Herrliberg

Die Geschichte des Propheten Elias besungen

Der Singkreis führt mit «Elias» ein jüdisches Oratorium nach Worten des Alten Testaments auf – es zählt zu den bekanntesten Werken des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy.

Der Singkreis Herrliberg unter der Leitung von Dieter Hool hat sich in diesem Jahr dem jüdischen Oratorium «Elias» angenommen.

Der Singkreis Herrliberg unter der Leitung von Dieter Hool hat sich in diesem Jahr dem jüdischen Oratorium «Elias» angenommen. Bild: Maria Zachariadis

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Im Gegensatz zu einer Messe, die in ihrer Aufteilung stets dem gleichen Schema folgt, erzählt das Oratorium «Elias» eine Geschichte. Einer der bedeutendsten Musiker der Romantik, Felix Mendelssohn Bartholdy, hat die Lebensgeschichte des biblischen Propheten musikalisch vertont und 1846, ein Jahr vor seinem Tod, zur Uraufführung gebracht. Wobei ihn der Stoff schon zehn Jahre beschäftigt haben soll, er sich aber erst ans Komponieren machte, als er 1845 vom Manager des Birmingham Music Festival den Auftrag für ein Oratorium erhalten hatte. Es war die Zeit, als Singvereine an Bedeutung gewannen und nicht selten Hundert und mehr Sänger umfassten. Mendelssohn hat es geliebt, für eben solche «recht dicke, starke und volle Chöre» zu komponieren.

Der seit 1987 bestehende Singkreis Herrliberg ist stimmlich nicht ganz so gross, zählt aber mit über 70 Sängerinnen und Sänger immerhin zu den grössten Chören in der Region. Mit dieser Stimmkraft ausgestattet hat er sich für sein diesjähriges Jahreskonzert dem «Elias» angenommen. Chorleiter Dieter Hool, der den Herrliberger Chor seit zwölf Jahren dirigiert, begründet die Wahl des Oratoriums: «Es handelt sich um ein Chorwerk, das sowohl beim Publikum als auch beim Chor beliebt ist.»

Nicht die im Original über zwei Stunden dauernde Fassung wird am Wochenende in der Kirche Tal aufgeführt, sondern eine auf 90 Minuten gekürzte Version - was dem Chor zugute kommt. Denn dieser, wie Hool beifügt, steht im Dauereinsatz, weil Mendelssohn den «Elias» für einen dieser aufstrebenden Chorgemeinschaften des 19. Jahrhunderts geschrieben hat, um deren Stimmkraft gerecht zu werden.

Düstere Prophezeiung

Wie der Chorleiter anlässlich einer Probe in der reformierten Kirche Tal in der Pause anführt, macht gerade die Mischung des spröden, nicht selten brutalen Textes mit dem Wohlklang der romantischen Musik das Besondere dieser alttestamentarischen Geschichte aus. Sie führt 2800 Jahre in die Zeit zurück, als im Nordreich Israel, wie es in der Bibel heisst, einem Polytheismus gehuldigt wurde. Elias, ein Revoluzzer, lehnt sich gegen diesen Kult auf und möchte sein Volk zur Monolatrie, der Verehrung eines einzigen Gottes, hinführen.

Gleich im ersten Teil des Oratoriums prophezeit er seinem Volk eine düstere Zukunft, wenn es sich nicht von der Vielgötterei abwende. Da geht sowohl vom Gesang als auch von der Musik eine Dramatik aus, die die Verzweiflung von Elias unterstreicht. Der zweite Teil offenbart die bittere Niederlage des Propheten gegen den damals herrschenden König Ahab: Elias resigniert lebensüberdrüssig. In einem letzten Lied «Er fuhr im Wetter gen Himmel» entschwebt er in himmlische Höhen.

Der Singkreis wird auch in diesem Konzert von Solisten und dem 30-köpfigen Orchester der Camerata Cantabile begleitet. Um die stimmliche Präsenz und eine klare Aussprache zu erreichen, wird Dieter Hool nicht müde, seinen Singkreis immer wieder einzelne Passage wiederholen zu lassen, bis er bei Ton und Text die vollkommene Sicherheit heraushört. Er mahnt die Chormitglieder, die Köpfe nicht ins Notenheft zu senken. Vielmehr empfiehlt er ihnen, am besten gar auswendig und mit erhobenem Haupt zu singen, den Brustkorb zu öffnen, stets mit Blick auf den Dirigenten, um dessen Wink für die Einsätze nicht zu verpassen.

So wird auch die Singzeile «Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name», so lange repetiert, bis sie sitzt. Es ist ein herrlicher Gesang, in dem eine gewisse Feierlichkeit mitschwingt. Der Klang der vier Stimmen, die einzeln ertönen und sich alsbald im Ganzen vereinen, erfüllt den Raum und erreicht ein Volumen, mit dem sich der Chorleiter zufrieden geben kann.

Konzerte: Samstag, 16. März, 19 Uhr und Sonntag, 17. März , 17 Uhr, ref. Kirche Tal in Herrliberg. Dienstag, 19. März (20 Uhr), ref. Kirche Paulus, Milchbuckstr. 57, Zürich. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.03.2019, 15:47 Uhr

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