Zollikon

Coworken statt Zuhause arbeiten

In Gesellschaft die eigene Arbeit erledigen statt alleine in den eigenen vier Wänden: Dies ist das Konzept von «Coworking». In Zollikon eröffnet Kaja Clauss Hensler am Montag ein solches Gemeinschaftsbüro.

Kaja Clauss (links) eröffnet in Zollikon einen Coworking Space mit Kinderhüte. Für diese ist Isabelle Nievergelt (rechts) zuständig.

Kaja Clauss (links) eröffnet in Zollikon einen Coworking Space mit Kinderhüte. Für diese ist Isabelle Nievergelt (rechts) zuständig. Bild: Sabine Rock

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Die Küsnachter Juristin ahnt wohl kaum die Folgen ihrer Zeitungslektüre. Damals, an jenem Februartag 2018. Dann aber bleibt Kaja Clauss Hensler am Bericht über zwei Frauen hängen. Die beiden, steht geschrieben, hätten in Berlin ein «Coworking-Space mit Kinderbetreuung» eröffnet: ein Gemeinschaftsbüro, in dem Leute unterschiedlichster Berufe zusammen kommen würden, mit oder ohne Kinder, – um dort ihren je eigenen Arbeiten nachzugehen. Aber auch, um untereinander Gedanken und Ideen auszutauschen. Um sich bei den anderen zu inspirieren. Oder nur, um sich gegenseitig vor der Einsamkeit zu bewahren.

«Eine gute Idee», denkt sich Clauss. Sie reisst den Artikel aus der Zeitung und bewahrt ihn auf. Um nun, etwas mehr als ein Jahr später, ihr eigenes Gemeinschaftsbüro zu eröffnen. Dies mit «CWC Coworking Zürichsee» im Zolliker Dorfzentrum.

Zwangloses Ambiente

«Nur noch die letzten Stühle fehlen», sagt die 48-Jährige, als wir sie anfangs Woche in den Räumlichkeiten an der Rietstrasse treffen. Die betreffende Möbelfirma sei überraschend insolvent geworden. Nun habe sie, Clauss, auf die Schnelle passenden Ersatz suchen müssen. Und das will etwas heissen, denn die 185 Quadratmeter sind in Farb- und Gestaltungskonzept aus «einem Guss»: in anregendem Weiss und Grün die Wände, dazu kontrastierend in elegantem Schwarz einige der Möbel und der Eingangsbereich. Viel Tageslicht und der neue Parkettboden strahlen dazu eine natürliche Behaglichkeit aus. Lounge-Sessel laden zum Entspannen, Zeitung lesen und Kaffee trinken ein – allein oder in Gesellschaft.

Dass in einem Coworking-Space Arbeiten mit einer zwanglosen, angenehmen Atmosphäre einhergeht, weiss Clauss nicht zuletzt aus dem besagten Zeitungsartikel. Dieser will ihr denn auch, einmal gelesen, nicht mehr aus dem Kopf. Immer mehr befasst sie sich in der Folge mit dem Thema. Zumal einige ihrer eigenen Bekannten für die Zielgruppe eines solchen Gemeinschaftsbüros stehen.

Statt neue Stelle

Dies sind selbständig Erwerbende oder angestellte Arbeitnehmer, die bis anhin das «Home-Office» praktizieren: Leute also, die zuhause arbeiten – damit aber nicht recht zufrieden sind. Wegen der Vereinsamung, die das Arbeiten in den eigenen vier Wänden für die einen mit sich bringt, wegen des Gefühls, die Decke falle ihnen auf den Kopf. Wegen der Schwierigkeit, sich zu konzentrieren, wenn im Nebenzimmer die Kinder toben, für die anderen. Wegen der fehlenden Abgrenzung zwischen Berufs- und Privatleben und so weiter.

Eigentlich aber ist Clauss damals auf Stellensuche als Juristin: Ihren Posten hat sie gekündigt, um erst einmal eine ein- bis zweimonatige Pause zu machen. Es soll anders kommen. «Ich habe mir dann einige Coworking-Spaces angeschaut», erläutert sie, «und die einzigartige Stimmung dort kennengelernt.» Spätestens dann ist klar, dass die Gründung eines solchen Gemeinschaftsbüros ihre neue Herausforderung werden soll – für die sie auch finanziell einiges in die Hand nimmt: Die Kosten für das Projekt trägt sie selber. Erst sucht sie im Zürcher Seefeld nach einer Lokalität. Dann aber wird ihr bewusst, dass es an der Goldküste erst wenige Möglichkeiten zum Coworking gibt.

Mit Kinderhütedienst

Das Büro an der Rietstrasse ist dann schnell gefunden. 14 Arbeitsplätze richtet Clauss im 70 Quadratmeter grossen Hauptraum ein, daneben ein kleineres Arbeits-, zwei verschieden grosse Sitzungszimmer und eine kleine Küche. Und, worauf sie besonders stolz ist: einen Kinderhütedienst. Auch dazu hat sie der Zeitungsartikel von einst inspiriert. Indes, «es handelt sich explizit nicht um eine Krippe», sagt sie. Dafür erfülle sie die gesetzlichen Vorgaben nicht. «Wir unterhalten die Kinder, während die Eltern hier arbeiten», erklärt die 26-jährige Isabelle Nievergelt, die hierfür zuständig ist. «Dies etwa in Situationen, wenn die gewohnte Betreuung ausfällt.»

So schön gestaltet alles aussieht: Das Arbeiten in «CWC Coworking Zürichsee» hat seinen Preis. Die Benutzung während eines Monats kostet 600, während eines Tages 45 Franken. Der Platz muss im Voraus gebucht und bezahlt werden. Das Angebot steht Berufsleuten aller Branchen offen – «damit sich Synergien ergeben können.» Zudem ist Clauss in Kontakt mit Firmen, unter anderem mit Village-Office, das derzeit mit und in der Gemeinde Zumikon ein Coworking-Angebot prüft.

Eröffnung am Montag, 3. Juni. Tag der offenen Tür mit Apéro am Donnerstag, 6. Juni, von 16 bis 20 Uhr. Rietstrasse 50, Zollikon. Information und obligatorische Buchung der Arbeitsplätze unter www.cwc-coworkingzuerichsee.com

Erstellt: 31.05.2019, 16:33 Uhr

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