Küsnacht

Das Ortsmuseum präsentiert die Silhouette im Wandel der Zeit

Die neue Sonderausstellung im Ortsmuseum Küsnacht nimmt die Besucher mit auf eine Modereise der letzten 150 Jahre. Neben Festtagskleidern steht alles, was den Körper der Mode entsprechend formt, im Zentrum.

Körperkult ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Das zeigt die Ausstellung im Küsnachter Ortsmuseum, die Kuratorin Elisabeth Abgottspon präsentiert.

Körperkult ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Das zeigt die Ausstellung im Küsnachter Ortsmuseum, die Kuratorin Elisabeth Abgottspon präsentiert. Bild: David Baer

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Die Fitnesscenter sind voll. Jede Woche scheint ein neuer Ernährungs- oder Sporttrend aus dem Boden zu schiessen. Viele Leute scheinen keine grösseren Probleme zu haben, als die Form des Bauches oder den Muskelanteil der Oberarme. Früher war das anders, könnte man denken. Da gab es noch richtige Probleme.

Wer jedoch die neue Ausstellung im Ortsmuseum in Küsnacht «drüber und drunter – Wie Mode Körper formt» besucht, der beginnt sich zu fragen, ob der Körperkult wirklich ein so neues Phänomen ist. Die Sonderausstellung, die am 29. Juni mit einer Vernissage eröffnet, zeigt festliche Damenkleider sowie die dazugehörige Unterwäsche der letzten 150 Jahre. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Mode und dem dazugehörigen Thema Silhouette. Über die Jahre hat das Ortsmuseum Küsnacht eine Sammlung von mehr als 1000 Kleidern angelegt. Einige davon werden in der neuen Ausstellung präsentiert.

Pokissen um die Hüfte

Insgesamt 23 Puppen tragen festliche Kleider aus den Jahren 1860 bis 2010. Vom karierten Kleid mit üppigem Reifenrock darunter bis zum leuchtend pinken Blazer der ehemaligen Regierungsrätin Ursula Gut-Winterberger, reicht die Palette, die im Untergeschoss des Ortsmuseums ausgestellt ist.

«Frauenmode bietet sich an, um die gesellschaftliche Entwicklung, die sich in der Mode wiederspiegelt, darzustellen.»Elisabeth Abgottspon, Kuratorin

Rundherum, von Vorhängen umschleiert, findet der Besucher alles, was den Körper unter diesen festlichen Kleidern formte. Da gibt es zum Beispiel Pokissen. Nur die Schleife lässt den Laien erahnen, dass es sich hierbei nicht um ein normales Kissen handelt. Ende des 19. Jahrhunderts schnürten sich Frauen das Pokissen um die Hüfte. Ein opulentes Hinterteil war damals Mode. Heute wird mit der sogenannten Shapewear, einer Unterwäsche die das Körperfett zusammenpresst, neben Bauch und Beinen auch der Po geformt.

Hinter einem anderen Vorhang finden sich statt Unterwäsche ein Fitnessband und eine Früchteschale. «Heute formen wir unseren Körper nicht nur mit Unterteilen, sondern auch durch Sport und Ernährung», sagt Elisabeth Abgottspon, Kuratorin des Ortsmuseums Küsnacht.

Homogene Männermode

Im Raum sind drei Hörstationen, an denen unter anderem ein Psychoanalytiker und eine Modeexpertin Stellung zum Thema Mode und Silhouette nehmen. Neben den Schildern zum historischen Hintergrund der Mode, stapeln sich in einer Ecke diverse Bücher zum Thema. Modezeichnungen und T-Shirts mit aufgedruckten Meinungen verschiedener Experten, runden die Ausstellung ab.

Auffällig ist, dass eigentlich nur Frauenmode thematisiert wird. «Dass fast nur Frauenkleidung gezeigt wird, hat einen historischen und gesellschaftlichen Hintergrund», erklärt Elisabeth Abgottspon. Um 1800 entwickelte sich das Bürgertum. Das Strenge, Nüchterne und Sachliche, das den bürgerlichen Mann kennzeichnete, trug, laut Abgottspon, dazu bei, dass die Männermode homogener wurde. «Der Anzug beispielsweise hat sich in den letzten 100 Jahren nicht sehr stark verändert», sagt die Kuratorin. Vor 1800 trugen auch Männer abwechslungsreichere Kleidung. Der französische König Ludwig XIV, der von 1643 bis 1715 regierte, auch bekannt als Sonnenkönig, beispielsweise, trug knielange Hosen und ein farbenfrohes Gewand.

«Die Frauenmode bietet sich an, um die gesellschaftliche Entwicklung, die sich in der Mode wiederspiegelt, darzustellen», meint Abgottspon. Ob dies in Zukunft auch noch so sein wird, ist eine der Fragen, mit denen der Besucher nach Hause geht.

Die Vernissage findet heute, 29. Juni um 19.30 Uhr, statt. Die Ausstellung dauert bis am 20. Mai 2018. Ortsmuseum Küsnacht, Tobelweg 1.

Erstellt: 28.06.2017, 15:23 Uhr

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