Herrliberg

Der Fokus des neuen Nutzungsplans liegt auf dem Dorfzentrum

Der Herrliberger Gemeinderat hat an einer Informationsveranstaltung die revidierte Bau- und Zonenordnung vorgestellt. Die geplante Einführung von Sonderbauvorschriften sorgte für kritische Fragen.

Die Fläche auf der linken Strassenseite wäre neu der Zentrumszone zugeordnet. Rechts von der Forchstrasse schliesst die Kernzone Dorf an.

Die Fläche auf der linken Strassenseite wäre neu der Zentrumszone zugeordnet. Rechts von der Forchstrasse schliesst die Kernzone Dorf an. Bild: Manuela Matt

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Qualitativ hochwertig wachsen und das Zentrumsgebiet weiterentwickeln: Diese beiden Grundsätze werden in Herrliberg noch zu reden geben. Die Fragen, die am Mittwochabend anlässlich des Informationsanlasses zur Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) schliesslich bewegten, waren: Was ist gute Architektur? Wer entscheidet, was gut ist? Und: Warum noch weiter verdichten?

Hochbauvorsteher Hansjürg Zollinger (Gemeindeverein) stellte vor gut 60 Anwesenden im Zehntensaal klar, dass sich mit der Revision für die meisten Herrliberger nichts ändere. «Im Fokus stehen die Kernzonen, Gebiete mit schützenswerten Ensembles.» Gleich neun solche Gebiete zählt die Gemeinde – ein Relikt aus der Vergangenheit, als Herrliberg noch von Weilern geprägt war. Fünf dieser Kernzonen liegen auch heute noch ausserhalb des eigentlichen Siedlungsraums.

Michael Camenzind vom beigezogenen Planungsbüro Suter von Känel Wild aus Zürich betonte die Grundhaltung der Revision: «Der Charme der kleinräumigen Kernzonen soll erhalten bleiben.» Was nun vorgelegt werde, sei eine Flexibilisierung der Bestimmungen ohne eine grundsätzliche Infragestellung. Das bedeutet: wichtige Elemente des traditionellen Ortsbildes erhalten und zugleich zeitgemässe Lösungen ermöglichen.

Neue Zentrumszone mit sechs Prinzipien

Einer der konkreten Änderungsvorschläge sei etwa, nur noch eine Kategorie Volumenschutz zu führen statt wie bisher zwei. Wichtig sei zudem die Fassadenstellung. So sollen ortsbildrelevante Gebäudestellungen bei Neubauten übernommen und die Umgebung als integraler Bestandteil betrachtet werden. Einzig in den Kernzonen Grüt und Rain sind zwei kleine Anpassungen im Zonenplan vorgesehen.

«Das Gebiet entlang der Forchstrasse muss als zusammenhängender Raum betrachtet werden.»Michael Camenzind, Planungsbüro Suter von Känel Wild

Ein besonderes Augenmerk der Revision gilt der Forchstrasse. Sie soll – auf dem im Dezember 2017 verabschiedeten Richtplan basierend – künftig integrieren statt zerschneiden. «Das Gebiet entlang der Forchstrasse muss als zusammenhängender Raum betrachtet werden», führte Camenzind aus. Um dies zu erreichen, sieht die neue BZO eine Zentrumszone vor. Die Grundmasse werden bei der Umzonung beibehalten.

Für die Zone sind sechs Prinzipien definiert: gestaffelte Abstände der Fassaden zum Strassenraum, der Eingang zur Forchstrasse hin, der Verzicht auf hohe Mauern und die Begrünung der Umgebung. Zudem soll mindestens ein Drittel der Fläche zur Strasse begrünt werden und das Gewerbe im Erdgeschoss erleichtert werden. Erreichen will die Gemeinde diese Prinzipien, indem sie die Begrünung bei Neubauplänen zur Pflicht erklärt oder bei der gewerblichen Nutzung des Erdgeschosses die zulässige Gebäudehöhe um 0,7 Meter erhöht.

Verdichten mit Sonderbauvorschriften

Die BZO-Revision sieht trotz Bekenntnis zu einer moderaten Verdichtung keine Aufzonungen vor. Wie soll das gehen? Der Gemeinderat schlägt vor, die um drei Flächen erweiterte Zentrumszone mit einer Sonderbauvorschrift zu versehen. Dieses Instrument bedeute für den Eigentümer eine hohe Flexibilität, sagte Camenzind und betonte, dass es freiwillig sei und damit nur eine leichte Verdichtung erreicht werde. Das Grundmass für die Baumassenziffer wird beibehalten. Wer ein Bauprojekt von hoher Qualität vorlegt, das sich also gut einordnet, aufenthaltsfreundliche Freiflächen vorsieht und Parkplätze unterirdisch anlegt, kann im obersten Geschoss 20 Prozent zusätzliche Baumasse gewinnen. Ein Anreiz, der aber nicht kumulierbar ist mit dem Bonus für energiesparende Bauteile.

Die Pläne provozierten im Publikum kritische Fragen. Etwa, ob mit dem Kumulierverbot nicht das energiesparende Bauen hintertrieben werde. Oder ob Herrliberg mit der Revision vom Dorf zur Stadt werde. Beides wurde verneint. Ein Redner warnte vor den Sonderbauvorschriften und fragte rhetorisch: «Wer bestimmt denn, was gute Architektur ist?» Für Hochbauvorsteher Zollinger ein Grund, darauf hinzuweisen, dass ein Engagement in der dafür zuständigen Baukommission allen offensteht. Ohne abschliessende Antwort blieb die Frage, was qualitativ hochwertige Architektur ist.

Das Mitwirkungsverfahren startet heute und dauert bis am 17. Juli. Die Akten sind auf der Website www.herrliberg.ch einsehbar. Anregungen und Einwendungen können schriftlich eingereicht werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.05.2019, 10:01 Uhr

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