Kantonsrat

Der Kampf um die rechtsufrigen Parlamentssitze wird härter

Der Bezirk Meilen verliert einen seiner 13 Sitze im Zürcher Kantonsrat. Das verschärft den Wahlkampf für die Kantonsratswahlen im nächsten April. Vor allem die kleinen Parteien müssen um ihren Sitz zittern.

Die neuesten Zahlen in der Zürcher Wohnbevölkerung kosten den Bezirk Meilen ein Mandat im Kantonsrat. Nächstes Jahr werden daher nur noch zwölf der 180 Sitze im Parlament für das  rechte Zürichseeufer reserviert.

Die neuesten Zahlen in der Zürcher Wohnbevölkerung kosten den Bezirk Meilen ein Mandat im Kantonsrat. Nächstes Jahr werden daher nur noch zwölf der 180 Sitze im Parlament für das rechte Zürichseeufer reserviert. Bild: Symbolbild/Keystone

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Das Statistische Amt des Kantons Zürich giesst Öl ins Wahlfeuer. Am Freitag gab es bekannt, dass dem Wahlkreis X – Bezirk Meilen – nur noch zwölf Sitze im Kantonsparlament zugesprochen werden. Der Sitzverlust begründet sich aus der Verteilung der Wohnbevölkerung. Die hat am rechten Zürichseeufer Ende 2017 102'942 Personen gezählt. Das sind zwar mehr Menschen als vor vier Jahren, allerdings ist die Gesamtbevölkerung im Kanton stärker angewachsen. Da aber weiterhin nur 180 Parlamentssitze zu vergeben sind, kommt es zu Sitzverschiebungen zwischen den 18 Wahlkreisen.

Neben dem Bezirk Meilen verliert auch Hinwil einen Sitz. Gewinner sind der Bezirk Bülach und der Wahlkreis I (Zürcher Stadtkreise 1 und 2), die je ein Mandat mehr erhalten. Unverändert bleiben alle übrigen Wahlkreise, also auch der Bezirk Horgen, in dem weiterhin 15 Sitze vergeben werden.

Spezielle Situation bei SVP mit zwei Zuwanderern

Die Bezirksparteien reagieren gelassen auf die Neuigkeit. «Das ändert nichts an unserem Wahlkampf», sagte Christian Hurter, Kantonsrat aus Uetikon und Präsident der SVP Bezirk Meilen. «Unsere vier Sitze sind gut abgesichert.» Speziell ist, dass die rechtsufrige SVP im Lauf der Legislatur zwei Kantonsräte dazugewonnen hat. Sowohl Nina Fehr Düsel als auch Bruno Amacker übersiedelten von anderen Wahlkreisen nach Küsnacht.

Ob beide im April 2019 wieder kandidieren, und zwar diesmal für ihre neue Wahlheimat, ist ungewiss. «Wenn sie bei uns antreten wollen, ist es naheliegend, dass sie auf unsere Liste genommen werden», erklärt Hurter.

FDP und SP zuversichtlich, Zitterpartie für CVP

Für den Üriker FDP-Kantonsrat Peter Vollenweider erhöht sich die Brisanz im politischen Wettstreit. «Wenn ein Sitz weniger zu verteilen ist, wird der Wahlkampf belebt.» Die FDP besitzt seiner Meinung nach eine gute Ausgangslage, ihre vier Mandate zu halten. Die Partei überzeugte landesweit bei allen Wahlen und habe sich gut fürs nächste Wahljahr positioniert. «Ich mache mirkeine Sorgen», sagt der Vizefraktionschef der FDP im Zürcher Kantonsrat.

Ebenfalls auf den positiven Trend der letzten Jahre zählt SP-Bezirksparteipräsident Rafael Mörgeli. «Unser Ziel ist es, wieder beide Sitze zu gewinnen.» Allerdings erschwere der Sitzverlust des Bezirks weitere Avancen der SP. «Wir schielen eigentlich schon auf einen dritten Sitz», sagt der Stäfner. «Das wird jetzt sicher schwieriger.»

Die CVP hält ein zuletzt mit Zittern verteidigtes Mandat. Bezirksparteipräsidentin Marzena Kopp-Podlewski ist von der neuen Sitzverteilung im Kanton überrascht. «Da kommt eine zusätzliche Herausforderung auf uns zu, wir werden die Ärmel hochkrempeln.» Sie sei dennoch zuversichtlich, dass sich die CVP mit Inhalten und «mit dem Menschen im Mittelpunkt statt materieller Werte» im Wahlkampf behaupten werde.

Engagierter Wahlkampf der Grünen, Vollgas für GLP

Thomas Forrer, Kantonsrat und Präsident der Grünen Bezirk Meilen ist zuversichtlich, das Mandat halten zu können. «Ein Sitz weniger zu vergeben, bedeutet für alle Parteien eine Herausforderung», sagt der Erlenbacher. «Das wird zu einem engagierten Wahlkampf führen.»

Ebenso pragmatisch äussert sich der grünliberale Kantonsrat Thomas Wirth (Hombrechtikon): «Für uns heisst das nicht viel, weil wir ohnehin im Wahlkampf Vollgas geben müssen.» Ziel der GLP sei eine zweistellige Prozentzahl im Stimmenanteil.

Schon einmal 12 statt 13 Sitze im Bezirk Meilen

Für den Bezirk Meilen ist ein Sitzverlust nichts Neues. Schon 1995 büsste er das 13. Mandat ein. Damals war die FDP leidtragende Partei, die den fünften Sitz verlor. 1999 bekam die Goldküste den13. Sitz zurück. Politisch war aber keineswegs alles wieder beim Alten. Die SVP überholte damals mit fünf Sitzen die FDP, die ihre vier Mandate halten konnte. Dafür verschwand die einzige Bezirksvertretung der Grünen aus dem Kantonsrat.

Seither hat sich das Stärkeverhältnis am rechten Ufer mehr oder weniger konsolidiert. Derzeit halten SVP und FDP je vier Sitze, die SP hat zwei, CVP, Grüne und GLP gewannen 2015 je ein Mandat. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.05.2018, 16:42 Uhr

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