Stäfa

Das Saffa-Haus feiert runden Geburtstag in Stäfa

Eine Dekade steht das von Lux Guyer erbaute Saffa-Haus bereits in Stäfa. An der Feier zum 10-Jährigen wurde die dramatische Geschichte von dessen Rettung rekapituliert.

Das Saffa-Haus wurde 2006 in Einzelteilen nach Stäfa gebracht und an der Tödistrasse wiederaufgebaut.

Das Saffa-Haus wurde 2006 in Einzelteilen nach Stäfa gebracht und an der Tödistrasse wiederaufgebaut. Bild: Michael Trost

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Dass Häuser umziehen, ist eher ungewöhnlich – zumindest in der Schweiz. Ein Haus, das gleich zweimal gezügelt wurde, ist das Saffa-Haus in Stäfa. Nun kann das Gebäude, in dem das Eltern-Kind-Zentrum untergebracht ist, bereits eine zehnjährige Existenz in Stäfa vorweisen. Grund genug für die Gemeinde Stäfa, den runden Geburtstag am Sonntag zu feiern. Erstellt wurde das Haus einst für die schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (Saffa) im Jahr 1928 von Lux Guyer (1894–1955). Guyer, selbst berufstätige Mutter, war die erste selbstständige Architektin der Schweiz. Dass das Haus mit den altrosa Schindeln seine wohl endgültige Destination in Stäfa gefunden hat, scheint ein Glücksfall sowohl für die Gemeinde Stäfa als auch für die Nachfahren der Architektin zu sein – nicht nur Guyers Nichte Beate Schnitter, auch ihr Sohn Urs Studer war beim Fest dabei.

Fast abgebrochen

«Ich darf dieses Haus jede Woche geniessen», begrüsste Regula Brunner, Betriebsleiterin des Eltern-Kind-Zentrums, die Gäste. Auch für Andreas Utz (GLP), stellvertrtetender Stäfner Gemeindepräsident und Hochbauvorsteher, hat sich das Saffa-Haus bewährt: «Ein echter Schatz hat den Weg nach Stäfa gefunden.» Dass der Umzug nach Stäfa überhaupt möglich geworden ist, hat das Saffa-Haus zwar vielen Menschen zu verdanken, initiiert haben seine Rettung jedoch der ­aarauische Stadtbaumeister Felix Fuchs und Beate Schnitter.

Fast 80 Jahre stand das Saffa-Haus nach der Berner Ausstellung in Aarau ­– zuletzt völlig isoliert in einem Industriegebiet. Der Abbruch des Gebäudes schien unumgänglich zu sein. Bevor es so weit kam, zog Felix Fuchs, der selbst in Küsnacht aufgewachsen ist, die Notbremse, indem er die Guyer-Nichte Beate Schnitter kontaktierte. In der Folge wurde der Verein Pro Saffa-Haus gegründet. «Ihrer Standhaftigkeit ist es zu verdanken, dass das Saffa-Haus ein drittes Leben erhalten hat», lobte Rita Schiess, Präsidentin des aufgelösten Vereins, das Engagement von Schnitter und Fuchs.

Sie erinnerte in ihrer Rede an die Geldsuche, um das Saffa-Haus zu retten. So liess etwa ein anonymer Spender dem Verein 100 000 Franken zukommen. Sie wisse bis heute nicht, um wen es sich gehandelt habe, sagte Schiess. Der Kanton Zürich wiederum erklärte das Saffa-Haus zum kantonalen Schutzobjekt, obwohl es sich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht in Zürich befand. Vielmehr war das Haus in Einzelteile zerlegt in einer Aarauer Lagerhalle untergebracht.

Stäfa gegen Küsnacht

Um einen neuen Standort für das Saffa-Haus zu finden, schrieb der Verein alle Gemeinden des Bezirks Meilen an. Dies, weil Guyer in Küsnacht gewohnt und in Zürich gearbeitet hatte, also in der Region verwurzelt war. Obwohl auch Guyers Heimatort sich um das Saffa-Haus bemühte, machte schliesslich Stäfa das Rennen. Dort an der Tödistrasse 1 wurde das Haus 2006 unter der Leitung von Beate Schnitter, die selbst Architektin ist, wieder aufgebaut.

«Es war Glück, dass die Gemeinde Stäfa mit dem Eltern-Kind-Zentrum den idealen Nutzer anbieten konnte», erklärte Schiess, weshalb schliesslich Stäfa den Zuschlag bekommen hatte. Dass Kinder das Saffa-Haus beleben sollen, war für Lux Guyer von Beginn weg klar. Allerdings hatte sie den Bau als Prototypen für ein Einfamilienhaus entworfen. Die Kinder sollten im Parterre in einem kombinierten Schlaf- und Spielraum, der aus drei Teilen ­besteht, unterkommen.

In Führungen legten die Architektinnen Beate Schnitter, Rita Schiess und Elisabeth Lubicz am Sonntag die Gedanken hinter der Realisierung des Hauses dar. «Sie hat es gerade anders gemacht als eigentlich üblich: Die Wand hat sie nicht gestrichen, aber dafür den Boden», erläuterte Schnitter etwa das Kinderzimmer. Schnitter lebt selbst in einem Lux-Guyer-Haus: dem Sunnebüel in Küsnacht-Itschnach, in dem auch ihre Tante einst gewohnt hatte. Das Innenleben des Saffa-Hauses weist viele für Lux-Guyer-­Bau­­ten charakteristische Eigenschaften auf, etwa die Farbgebung und ­das Spiel mit dem Licht. «Die Ar­­beit mit Reflexlicht ist eines ihrer Hauptmerkmale», erklärteBeate Schnit­­ter. Dies sei eine architektonische und räumliche Möglichkeit zur Gestaltung. Ein Beispiel dafür ist das frühere Elternschlafzimmer, in welchem die Decke in einem helleren Grün gestrichen ist als die Wände.

Unikat statt Prototyp

Nicht alles am Saffa-Haus ist noch originalgetreu. So mussten etwa die äusseren Eternitschindeln und auch manche Regale basierend auf den Originalplänen nachgebildet werden. Doch einige Elemente stammen noch aus den 20er-Jahren: beispielsweise die Klinkerplatten im Eingangsbereich und manche Lampen. Spannend sind im Saffa-Haus nicht nur die Farben und der Lichteinfall, sondern auch die Formen. «Es gibt unglaublich viele verschiedene Verbindungen und Kombinationsmöglichkeiten», beschreibt Schnitter, wie Kinder im Bau ihren Bewegungsdrang ausleben können. «Wenn Sie an heutige Wohnungen denken, ist es sehr vielfältig.»

Eine Vielfalt, die Stäfner Kinder und ihre Eltern jeden Tag erfahren können. Und wenn Andreas Utz das Konzept der Architektur als weitblickend bezeichnet, mag er tatsächlich recht haben. Vielleicht ist aus dem Saffa-Haus kein Prototyp für Einfamilienhäuser geworden. Dafür ist es heute ein Unikat für das Stäfner Eltern-Kind-Zentrum.

Erstellt: 21.06.2016, 11:42 Uhr

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