Hombrechtikon

Bunte Acrylbilder und prächtige Keramik im Stricklerhuus

Der Verein Pro Hombrechtikon präsentiert im Dorfmuseum Stricklerhuus Bilder von Barbara Hollenstein und Keramik von Yvonne Grieder. Neu im Dorfmuseum ist das betreute Kindermalatelier.

Die Töpferin Yvonne Grieder (sitzend) und die Malerin Barbara Hollenstein mit ihren Werken.

Die Töpferin Yvonne Grieder (sitzend) und die Malerin Barbara Hollenstein mit ihren Werken. Bild: Michael Trost

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Barbara Hollensteins Bilderwelt ist vor allem eines: farbenprächtig. Doch nicht nur das. Die 46-jährige Autodidaktin in Sachen Malerei erzählt insbesondere in ihren grossformatigen Bildern ganze Geschichten. In einer heilen Landschaft, die von Bergen umgeben ist und in üppiger Vegetation erscheint, tummeln sich nicht nur Erwachsene und Kinder, sondern auch allerlei Vierbeiner und Federvieh. Da wird gewandert, im See geschwommen und am Ufer des sprudelnden Bachs gepicknickt. Auf den Wiesen wird das Heu reihenweise in «Mädlis» zusammengerecht, daneben treibt der Senn Kühe und Geisslein vor sich her. Kinder lassen Drachen steigen und Mütter spazieren mit Kinderwagen. Diese ländlichen Bildergeschichten erinnern an die naive Malerei der Alpauf- und abzüge. Wer sich die Zeit nimmt, die gemalte Idylle auf sich wirken zu lassen, entdeckt immer mehr Details.

«Ja», nickt denn auch die Künstlerin, «erst durch das Betrachten entfalten die Bilder ihre Wirkung.» Barbara Hollenstein, die seit 2005 in Hombrechtikon wohnt, hat schon als Kind das Bauernleben geliebt. Regelmässig durfte sie die Ferienzeit im Appenzellerland verbringen. «Ich liebte das Heuen und den Duft frisch geschnittenen Grases», sagt sie zu den Kindheitserinnerungen, die sie seit zwei Jahren in intensivem Schaffen auf ihren Acrylbildern festhält.

Fantasie und Beobachtungen

Es sind Fantasielandschaften, die beim Malen entstehen und von Hollensteins guter Beobachtungsgabe zeugen. Aber auch Begegnungen mit Menschen, etwa den Wanderer am Brunnentrog, hält sie in Farbe auf Leinwand oder Holzplatten fest. Dabei experimentiert sie mit Materialien wie Moos, Gräsern, Steinchen, Glanzelementen sowie Sand und Kokosfasern und erwirkt mit deren Applikation eine schon fast dreidimensionale Oberflächenstruktur.

Das hat auch etwas Verspieltes und Verträumtes und dazu steht die Künstlerin: «Erst durch die Malerei habe ich es geschafft, mich aus vergangenen Lebenskrisen wieder aufzufangen.» Das Malen einer intakten Welt beglückt die ausgebildete Psychologin, die als alleinerziehende Mutter lebt.

Im Dachgeschoss des Dorfmuseums Stricklerhuus, wo die Bilder seit dem Wochenende und bis September zu sehen sind, hat Hollenstein zudem einen Arbeitstisch mit acht Plätzen als Kindermalatelier eingerichtet. «Ich möchte Kindern die Möglichkeit bieten, mal selber zu malen, eine Collage zu kleben oder sich an das Kreieren von Karten zu wagen», sagt sie zum betreuten Angebot, das an Sonntagen den kleinen Besuchern an den Ausstellungsdaten geboten wird.

Der Traum vom Töpfern

Die 84-jährige Yvonne Grieder träumte immer davon, Töpferin zu werden. Doch die Pflegemutter habe damals für sie den Beruf bestimmt, den sie schliesslich erlernte, nämlich Modistin oder Hutmacherin. Das habe ihr aber gar nicht zugesagt, wie sie erzählt. Doch erst, nachdem ihre sechs Kinder erwachsen waren, «konnte ich endlich mit 45 Jahren eine Töpferlehre beginnen.»

Nach zwei Jahren hängte sie fünf Semester an der Kunstgewerbeschule Zürich an. 30 Jahre arbeitete sie in ihrer Töpferwerksatt, zuerst auf dem Zollikerberg, wo sie herkommt, später auf der Wasserfluh im Toggenburg. Ihre Keramik stellte sie regelmässig aus. Daneben erteilte sie Kurse im Töpfern. Die Ausstellung im Stricklerhuus ist die 27. Präsentation ihrer aus Ton geformten und glasierten Lichtschalen und Krüge, Übertöpfe, Teller und Tassen, aber auch der prächtigen Paradiesvögel. Aus grobem schamottiertem Ton sind die Glocken.

Als eine schlimme Polyarthritis ihre Mobilität einschränkte, zog Yvonne Grieder vor vier Jahren nach Hombrechtikon ins Alters- und Pflegeheim Sonnengarten. «Nicht ohne meinen Arbeitstisch», wendet sie, die jetzt an den Rollstuhl gefesselt ist, ein. Doch ihre Augen strahlen. «Ich bin so dankbar, dass ich noch töpfern kann.» Grieder hatte sich schon vor Jahren gewünscht, im Stricklerhuus auszustellen, genauer gesagt im Stallgebäude, das zum Museum gehört. Hier präsentiert sie nun ihre neuesten Kreationen, mehrheitlich in ihrer bevorzugten Farbe Blau.

Dorfmuseum Stricklerhuus, Langenrietstr. 6, Hombrechtikon. Ausstellung jeweils am Sa./So. von 14 bis 17 Uhr offen (23./24. Juni, 8./9. und 22./23. September.). Sonntags mit betreutem Kindermalatelier. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 15:37 Uhr

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