Medienwoche Rämibühl

«Die Gymiprüfung wird anspruchsvoll bleiben»

Niklaus Schatzmann, Chef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamtes, über die Schwierigkeit der Gymiprüfung, neue Kantonsschulen und wie wichtig Schlaf ist.

Niklaus Schatzmann im Gespräch mit Schülerinnen des RG-Rämibühl.

Niklaus Schatzmann im Gespräch mit Schülerinnen des RG-Rämibühl. Bild: Marion Nitsch

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Der Kanton baut Gymnasien in Wädenswil und Uetikon. Warum werden die neuen Gymis nicht in der Stadt Zürich gebaut, wenn doch Schüler den Weg in die grosse Stadt spannender und attraktiver finden?
Dass Schülerinnen und Schüler es spannend finden, in der Stadt zur Schule zu gehen, kann ich mir gut vorstellen. Grundsätzlich gilt die freie Schulwahl. Jeder kann selber entscheiden, wo er die Schule besuchen will. Weil die Bevölkerung im Kanton Zürich extrem stark wächst, braucht es auch neue Gymis. Wir bauen diese dort, wo die Schülerinnen und Schüler wohnen. Dass die Schüler in ihrer Region in die Schule gehen wollen, hat sich in Uetikon gezeigt: Das neue Gymnasium ist mit Anmeldungen überrannt worden. Wenn nicht mehr alle Schülerinnen und Schüler von den Seeufern in die Stadt pendeln müssen, entlastet das nicht zuletzt auch den öffentlichen Verkehr.

Welche Vorteile sehen sie noch, nebst den entlasteten Zügen?
Wir sind der Meinung, dass es vor allem für Untergymnasiasten, aber auch für alle anderen von grossem Vorteil wäre, wenn sie etwas länger schlafen könnten. Denn Schlaf ist in dieser Lebensphase unglaublich wichtig. Zurzeit gibt es Schülerinnen und Schüler aus abgelegenen Gemeinden, die um fünf Uhr aufstehen müssen, um rechtzeitig in die Schule zu kommen. Dort finden wir die Lösung von nahen Gymnasien von Vorteil.

Wie sieht es mit den schon bestehenden Gymnasien aus: Werden diese ebenfalls ausgebaut?
Mit den neu gebauten Schulhäusern und den bisherigen sind wir zuversichtlich, dass der Platz ausreichen wird und die heute bestehenden Gymnasien nicht ausgebaut werden müssen. Aber wir sind ständig am Rechnen, ob der Platz wirklich reicht. Die Schulhäuser Rämibühl und Zürich-Nord brauchen aber dringend eine Auffrischung. Beim Schulhaus Rämibühl redet man schon seit mehreren Jahren darüber, und es sieht nun so aus, als ob der Schulkomplex endlich eine Gesamtsanierung erhalten wird.

Die Lehrpersonen des Realgymnasiums Rämibühl hatten kürzlich eine Sitzung, an welcher der bevorstehende Umzug vom heute im gleichen Gebäude untergebrachten Literargymnasium Rämibühl an einen anderen Ort besprochen wurde. Wo wird es hinziehen?
Da bestehen viele Abhängigkeiten. Sobald das Polizei- und Justizzentrum eröffnet ist, können die Kantonale Mittelschule für Erwachsene (KME) und die EB-Berufsfachschule für Erwachsene in die dann von der Polizei geräumte Militärkaserne umziehen. So entsteht in Riesbach freie Schulfläche. Das Literargymnasium wird dauerhaft nach Riesbach umziehen. Das Realgymnasium Rämibühl und das Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium werden während der Sanierungszeit innerhalb des Rämibühl-Areals wandern.

Mehr Schüler bedeutet auch mehr Lehrer. Wie schwierig ist es, Lehrer für die zusätzlichen Stellen an den neuen Gymnasien zu finden?
Als Rektor bekommt man fast jeden Tag Bewerbungen, wie ich aus eigener Erfahrung weiss. Lehrerinnen und Lehrer lassen sich meist ohne Probleme finden. Mit anderen Worten: Es gibt keinen wirklichen Mangel an Lehrkräften. Wir müssen jedoch ein Auge auf die Fächer Mathematik, Physik, Chemie und neuerdings auch Französisch halten, da es dort langfristig knapp werden könnte. Vor allem jüngere Lehrer sind aber froh, mehrere Klassen zu unterrichten, damit sie auf ein entsprechendes Pensum kommen. Tatsächlich eine Herausforderung wird die Rekrutierung der Lehrpersonen für das neue Fach Informatik sein, das per 2023 im Kanton Zürich eingeführt wird.

Die Lehrer für die Kantonsschule Uetikon wurden für die Startphase von anderen Schulen ausgeliehen. Weshalb?
Die Anstellung von Lehrpersonen liegt in der Hoheit der einzelnen Schule. Der Kantonsschule Uetikon war es aber gemäss meinem Wissen wichtig, einen guten Mix von jungen und älteren Lehrern zu haben und so ein Gleichgewicht von Innovation, Kreativität und Erfahrung zu erreichen. So wurden meistens zwei Lehrer pro Fach angestellt, obwohl es aufgrund der Anzahl der Schüler noch nicht nötig gewesen wäre.

Was geschieht, wenn diese Aufbauphase vorbei ist?
Das Wachstum der neuen Schulen geschieht langsam, weshalb noch nicht so viele Lehrerinnen und Lehrer gebraucht werden. Die «ausgeliehenen» Lehrpersonen müssen sich jetzt entscheiden, wo sie in Zukunft unterrichten möchten. Sie dürfen jedoch auch weiterhin an beiden Schulen unterrichten. Ist das geklärt, wird die Kantonsschule Uetikon anfangen, selber auch Lehrer anzustellen.

Wird man die Schwierigkeit der Gymiprüfung anpassen, da es jetzt mehr Plätze an den Schulen gibt?
Nein, es gibt ja nur aufgrund der wachsenden Bevölkerung mehr Plätze. Die Gymiquote bleibt die gleiche. Die Universitäten sowie die ETH fordern ein bestimmtes Können, das wir mit den jetzigen Ansprüchen der Gymiprüfung und Matura erreichen. Wenn wir diese senken, müssten die Universitäten und die ETH wohl anfangen, über Eintrittsprüfungen nachzudenken, was nicht erwünscht ist. Die Gymiprüfung wird darum weiterhin anspruchsvoll bleiben, und es werden auch in Zukunft die Richtigen ins Gymi kommen.

In Uetikon sind viele Fächer obligatorisch, die andere Gymnasien nur als Freifächer oder gar nicht anbieten, wie Robotik und Informations- und Kommunikationswissenschaften. Ist es vorgesehen, dass andere Gymnasien diese Fächer irgendwann auch anbieten?
Eigentlich ist es so gedacht, dass die Entwicklung der Schulen in diese Richtung geht. Unser Ziel ist dabei auch eine gewisse Harmonisierung der Stundenpläne der Untergymnasien. Wir versuchen zum Beispiel mehr mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer in die Stundenpläne der Untergymnasiasten einzubringen, aber gleichzeitig die Sekundarschüler nicht zu benachteiligen. Bei der Mehrheit aller Gymnasien im Kanton werden nämlich die Schüler, welche aus der Sekundarschule ins Gymi übertreten, und jene des Untergymnasiums gemischt. Wir wollen mit Fächern wie «Robotik» Chancengerechtigkeit schaffen, weil diese zwar den sogenannten Mint-Bereich stärkt, aber später im Obergymi die Schülerinnen und Schüler aus der Sek nicht benachteiligt.

Die älteren Schulen haben viele ausserschulische Angebote, wie Theatergruppen und Solidaritätsvereine. Werden die neuen Schulen aktiv dabei unterstützt, diese aufzubauen?
Die Schülerinnen und Schüler haben ein gesetzlich verankertes Recht darauf, sich in einer Organisation zusammenzuschliessen. Solche Organisationen und ausserschulischen Anlässe sind wichtig. Sie sind Teil des Schullebens und entstehen meistens selber. Ein aktives Eingreifen durch das Mittelschul- und Berufsbildungsamt ist da nicht nötig. Vielmehr ist uns wichtig, dass die Schulen alles, was sie selber entscheiden können, auch wirklich selber entscheiden. Die Schulen sollen ihre Freiheiten wahrnehmen. Im neuen Gymnasium in Uetikon klappt das – wie an allen anderen zwanzig Gymnasien im Kanton – sehr gut.

Erstellt: 28.02.2019, 21:20 Uhr

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