Zürichsee

Die ZSG will sich nicht mehr überwachen lassen

Bis vor wenigen Wochen konnte man bei der ZSG online beobachten, wo die Schiffe unterwegs sind. Nun hat die ZSG die Funktion abgeschaltet: Weil jemand die Daten zu sammeln begann.

Die ZSG möchte nicht mehr, dass der Schiffsverkehr auf dem Zürichsee beobachtet werden kann.

Die ZSG möchte nicht mehr, dass der Schiffsverkehr auf dem Zürichsee beobachtet werden kann. Bild: Urs Jaudas

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Welches Flugzeug donnert gerade über die Dächer? Wohin ist es unterwegs? Millionen von Menschen weltweit nutzen Online-Dienste, die den Flugverkehr auf einer Karte in Echtzeit darstellen. Bis vor kurzem war das auch mit Schiffen der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) möglich. Seit rund sechs Jahren war der Dienst, der die Position und Fahrtrichtung der Flotte anzeigte, online.

So sah das Online-System beim Start 2013 aus. Screenshot: Archiv

Nun ist das System abgestellt worden: «Wir haben festgestellt, dass es einem externen Dritten gelungen ist, interne Daten über die Anzeige der aktuellen Schiffspositionen auf unserer Website zu sammeln und die Fahrlinien unserer Schiffe zu reproduzieren und auszuwerten», sagt Roman Knecht, Direktor der ZSG.

Sensible Daten

Auch Bahn- und Busverbindungen werden in Fahrplan-Apps in Echtzeit dargestellt. Auch diese Daten können von Dritten ausgewertet werden, ja sie werden sogar von Transportunternehmen zur Verfügung gestellt. Warum soll das also bei der ZSG nicht möglich sein? Roman Knecht sagt: «Unsere «Schiffspositionen» hatten nicht denselben Charakter wie die «Echtzeitinformationen» im übrigen öffentlichen Verkehr.»

Es gehe eben nicht um Fahrplanabweichungen in Sekunden und Minuten, sondern um sensiblere Daten wie etwa die Geschwindigkeit. «Wir wollen nicht, dass Dritte unsere Daten sammeln und auswerten.» Dies geschehe auch zum Schutz der Mitarbeiter. Bei der Einführung des Systems 2013 wurde das System medial auch mit einer «inoffiziellen Blackbox» verglichen, weil die ZSG damals bekannt gab, dass man mit dem System ZSG-intern nachträglich auch Positionen kontrollieren könne. Eine Ersatzlösung für die Öffentlichkeit, Schiffe am Computer zu beobachten, sei nicht angedacht, sagt Knecht.

«Wir wollen nicht, dass Dritte unsere Daten sammeln und auswerten.»Roman Knecht, Direktor ZSG

Gerade die Geschwindigkeit ist bei der ZSG ist ein sensibles Thema. Mit dem neuen Fahrplan werden die Schiffe ab Ende Jahr nämlich langsamer unterwegs sein. Die Temporeduktion von zwei bis drei Stundenkilometern sollen zu einer Ersparnis von 30 bis 40 Prozent des Dieselvebrauches führen und so die Kosten senken.

Erstellt: 10.10.2019, 16:35 Uhr

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