Bildung

Die Sorgenkinder der Schulen sind die Lehrer

Die Zahl der Schulpflichtigen im Kanton steigt und steigt. Für die Gemeinden stellen sich zwei Herausforderungen: Mehr Schulraum bauen und zusätzliche Stellen besetzen.

Im Kanton und auch in der Region Zürichsee gibt es zu wenige Kindergartenlehrer.

Im Kanton und auch in der Region Zürichsee gibt es zu wenige Kindergartenlehrer. Bild: Archiv: Sabina Bobst

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Der Personalnotstand an den Schulen hat System. Neben den natürlichen Abgängen fordern wachsende Schülerzahlen, kleinere Klassen und immer wieder neue Anforderungen im Lehrplan die Schulverwaltungen heraus. Die Personalsuche wird zusehends in Konkurrenz zu anderen Gemeinden geführt.

Auch in den beiden Seebezirken Horgen und Meilen müssen bis Ende der Sommerferien bei rund 2500 Lehrkräften noch etwa drei Dutzend Stellen besetzt werden, wie eine Umfrage der ZSZ in den 20 Gemeinden zeigt.

Mehr Lücken am linken Ufer

Adliswil sucht zwei Schulische Heilpädagogen (SHP) und eine Fachperson Deutsch als Zweitsprache (DaZ). In Horgen fehlten anfangs dieser Woche noch eine Lehrperson Mittelstufe, zwei SHP, zwei Logopäden und drei DaZ – alle in Teilpensen zwischen 30 und 80 Prozent. Oberrieden benötigt noch eine Lehrperson auf der Sekundarstufe, Richterswil eine Sekundarlehrkraft und eine SHP. Thalwil meldet noch vier unbesetzte Stellen, Wädenswil eine für die integrative Förderung im Kindergarten.

Am rechten Seeufer benötigt Herrliberg noch eine Mittelstufen-Lehrperson. In Männedorf ist eine Stelle nicht besetzt, in Meilen «diverse einzelne Kleinpensen im Bereicht SHP». Oetwil braucht in der Primarschule je zwei Logopäden und SHP. Uetikon sucht eine Schulleitung für den Kindergarten. «Eine Kindergartenklasse wurde auf zwei andere verteilt, da keine Kindergartenlehrperson gefunden werden konnte», antwortet Lilian Walder, Leiterin der Uetiker Schulverwaltung. In der Praxis bedeutet dies, dass jede der beiden Vorschul-Klassen aus fast 30 Kindern bestehen. Die Amtschefin des Zürcher Schulamts sieht solche Massnahmen aber nur als Übergangslösung. Auch Zollikon ist mit einer Kindergartenstelle im Minus. Küsnacht musste eine fehlende Lehrerstelle durch Umverteilung von Kindern in ein anderes Schulhaus kompensieren.

«Es mangelt an Fachkräften in der schulischen Heilpädagogik und Logopädie.»Tamara Läubli (parteilos), Schulpräsidentin Oetwil

Keine Personalsorgen haben in diesem Sommer Erlenbach, Langnau, Kilchberg, Richterswil, Stäfa und Zumikon. Dies obschon fast alle auf nächstes Schuljahr eine bis zwei neue Klassen einführen. «Zur Zeit keine Wechsel, alle Stellen sind besetzt», heisst es aus Stäfa. Trotz einer zusätzlichen Klassenlehrperson für eine Halbklasse «spüren wir den Lehrermangel nicht akut», schreibt Cinzia Bonati aus der Schulverwaltung Zumikon.

Nicht genügend ausgebildet

Auch Hombrechtikon hat alle Stellen besetzt, wie Schulpräsident Rolf Huber (FDP) mitteilt: «Bei uns sieht es gut aus, die Schulleiter haben einen guten Job gemacht.» Dennoch wissen die meisten Schulgemeinden, was Personalnot bedeutet. Sie nennen auffallend oft SHP, DaZ, Logopädie und Psychomotorik auf fast allen Schulstufen, bei denen nicht über genügend heilpädagogisches Personal verfügt und die Rekrutierung als schwierig eingestuft wird.

Das bestätigt die Oetwiler Schulpräsidentin Tamara Läubli (parteilos): «Es mangelt an Fachkräften SHP und Logopädie.» Manchmal muss sich eine Schule aushelfen, wie zum Beispiel in Männedorf. «Knapp die Hälfte der eingesetzten Personen verfügt nicht über die erforderliche Ausbildung», sagt Beatrice Scherrer, Gesamtleiterin der Schule. Auch Küsnacht verfügt nicht über ausreichend heilpädagogiches Personal, wie Ruedi Kunz, Leiter Bildung der Schule Küsnacht mitteilt: «Zum Teil übernehmen Lehrpersonen ohne spezifische Ausbildung diese Funktion oder Klassenassistenzen unterstützen.»

In Zukunft noch knapper

Bei den Kindergärtnerinnen meldet nicht nur Uetikon Personalprobleme. Auch Küsnacht, Langnau, Männedorf, Meilen, Thalwil, Zollikon orten in dieser Berufsgattung einen Mangel. Der Adliswiler Ressortleiter Bildung, Marc Dahinden, sagt: «Auf KiGa-Stufe mussten Ausbildungsabgängerinnen angestellt werden, was grundsätzlich nicht negativ ist. Die Betreuung durch die Schulleitungen generiert hier aber einen Mehraufwand.»

Dahinden befürchtet, dass sich der Wettlauf um Lehrkräfte verschärft. Für das Schuljahr 2020/21 erwartet er eine noch grössere Nachfrage, da das Vollpensum für eine Lehrperson seitens Kanton aufgrund der Fünf-Wochen-Ferien-Regelung reduziert wird. «Dies generiert weitere Vollzeiteinheiten, die abgedeckt werden müssen.»

Erstellt: 12.07.2019, 16:19 Uhr

Verschleissjob Schulleiter

Auch Schulleiter sind zuweilen schwer zu finden, obschon ausser in Thalwil alle Stellen besetzt sind. «Die Rekrutierungszeit dauert immer länger», sagt Bildungsleiter Marc Dahinden aus Adliswil. Der Leiter der Langnauer Schulverwaltung, Marcel Strickler, teilt mit: «Alle Stellen sind besetzt, aber der Markt ist sehr trocken.» Sein Richterswiler Amtskollege Erwin Keller bezeichnet die letzte Stellenneubesetzung als «eher schwierig». Für die Zolliker Schulpräsidentin Corinne Hoss (FDP) sind Schulleiter mit Erfahrung selten. «Die Position scheint viel von ihrem Anfangsbonus verloren zu haben, die Ansprüche an eine Schulleiterin oder einen Schulleiter sind hoch, die Anspruchsgruppen wie Lehrpersonen, Eltern, Kinder, Behörden sehr verschieden.» Hoss beurteilt die Arbeitsbelastung als «riesig, viele Schulleitende sind nach wenigen Jahren ausgebrannt».

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