Erlenbach

«Die menschlichen Themen sind unerschöpflich»

Bereits zum sechsten Mal hat Regisseurin Nathalie Portmann ein Stück für die Erlibacher Volksbühne selber geschrieben. Am Samstag ist die Premiere von «Choche isch mänschlich».

Nathalie Portmann inszeniert ihr neues Stück «Choche isch mänschlich» an der Erlibacher Volksbühne.

Nathalie Portmann inszeniert ihr neues Stück «Choche isch mänschlich» an der Erlibacher Volksbühne. Bild: André Springer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Irgendwann im Sommer tritt sie ein: die magische Erfahrung. Zumindest für Nathalie Portmann. Sie sitzt dann im Garten ihres Vaters und schreibt. Acht, neun Stunden, manchmal auch zehn. Und auf einmal «ergibt sich alles von selber». Die Worte, an denen sie arbeitet, bekommen Leben. Sie lassen komische Situationen entstehen, spiegeln in Dialogen menschliche Irrungen und Wirrungen, zeigen mit Humor auf wunde Punkte.

Dann ist der Moment, in dem Portmann ihr neustes Theaterstück für die Erlibacher Volksbühne vollbringt. Während einer Woche schreibt sie aus, was sie die Monate zuvor skizziert hat: an Handlungsverlauf, Entwicklung der Figuren, komödiantischem Genre.

Bild: André Springer

So macht es die heute 42-Jährige bereits seit 2015. Etwas länger führt sie Regie in dem als Verein organisierten Amateurtheater. Und so feiern die Laienschauspieler morgen im Erlibacherhof wieder mit einem eigenen Stück Premiere. «Choche isch mänschlich» heisst dieses und lässt in einen ungewöhnlich turbulenten Kochkurs blicken. Da platzen etwa ungebetene Gäste zu unpassenden Zeitpunkten in die Küche, sind die einen Teilnehmer schusslig und die anderen verkrampft – und die meisten haben ganz anderes im Sinn als zu kochen.

Auch Stolpern will gelernt sein

Mit der rasanten Slapstick-Komödie fordert Portmann die 21 Darsteller auf besondere Weise. Denn es brauche neben der üblichen Probenarbeit viele Übungen in präzisem Stolpern, Umwerfen von Dingen und anderen scheinbaren Ungeschicklichkeiten. «Die Gags sollten ja trotz der häufigen Wiederholungen natürlich wirken», erklärt Portmann. Zudem lebe diese Art von Komödie davon, dass jedes gesprochene Wort in schneller Folge das andere gebe. Doch das Stück verlangt nicht nur den Akteuren einiges ab. Diese bewegen sich noch dazu das erste Mal unter Portmanns Leitung im Genre der körperbezogenen Komik.

Bild: André Springer

Auch Portmann selber ist mit dem Schreiben der Stücke vor Herausforderungen gestellt – bevor diese in den magischen Moment finden. So versucht sie etwa auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten jedes Darstellers einzugehen. «Jeder, der mitspielen möchte, soll das tun können», sagt sie dazu. Und: «Jeder soll eine Rolle bekommen, in der er oder sie glänzen kann.» Das setzt voraus, die Spieler und ihrer aktuelle Lebenssituationen gut zu kennen oder sich bei Neuen langsam an ihr Potential heranzutasten.

Da ist aber auch der an sich gestellte Anspruch, allen Charakteren Tiefe zu geben. «Damit die Spieler ihre Figur kennen lernen, mache ich freiwillige Improvisationsübungen», erklärt Portmann. «Da führen wir etwa Gespräche, bei denen sich die Darsteller so beteiligen, als seien sie in ihrer Rolle», erläutert sie. Damit eröffne sich ihnen ihre Figur auf neue Weise, die Identifikation mit derselben und die Sicherheit im Spiel werde gestärkt. «Das sind intensive, spannende Prozesse.» Und doch sei die Herausforderung, sich nicht zu verzetteln und den Spannungsbogen des Ganzen nicht aus den Augen zu verlieren.

Inspiriert vom Vater

«Bei bestehenden Texten haben die Nebenfiguren oft nur zudienende Funktion», erklärt Portmann – darum schreibe sie die Stücke gern selber. Zudem fasziniere sie die Theaterarbeit in ihrer ganzen Breite – mit Technik, Bühnenbild und allem, was sonst noch dazu gehört. Die einzigen Auflagen vom Verein seien in Dialekt und Komödien zu schreiben.

An Ideen mangle es ihr nicht: «Die menschlichen Themen sind unerschöpflich.» Die gebürtige Erlenbacherin, die heute in Winterthur lebt, ist durch ihren Vater – einst Mitglied bei der Erlibacher Volksbühne – zum Theater gekommen. Später studierte sie Sozial- und Theaterpädagogik. Die beiden Bereiche verbindet sie nun in freiberuflichen Engagements.

Erstellt: 16.01.2020, 10:39 Uhr

Vorführungen

Premiere von «Choche isch mänschlich»: Morgen Samstag um 20 Uhr im Erlibacherhof. Weitere Vorstellungen bis Sonntag, 2. Februar. Tickets: Schmid+Co., Bahnhofstrasse 25, Telefon 079 283 56 91 (Dienstag bis Freitag, 10 bis 12 Uhr).

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben