meter weiter unten ein neues Loch für die Kanalisation entsteht, davon bekommen die Verkehrsteilnehmer nicht viel mit. Dies dank dem sogenannten Microtunnelingverfahren, wie Roman Mathieu, Leiter der Abteilung Tiefbau, auf einem Rundgang auf der Baustelle erklärt.

Bevor die Bohrarbeiten beginnen konnten, erstellten die Arbeiter beim Restaurant Fischstübli in der Schiffländestrasse eine Startgrube. Die Zielgrube befindet sich oberhalb der Seestrasse bei der Dorfstrasse. Anfang Februar wurde mit dem Bohren von der Seeseite her begonnen. «25 Meter hat sich der Bohrkopf bis heute vorgearbeitet», sagt Mathieu. «Ende Februar sollte die Zielgrube erreicht sein.»

Kanalisation wird verschoben

Die Verlegung der Abwasserkanalisation wurde notwendig, weil bei der Neugestaltung der Schifflände auch das Ufer des Dorfbachs revitalisiert wird. Die rechtsufrige Mauer des Bachs weicht einer Böschung mit Büschen und Bäumen. Die aktuell im Bachbett verlaufende Kanalisationsleitung wird verschoben und führt künftig unter der Schiffländestrasse hindurch.

Presslufthammer statt Seeidylle: Die Baustelle an der Erlenbacher Schifflände.

Der neue Verlauf sei eine Vorgabe des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) gewesen, erklärt Mathieu. Die alte Leitung im Bachbett wurde in den 1960er-Jahren erstellt. «So etwas würde heute nicht mehr bewilligt.» Die Abwasser aus Erlenbachs höher gelegenen Quartieren werden künftig also hinab zur Schiffländestrasse fliessen. Von dort aus wird das Wasser über ein bestehendes Pumpwerk, dessen Häuschen stehen bleibt, schliesslich zur Abwasserreinigungsanlage transportiert.

Felsiger Untergrund

Für die Neugestaltung der Schifflände haben die Erlenbacher an der Gemeindeversammlung im November 2018 einen Kredit in der Höhe von rund 2,2 Millionen Franken bewilligt. Nicht darin enthalten war das Versetzen der Abwasserleitung. Die dafür benötigten gut 1,3 Millionen Franken sprach der Gemeinderat, wie an der Gemeindeversammlung aufgezeigt, als gebundene Ausgabe. Anfang dieses Jahres sind nun die Bauarbeiten gestartet.

Vor dem Baustart wurde auch der Untergrund analysiert. Dies, damit der Bohrer nicht auf böse Überraschungen trifft. «Das Material ist felsig und fest», sagt Mathieu. Es sollte also ausreichend stabil sein, damit die neuen Abwasserrohre problemlos verlegt werden können. Die Einzelteile mit 80 Zentimetern Durchmesser liegen derzeit auf der Schiffländestrasse bereit. Ein Pneukran hievt ein Rohrstück nach dem anderen zum Bohrloch, wo es anschliessend verlegt wird.

Wie es mit dem Schiffswartehäuschen weitergeht, ist derzeit noch offen.

Noch unberührt von den Bauarbeiten ist das Plätzchen neben dem Schiffswartehäuschen bei der Schifflände. Der alte Belag ist derzeit noch ein Flickwerk aus ziemlich verwitterten Sandsteinen und Betonplatten, die als Ersatz eingebaut wurden, wenn der Sandstein gar arg gelitten hat. An die Stelle des alten Belags kommen Natursteine, genauer Quarzsandsteine – sie stammen aus dem Steinbruch Guber in Alpnach im Kanton Obwalden. Die Sitzbänke kommen ebenfalls weg. Als Ersatz dienen Sitzstufen, die am Ufer entlang verlaufen.

Rosskasstanie darf bleiben

Die stattliche Rosskastanie ganz vorne beim See wird auch in Zukunft schatten spenden dürfen. Sie ist von der Neugestaltung nicht betroffen und bleibt laut Mathieu stehen. Die Zahl der Parkplätze in der Schiffländestrasse hingegen wird dezimiert: Anstatt wie bisher 40 sollen künftig nur noch deren 25 zur Verfügung stehen.

Wie es mit dem Schiffswartehäuschen weitergeht, ist derzeit noch offen. Vergangenen Sommer hat der Wirt des Restaurants Fischstübli, Jeremie Crettol, in den Räumen versuchsweise ein Bistro betrieben. «Der Gemeinderat wertet nun aus, ob sich das Konzept bewährt hat», sagt Gemeindeschreiber Daniel Keibach auf Anfrage. Dann werde die Behörde über die Zukunft des denkmalgeschützten Häuschens entscheiden.

Wann der neue Platz rund um die Schifflände zugänglich sein wird, steht indessen schon fest. Bis Ende Juli soll er laut Keibach nutzbar sein. Der Chilbi im September, welche auch in der Schiffländestrasse stattfindet, dürften die Bauarbeiten also nicht in die Quere kommen.

Erstellt: 14.02.2020, 16:08 Uhr

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