Hombrechtikon

Ein Becken mit Seewasser für dürrebetroffene Bauern

Bauern mit einer Bewilligung dürfen in Hombrechtikon seit letzter Woche Wasser direkt vom See abpumpen. Dies wegen der Trockenheit. Um ein Gedränge am Ufer zu vermeiden, wurde eine bislang einzigartige Aktion durchgeführt.

Die Zivilschützer Roger Mezenen und Remo Zollinger pumpen in Feldbach Wasser aus dem Zürichsee.

Die Zivilschützer Roger Mezenen und Remo Zollinger pumpen in Feldbach Wasser aus dem Zürichsee. Bild: David Baer

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Was bis anhin nur eine Übung war, wurde am Freitag für den Zivilschutz Hombrechtikon zum Ernstfall: Der Einsatz der Schmutzwasserpumpe. Jedoch nicht zu dem Zweck, den der Name des Geräts nahe legt. Es ist kurz nach neun Uhr morgens, als sich die Pumpe in der idyllischen Bucht im Horn unweit des Strandbads Feldbach in Betrieb setzt. Sodann geht ein Ruck durch den angehängten Schlauch, pflanzt sich fort und verteilt sich nach einigen Metern auf drei dünnere Leitungen.

Derweil nochmals gut hundert Meter weiter weg vom See zwei der vier Zivilschützer mit Zivilschutzstellenleiter Rolf Hiltebrand gespannt in das sogenannte Havariebecken der Kläranlage spähen. Neben ihnen: Brunnenmeister Daniel Stöckli und Gemeindepräsident Rainer Odermatt (FDP). Denn auch für Letztere beiden ist, was sich gerade an dem Becken abspielt, eine Premiere.

Nur eine Stelle für Entnahme

Nach kurzer Zeit des Wartens schiesst denn auch pures Zürichseewasser aus den drei Leitungen in das Becken. Gut sieben Stunden später wird dieses, mit seinen 800 Kubikmeter Fassungsvermögen, gefüllt sein. Und sodann den örtlichen Bauern – die hierfür von der Gemeinde eine Bewilligung erhalten haben – die Möglichkeit geben, ihre Wasserspeicherwagen aufzufüllen. Dieses Vorgehen ist denn auch die angesprochene Premiere. Sie hat selbstredend mit der aussergewöhnlichen Trockenphase zu tun, in der sich das Land derzeit befindet. Diese hat letzte Woche das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) dazu veranlasst, Bauern die direkte Wasserentnahme aus dem Zürichsee zu erlauben.

«Die Bewilligung des Kantons umfasst auch, dass es pro Gemeinde nur eine einzige Stelle für die Wasserentnahme geben darf und dass diese genau vorgeschrieben ist», erklärt Brunnenmeister Stöckli. Der Seezugang beim Horn sei indes zu kleinflächig, als dass sich mehrere Bauern mit ihren Fahrzeugen dort aufhalten könnten. Darum habe man entschieden, das Wasser in ein Becken der Kläranlage zu leiten, wo es mehr Platz gebe. Das Becken steht derzeit leer – es dient eigentlich als Überlaufbecken bei Starkregen. Dass Bauern aus dem See direkt Wasser holen können, geschieht allerdings nicht das erste Mal. «Schon 2015 und früher gab es diese Möglichkeit aufgrund starker Trockenperioden», sagt Gemeindepräsident Odermatt.

Kein Trinkwasser verschwenden

Der tiefere Sinn hinter der Ausnahmeregelung ist, dass die Bauern in der derzeitigen Situation nicht auf Trinkwasser zurückgreifen sollten. Denn dieses muss mit viel Aufwand an Energie aufbereitet werden. «Trinkwasser soll jetzt vor allem Mensch und Tier zukommen», sagt Stöckli. Zudem müsse die Feuerwehr jederzeit genug Wasser aus den Hydranten beziehen können, auch dies aufbereitetes Trinkwasser. «In der jetzigen Situation mit der Waldbrandgefahr ist dies besonders wichtig.» Die Möglichkeit, nicht aufbereitetes Seewasser zu beziehen, würden denn auch vor allem Obst- und Gemüsebauern wahrnehmen, von denen es im landwirtschaftlich geprägten Hombrechtikon noch eine Menge gebe.

Hombrechtikons Wasserversorgung beruht auf drei Pfeilern: Nebst Seewasser trägt Grund- und Quellwasser, Letzteres aus Goldingen, dazu bei. «Grund- und Quellwasser liefern zurzeit nur die Hälfte der Menge wie in normalen Zeiten», erklärt Brunnenmeister Stöckli. Deshalb setze man nun vermehrt auf das Seewasser. Aber auch aus Solidarität gegenüber anderen Gemeinden wie etwa Eschenbach oder einigen Oberländer Gemeinden. Diese nämlich hängen auch von der Goldinger Quelle ab, und zwar nur von dieser.

Sie haben nicht, wie Hombrechtikon, die Möglichkeit, auf See- oder Grundwasser zurückzugreifen. «Deshalb ist uns wichtig, die Bevölkerung für den Wert des Trinkwassers zu sensibilisieren», ergänzt Gemeindepräsident Odermatt. Die Gemeinde hat darum am Freitag auch ein Flugblatt an die Haushaltungen verteilt, mit dem sie zum Wassersparen aufruft. «Die Lage ist für uns als Seegemeinde nicht dramatisch», sagt er. «Aber das Aufbereiten kostet viel Energie und bringt mit der Zeit auch das ökologische Gleichgewicht im See durcheinander», veranschaulicht er. Die Bewilligung des Kantons gilt noch so lange, wie die Trockenheit andauert. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 03.08.2018, 17:18 Uhr

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