Männedorf

Christbaumbrand zerstört Wohnung einer Familie

Drei Kerzlein sowie leichtsinniges Verhalten wurden Medienprofessor Vinzenz Wyss, der mit seiner Familie in Männedorf wohnt, zum Verhängnis. Nach dem Christbaumbrand ist seine Wohnung unbewohnbar.

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Plötzlich knallte es. Die Familie Wyss befand sich im Obergeschoss ihrer Wohnung in der Männedörfler Langackerstrasse und realisierte zunächst nicht, was geschehen war. «Ich dachte zuerst, es sei ein Sturm oder der Wind und schaute aus dem Fenster», sagt Vinzenz Wyss, Medienprofessor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur.

Doch dann schoss es ihm durch den Kopf: Der Christbaum im Wohnzimmer! Nur drei Minuten hatte er diesen unbeaufsichtigt gelassen. Er hatte seine Frau holen wollen, um gemeinsam mit ihr das letzte Flackern der Kerzenlichter zu bestaunen. Am 6. Januar, so will es der Familienbrauch, werden im Hause Wyss noch einmal drei Kerzlein auf dem Baum angezündet. Der Medienprofessor weiss eigentlich genau, dass man gerade dann, wenn die Christbäume dürrer werden, besonders gut aufpassen muss. «Schon oft habe ich von brennenden Christbäumen gelesen, habe aber nie realisiert, dass es sich nur um Sekunden handelt», sagt Wyss. Dennoch hat er die Kerzen einen Augenblick aus den Augen gelassen.

Baum brannte rasend schnell

Die kurze Abwesenheit reichte aus für ein Desaster: Der Baum fing Feuer. Danach ging alles rasant, denn die ätherischen Öle in den Nadeln beschleunigen das Feuer. Fachleute sprechen von einem explosiven Brand: Während der schnellen Verbrennung führen die Gase, die entstehen und sich ausdehnen, zu einem Explosionsdruck. Es kommt zu einem Verpuffungsknall – jenes Geräusch, das die Familie im Obergeschoss gehört hatte.

Als Wyss ins Erdgeschoss kam, schlug ihm dichter Rauch entgegen. «Mein erster Gedanke war: Du hast doch eine Giesskanne mit Wasser bereit gestellt», sagt der Familienvater – so, wie es von Feuerexperten auch empfohlen wird (siehe Box). Doch die Kanne stand zu nahe am Baum, und der Rauch war zu heiss. Der 51-Jährige eilte zurück ins Obergeschoss und holte eine Decke, um das Feuer zu ersticken, wie er es am Militär gelernt hatte. Doch auch das ging nicht. Der Männedörfler konnte sich wegen der Hitze dem Baum nicht nähern.

Die Familie hatte zunächst Angst, quasi blind das Haus durch den raucherfüllten Raum zu verlassen, brachte sich aber schliesslich in Sicherheit: Mutter, Vater, die beiden Töchter und der Hund – der Sohn war an jenem Abend ausser Haus. Glücklicherweise blieben alle unverletzt.

Praktisch alles verloren

Wyss ging kurz darauf noch einmal zurück in die Wohnung, um einen zweiten Löschversuch zu unternehmen. Die ältere Tochter holte ihn aber zurück. Nachbarn eilten zu Hilfe, teils sogar mit dem Feuerlöscher. Doch erst die Feuerwehr konnte den Brand löschen. Dabei habe, sagt Wyss, nur der Baum gebrannt. «Es entstand aber eine unglaublich grosse Hitze.» Zusammen mit dem Rauch richtete diese grosse Zerstörung an. Bilder aus dem Innern, die der Medienprofessor auf Facebook gepostet hat, zeigen die Verwüstung: Der Gips fiel von der Decke, Scheiben zerbarsten, die Wohnung ist voller Russ. Das Löschpulver, das die Feuerwehr einsetzte, um Wasserschäden zu verhindern, hat sich bis in die hintersten Ritzen ausgebreitet.

Von der Einrichtung ist kaum noch etwas zu gebrauchen. «Wir hatten nicht einmal mehr Kleider», sagt der Männedörfler. Die Familie hat mit einem Schlag alles verloren. Auch eine fixe Bleibe hat sie im Moment nicht. Die Mietwohnung muss erst renoviert werden.

Vorübergehend ist die Familie bei Nachbarn und Freunden untergekommen. «Erst in solchen Notsituationen merkt man richtig, wie wahnsinnig wichtig gute Nachbarn und Freunde sind», sagt Wyss, der mit seiner Familie seit sechs Jahren in Männedorf lebt. «Wir spüren grosse Solidarität und erhalten viel Hilfe. Ich erlebe das als etwas Wunderbares.»

Der Familie besteht nun viel Arbeit vor – dabei geht es auch um Versicherungsfragen. Einen Teil des Schadens wird die Familie wohl selber tragen müssen. Das Haus räume er nun selber, mit Unterstützung von Arbeitskollegen und Freunden, sagt Wyss. Die Zerstörung hat er somit immer wieder vor Augen. Allerdings versucht der Männedörfler, im Unglück auch Positives zu sehen. «Man löst sich so von Altem - das kann auch eine Chance sein.» ()

Erstellt: 11.01.2017, 17:21 Uhr

Tipps gegen Christbaumbrände

Die Feuerwehr empfiehlt, Christbäume in einer stabilen Halterung aufzustellen und den Ständer mit Wasser zu füllen, um allzu schnelles Austrocknen zu verhindern. Zudem ist eine nicht brennbare Unterlage erforderlich. Weihnachtsbäume und Adventskränze sollten kurz nach den Festtagen entsorgt werden. Kerzen sollten nicht zu tief niedergebrannt werden, und der Baum sollte nie unbeaufsichtigt sein, solange Kerzen brennen.

Sinnvoll ist es zudem, einen Eimer oder eine Löschdecke neben dem Baum zu platzieren. Im Falle eines Brandes gilt es, sofort die Feuerwehr zu alarmieren. Laien können brennende Bäume nur dann löschen, wenn das Feuer eben erst ausgebrochen ist. Steht bereits der ganze Baum in Flammen, ist Selbsthilfe illusorisch. (miw)

«Wir spüren grosse Solidarität und erhalten viel Hilfe. Ich erlebe das als etwas Wunderbares»: Vinzenz Wyss, Medienprofessor. (Bild: Archiv ZSZ)

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