Männedorf

Boldern-Hotel könnte Aktiengesellschaft werden

Boldern sucht nach stabileren Strukturen für die Zukunft – das Hotel soll verselbstständigt, der Trägerverein in eine Stiftung umgewandelt werden. An der Vereinsversammlung informierte der Vorstand über die Pläne.

Das ehemalige evangelische Tagungszentrum Boldern soll neue Strukturen erhalten.

Das ehemalige evangelische Tagungszentrum Boldern soll neue Strukturen erhalten. Bild: Kurt Heuberger

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«Boldern inspiriert» ist das Credo des Hotels Boldern. Es steht für die seit letztem November angegangene neue Ausrichtung des ehemaligen evangelischen Tagungszentrums in Männedorf. Möchte man Inspiration mit Schwelgen gleichsetzen, dann bietet allein schon der Panoramablick von der Terrasse über den Zürichsee viel. Besonders aber die neue, hell gestaltete Lobby des Hauses hinterlässt als ersten Eindruck ein einladendes und beruhigendes Ambiente, das wohl auch dem einen oder anderen zur Inspiration dient.

«Geist Bolderns schützen»

Die Lobby ist Teil des neuen Konzepts von Boldern. Es wurde nötig, nachdem im Jahre 2012 die evangelische Landeskirche ihre finanzielle Unterstützung gestrichen und Boldern in der Folge Verluste geschrieben hatte. Während der vergangenen acht Monate hat Simone Emmenegger als Turnaround-Managerin dieses nun umgesetzt: Hotel, Restaurant und Tagungsräume wurden oder werden saniert – derzeit die Küche und ein Plenarraum – und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. «Wanderer kehren bei uns ein, und Unternehmen buchen Zimmer und Seminarräume», freute sich Madeleine Strub-Jaccoud, Präsidentin des Trägervereins Boldern, zu Beginn der Vereinsversammlung am Samstag. Emmenegger bestätigte dies: Es würden bereits bis ins Jahr 2018 Reservationen vorliegen.

Der positive Drive von Boldern soll nun mehr Stabilität erhalten. Der Vorstand des Vereins präsentierte an der Versammlung seine Vorstellungen hierzu – noch mit rein informativer Absicht: Aus dem Verein soll eine Stiftung entstehen. Der Jurist Andreas Albrecht der Basler Kanzlei Vischer AG stellte die einzelnen Schritte dieses Plans den 60 anwesenden Vereinsmitgliedern vor. Albrecht betreut öfters derartige Umwandlungen und war vom Vereinsvorstand Bolderns wegen seiner Vertrautheit mit kirchlichen Zusammenhängen ausgewählt worden.

Bestimmte Interessen

«Mit den vielen Liegenschaften von Boldern muss verantwortungsbewusst umgegangen werden», sagte der Jurist. «In einem Verein könnte etwa der Eintritt mehrerer Personen, die alle ein bestimmtes Interesse in Bezug auf die Immobilien verfolgen, zu starken Veränderungen führen.» Mitglieder mit Partikularinteressen könnten sich die Tatsache zunutze machen, dass an den Vereinsversammlungen meist nur ein Bruchteil der Stimmberechtigten teilnimmt, und ihre Pläne durchsetzen.

«Eine Stiftung dagegen hat klar definierte Statuten, der Stiftungsrat ist verpflichtet, diese einzuhalten», erklärte Albrecht. «Der Geist Bolderns wäre dadurch besser geschützt.» Früher, als sich die Landeskirche noch engagierte, konnte sie als starke Institution den Verein genug festigen. In diesem Zusammenhang verwies der Jurist auch auf die Überalterung des Vereins. Neueintritte seien seltener.

Wie künftig vermehrt jüngere Leute dazu begeistert werden könnten, sich für Boldern zu engagieren, sei eine der anstehenden Herausforderungen, sagte Strub. Denn auch wenn aus Boldern eine Stiftung entstünde, würde das Finden neuer Vereinsmitglieder nicht passé sein.

Albrechts Konzept sieht einen Förderverein vor, der die Stiftung in inhaltlichen Fragen unterstützen soll. «Die Veranstaltungen auf Boldern sollen sich theologischen, gesellschaftlichen, kulturellen und ethischen Fragen widmen», sagte Strub zur Ausrichtung von Boldern. Diese muss in der zukünftigen Stiftung als Stiftungszweck noch genau definiert werden.

Selbstständige Hotellerie

Um den Stiftungsrat zu entlasten, schlug Albrecht vor, die Hotellerie als Aktiengesellschaft separat unter der Leitung eines Verwaltungsrates laufen zu lassen. Diese Struktur erlaubt es der Hotellerie, professioneller zu arbeiten. Der Stiftungsrat hätte hierbei eine kontrollierende Funktion.

«Die Bildung einer Hotel-AG ist der erste Schritt», sagte Albrecht. «Danach kommt es im Herbst zur Urabstimmung über die Errichtung einer Stiftung.» Werde sie angenommen und würden auch der Kirchenrat und die Steuerbehörde grünes Licht geben, könne per Anfang 2016 mit der neuen Struktur gerechnet werden.

Strub ist zuversichtlich, dass die Vereinsmitglieder den Plänen wohlgesinnt sein werden. Die kritischen Stimmen vom Samstag, die sich vorab um die Zusammensetzung des Stiftungsrates, die inhaltlichen Fragen und um den Förderverein drehten, reflektierten keine grundlegende Ablehnung. «Sie zeigen vielmehr, wie sehr ihnen Boldern am Herzen liegt», sagte die Präsidentin.

Die übrigen administrativen Geschäfte der Versammlung gingen weitgehend diskussionslos vonstatten. Die Wahl der 33-jährigen Susi Gisler und des 42-jährigen Dominic Lüthi in den Vorstand leitete bereits eine erste Verjüngung des Vereins ein.

Erstellt: 06.07.2015, 17:12 Uhr

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