Stäfa

Die allerletzte Vorstellung der Theatertruppe Il Soggetto

Mit ihrer Produktion «Hödlmoser» verabschiedet sich die seit 1984 bestehende Stäfner Theatertruppe Il Soggetto von der Bühne.

Für seine Produktion «Hödlmoser» schlüpfte Il-Soggetto-Mitgründer Buschi Luginbühl gleich in mehrere Rollen. Hier ist er als Poltiker und Wirt zu sehen. Matthias Britschgi (rechts) spielte den Bauern Hödlmoser, die Hauptfigur des gleichnamigen Stücks über Heimatliebe und Nationalstolz.

Für seine Produktion «Hödlmoser» schlüpfte Il-Soggetto-Mitgründer Buschi Luginbühl gleich in mehrere Rollen. Hier ist er als Poltiker und Wirt zu sehen. Matthias Britschgi (rechts) spielte den Bauern Hödlmoser, die Hauptfigur des gleichnamigen Stücks über Heimatliebe und Nationalstolz. Bild: Bernhard Fuchs

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Es ist kein Zufall, dass die Theatertruppe Il Soggetto ihre letzte Vorstellung auf der Bühne im Rössli-Saal gibt. «In diesem Saal haben wir vor 35 Jahren mit dem Stück ‹Versteckt› angefangen, hier haben wir unzählige Male geprobt, um dann mit den Produktionen auf Tournee zu gehen», wird Buschi Luginbühl nach der Aufführung von «Hödlmoser» bei einem Glas Rotwein zurückblicken. Nachdem seine Lebenspartnerin und Mitbegründerin Franziska Kohlund 2014 verstorben ist, habe er das Andenken an Il Soggetto nicht sang- und klanglos verblassen lassen, sondern sich mit einer letzten Produktion, die im Oktober im Theater Ticino in Wädenswil Premiere hatte, offiziell verabschieden wollen. Zumal Luginbühl Ende letzten Jahres seine Wohnung in Stäfa aufgegeben hat, um wieder nach Luzern zu ziehen, wo er herkommt.

Ungewöhnlich ist nur, dass der Auftritt im Rössli auf Einladung der Lesegesellschaft geschieht, da diese in der Regel ihre Theateranlässe im Gemeindesaal ansetzt. So sieht sich der Programmleiter Matthias Ziegler veranlasst, gleich zu Beginn des Abends dem rund 120-köpfigen Publikum zu erklären, dass das Team des Kulturkarussells ihnen ganz unkompliziert Gastrecht gewährt habe. «Die Intimität hier im Rössli ist der ideale Rahmen für Il Soggetto, die hier Geschichte schrieben und über Jahre hinweg zum Kulturgut von Stäfa gehören», meint Ziegler.

Schweizer Theaterfassung

Für diese letzte Produktion hat sich Buschi Luginbühl für den modernen Heimatroman des Österreicher Reinhard P. Gruber entschieden. «Aus dem Leben Hödelmosers», wie der 1973 erschienene Roman aus der Steiermark heisst, hat dort Kultstatus und wurde gar zur Pflichtlektüre in Schulen erklärt. Geht es doch um nichts Geringeres als um Heimatliebe und Nationalstolz.

Als Luginbühl, der das Stück schon seit Jahren mit sich herumgetragen hatte, anlässlich eines Abendessens mit dem Regisseur Till Löffler feststellte, dass dieser das Werk auch kannte und liebte, einigte man sich auf eine Theaterfassung fürs Schweizer Publikum. Im Zentrum stehen nun keine steirischen Bauern und ihre Probleme auf dem Land, sondern Innerschweizer aus Zuzwil.

Wildern ohne Jagdpatent

Der Dramaturg Luginbühl steht für einmal als Schauspieler auf der Bühne, gleich in mehreren Rollen. Für die weitere Besetzung hat er Luzerner Schauspieler gesucht. Matthias Britschgi aus Kriens mimt den Hödlmoser, und Selma Roth aus Malters schlüpft ebenfalls in verschiedene Rollen, sodass sie zu dritt das Stück füllen. Einzig der Sänger Simon Dietersdorfer ist Österreicher.

Am Rand des Geschehens sorgt er mit musikalischen Einlagen und schnulziger Folklore für Auflockerung. Das braucht es, denn das Stück schlittert mit jeder Szene in eine Katastrophe, obwohl es so witzig beginnt. Nämlich mit einem Exkurs über den Begriff Heimat und insbesondere die Innerschweiz, die für wahre Werte steht. Da steckt viel Ironie dahinter, weil schon alles ausserhalb Zuzwils zum Ausland gehört und deshalb verteidigt werden muss.

Wie das geht, lebt Hödlmoser vor. Bei näherem Hinsehen entpuppt der Bauer sich als eine tragische Figur: Er will viel, eckt aber an und kommentiert bei jeder Gelegenheit alles und alle mit «Schiisdräck» und «Huere Siech». Zudem hat er einen Hang zum Alkohol, ist ständig auf der Pirsch nach Weibern und geht wildern, ohne ein Jagdpatent zu haben. Nachdem er das Gritli im Wald geschwängert und geheiratet hat, führen die beiden mit ihrem kleinen Luzi ein nur dem Anschein nach beschauliches Leben. Bis der Bub mit dem Velo verunglückt.

Hödlmoser wird von Albträumen geplagt und will in die Politik, um wenigstens die Innerschweizer in der Hauptstadt zu vertreten. Wegen seiner verbalen und handgreiflichen Raufereien wird er aber nicht gewählt, sondern eingesperrt. Da lässt ihn auch der Dorfälteste fallen mit den Worten: «Politik ist eine Kunst der vielen kleinen Schritte.» Die Tragödie ist vollendet, als Hödlmoser bei seiner Heimkehr sein Gritli mit einem Liebhaber ertappt und beide abknallt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.03.2019, 08:59 Uhr

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