Verkehr

Die S20 rollt – aber oft verspätet und verkürzt

Wegen eines Rangierunfalls im Juli fährt die S20 derzeit teils mit weniger Wagen als geplant. Auch die Pünktlichkeit hat nachgelassen.

Die neue S20 fährt seit Juni – allerdings steht es mit der Pünktlichkeit nicht zum Besten.

Die neue S20 fährt seit Juni – allerdings steht es mit der Pünktlichkeit nicht zum Besten. Bild: Archiv Sabine Rock

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Seit der Einführung der S20 beklagen sich Anwohner beim Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen über den Lärm stehender Zugskompositionen, die auf dem neu gebauten Wendegleis stehen.

Aber auch mit der S20 selber, die zu den Spitzenzeiten am Morgen und Abend die S7 entlastet, sind viele Pendler noch nicht ganz glücklich. Der Meilemer Gemeindepräsident Christoph Hiller (FDP), der die SBB wegen der lärmenden «Schnarchzüge» anschrieb, hat die Bahn auch darauf aufmerksam gemacht.

Hiller begrüsst zwar die zusätzliche Linie ausdrücklich. Er sagt aber auch: «Sie bringt noch nicht das, was versprochen worden ist.» Die S20 verkehre nicht selten mit Verspätung, falle manchmal gar aus und werde mit verkürzten Kompositionen geführt. Für letzteres machen die SBB in ihrer Antwort fehlendes Rollmaterial geltend. In ihrem Schreiben an den Gemeindepräsidenten führen sie aber aus, dass der Engpass ab dem nächsten Jahre behoben sein soll.

Reichen die Sitzplätze?

Grund für den Engpass ist offenbar ein Rangierunfall, der sich im Juli in Zürich Herdern ereignet hat. Damals stiessen zwei leere S-Bahnen in der Unterhaltsanlage zusammen. Die beiden Lokführer wurden leicht verletzt, mehrere Wagen beschädigt.

Die SBB bestätigen auf Anfrage, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Unfall und der verkürzten S20 gibt. «Leider stehen uns wegen eines Betriebsunfalls im Juli und infolge Reparaturarbeiten an den dabei beschädigten Zugkompositionen aktuell weniger Fahrzeuge zur Verfügung», schreibt Mediensprecherin Ottavia Masserini. «Dies hat zur Folge, dass die S20 teilweise mit weniger Wagen fahren muss. Trotzdem stehen genügend Sitzplätze zur Verfügung.»

Die S20 fuhr am rechten Seeufer erstmals am Dienstagmorgen nach Pfingsten. Video: Martin Steinegger

Christoph Hiller hat allerdings auch in Bezug auf die Sitzplätze eine andere Wahrnehmung. «Das stimmt – leider – nachweislich nicht, wie ich als regelmässiger Pendler nach Zürich feststellen muss.» Die SBB wiederum widersprechen der Darstellung, dass die neue Linie nicht so zuverlässig ist wie gewünscht. «Die S20 ist aus unserer Sicht gut gestartet und eine Entlastung der S7», hält Sprecherin Masserini fest. «Die Betriebserfahrungen seit Juni sind gut, die Züge verkehren pünktlich oder mit geringer Verspätung.»

Eine Frage der Definition

Was also stimmt? Antworten liefern öffentlich zugängliche Daten zum Zugsverkehr. Sie sind im Internet einsehbar und werden unter anderem von der Website puenktlichkeit.ch aufbereitet. Diese greift täglich die tatsächlichen Ankunftszeiten aller Züge in der Schweiz ab und vergleicht sie mit dem Fahrplan. Auch die Bahnunternehmen selbst führen Statistiken zu Zugsausfällen.

Ein Blick auf die letzten drei Wochen zeigt, dass in diesem Zeitraum tatsächlich keine S20 ausgefallen ist. Hingegen kam es gemäss puenktlichkeit.ch mehrmals zu Verspätungen. Auf dem Streckenabschnitt zwischen Küsnacht und Stadelhofen verkehrten in den vergangenen drei Wochen nur an drei Tagen sämtliche vier Morgenkurse pünktlich. In der Regel fuhr jeweils die Hälfte der Züge mit mehr als drei Minuten Verspätung im Bahnhof Stadelhofen ein.

Seit der Einführung der S20 im Juni hat die Verspätung sogar leicht zugenommen. Sie betrug Ende September im Wochenschnitt etwas weniger als drei Minuten. Für die SBB allerdings gilt ein Zug gemäss ihrer Website als pünktlich, wenn er das Ziel mit weniger als drei Minuten Verspätung erreicht.

Seit Einführung der S20 hat die Verspätung leicht zugenommen (klicken für grössere Ansicht). Quelle: pünktlichkeit.ch

Erstellt: 03.10.2019, 15:05 Uhr

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