Im Gespräch

«Bei der Kritik an den ‹Böötlern› ist oft eine Prise Neid im Spiel»

Die Motorboot- und Seglerszene ist von Männern geprägt. Umso mehr sticht Ariane Vonwiller heraus. Die 44-Jährige ist Geschäftsführerin der Yachtwerft Portier AG in Meilen.

Ariane Vonwiller glaubt an das Wachstumspotenzial von abgasfreien Motorbooten mit Elektroantrieb. Darum baut die Yachtwerft Portier AG in Obermeilen jetzt diese Sparte aus, auch die erste Hochleistungs-Stromtankstelle am Zürichsee ist geplant.

Ariane Vonwiller glaubt an das Wachstumspotenzial von abgasfreien Motorbooten mit Elektroantrieb. Darum baut die Yachtwerft Portier AG in Obermeilen jetzt diese Sparte aus, auch die erste Hochleistungs-Stromtankstelle am Zürichsee ist geplant. Bild: Moritz Hager

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Ariane Vonwiller, Boote und Wasser sind für fast alle Menschen Inbegriff von Vergnügen. Für Sie ist das Beruf. Beneiden Sie jene, die mit dem Zürichsee nur unbeschwerte Freizeit und Spass verbinden?
Nein, nicht im Geringsten. Ich will ihnen mit unserem Betrieb und zusammen mit unserem Team, die Möglichkeit bieten, genau das zu tun.

Wie oft sind Sie auf dem See?
So oft wie es geht, auch privat. Ich bin ein richtiges Seemeitschi. In unserm Metier geht es einem leichter von der Hand, wenn man ein Wassersport-Fan ist. Dann ist man mit Leidenschaft und Faszination dabei.

Gehen Sie auch auf andere Seen?
Der Zürichsee ist mein beruflicher Mittelpunkt und ich kenne ihn gut. Aber ich lasse mich gerne von Freunden auch an andere Seen einladen. Ein Wechsel am Wasser ist gar nicht schlecht. Ausserdem interessiert es mich, wie es anderswo aussieht, auch in der Szene der Bootsfahrer und Segler.

Wie gehen Sie als Vertreterin der Bootsfahrer und Segler mit Co2-Diskussion und Klimawandel um?
Der Grundstoff für den Motorantrieb ist immer noch Rohöl. Man muss sich bewusst sein, dass es damit nicht unendlich weitergehen wird. Darum erweitern wir unser Geschäftsfeld mit dem Elektroantrieb. Aber wer sein Wochenende auf dem Zürichsee mit halbwegs vernünftigen «böötlen» verbringt, emittiert viel weniger Co2, als einer, der zum Shoppen nach London fliegt.

Bei den Motorbootfahrern kommt zur ökologischen Kritik auch noch das Vorurteil «Spass für die Reichen»: Ärgert Sie das?
Es ist bei aller Kritik oft eine Prise Neid im Spiel. Darum bemühen wir uns, gutes Benehmen zu zeigen, Rücksicht und Regeln einhalten. Zum Beispiel mit regelmässigen Kontrollen, um jede Gewässerverschmutzung zu vermeiden. Aus unseren Gewässern kann man ja trinken, das ist sagenhaft. Man schaue sich nur mal im Ausland um, auch die Gewässer, auf denen keine Sportboote fahren. Wer möchte aus dem Tiber trinken? Das ist mit ein Grund, weshalb wir wollen, dass die Schiffe immer gut gewartet sind.

«So ernst man Umweltschutz nehmen muss, soll das nicht
heissen, dass man keinen Spass mehr haben darf.»

Wie stehen Sie zum Umweltschutz?
Ökologie ist wichtig, ich finde es toll, wenn mit Fotovoltaik auf dem Dach Strom produziert oder mit Wärmepumpen geheizt wird. Aber so ernst man den Umweltschutz nehmen muss, soll es nicht bedeuten, dass man keinen Spass mehr haben und sein Leben nicht geniessen darf. Es ist alles eine Frage des Verantwortungsbewusstseins.

Die Yachtwerft Portier AG baut aus: Was kommt neu?
Erstens wollen wird dem Standort Meilen treu bleiben. Und zweitens bauen wir die Sparte E-Boot aus.

Hat diese Sparte Wachstumschancen in einem solch kleinen Markt wie diejenige der Motorboote?
Wir sind überzeugt, dass man wachsen kann. In unserer Region haben wir die grösste Dichte an Elektroautos ausserhalb von Silikonvalley und Norwegen. Warum sollte das nicht auch auf dem Wasser funktionieren? Der Elektroantrieb ist die Zukunft, dann kommt hoffentlich der Wasserstoffantrieb. Das entspricht auch unserem Firmenleitbild. Die Yachtwerft Portier AG hat es immer verstanden, sich im Wandel der Zeit positiv zu beweisen. Heute ist das der Wandel zum Elektroantrieb bei Motorbooten, Sportbooten und Hilfsmotoren für Segelschiffe.

Seit einem Jahr vertreibt ihr Unternehmen Boote mit Elektroantrieb: Welche Erfahrungen haben sie bisher mit diesem Geschäftszweig gemacht?
Wie wir es erwartet haben – es geht langsam aufwärts, wie bei den Elektroautos. Die Hemmschwelle zum Umsteigen ist noch gross, weil sich bei jeder Ausfahrt die Frage stellt, wie weit ich mit der Batterieladung komme, ob es für die Rückkehr in den Heimathafen reicht. Die Infrastruktur für den E-Antrieb am Zürichsee ist noch klein, sie steckt noch in den Kinderschuhen. Es gibt momentan noch keine Hochleistungs-Stromtankstellen.

Können Werften alleine den Umstieg bewirken oder braucht es dazu auch Infrastruktur, geboten von Gemeinden und Kanton?
Stromtankstellen sind für die Kantone und Gemeinden sicher ein Thema. Denn heute muss ein E-Boot-Fahrer abklären, ob er sein Schiff an der Steckdose zum Beispiel im Restaurant am See aufladen kann und eine Kabelrolle mitnehmen muss. Das ist aufwendiger und das Laden dauert viel länger als an leistungsstarken E-Tankstellen. In unserem neuen Hafenkonzept ist eine E-Tankstelle vorgesehen, wir warten auf die Bewilligung des Kantons.

Könnten steuerliche Anreize den Wechsel auf E-Motoren beschleunigen?
Ja. Das wäre ein Anreiz fürs Umsteigen und würde sicher helfen, die Entwicklung voranzutreiben.

Was glauben Sie, wie gross wird der Anteil an E-Booten in zehn Jahren sein?
Es wäre toll, wenn es jedes fünfte Boot wäre. Vielleicht ist es aber auch nur jedes zehnte.

Früher hat Portier selbst Boote gebaut, heute nicht mehr: Weshalb nicht?
Wir haben den Bootsbau vor rund 15 Jahren eingestellt. Unser Unternehmen ist heute ganz auf Kundenbetreuung, Wartung, Service und Verkauf ausgerichtet. Eine Produktion parallel zu unserem heutigen Tätigkeitsfeld, am gleichen Standort wäre schlicht zu teuer. Ausserdem müsste man ein Produkt mit einem langfristig gesicherten Absatzmarkt haben.

Sind Sie die einzige Chefin in der männlich geprägten Yacht- und Bootsbranche?
Nein, es gibt noch ein paar andere Chefinnen in der Schweiz, zum Beispiel in Twann am Bielersee, je eine am Vierwaldstättersee, am Lago Maggiore und am Murtensee. Wir Frauen sind in dieser Branche zwar eine Minderheit aber eine etablierte. Ausserdem sind einige Frauen als Ehefrauen des Geschäftsführers ohnehin immer auch an der Kundenfront aktiv.

Wie führt man eine Werft?
Ähnlich wie ein grosses Hotel: Man muss die Bedürfnisse der Kunden verstehen und mit dem Team erfüllen. Das verlangt neben technischem Knowhow auch das erforderliche Einfühlungsvermögen.

Kann man alle Wünsche erfüllen?
Nein, wer kann das schon. Aber alle Wünsche müssen angehört werden. Die Grenzen liegen vor allem bei unseren Betriebs- und Öffnungszeiten. Ein Boot um Mitternacht zuzudecken, liegt nicht drin.

Was bedeutet es für Sie, Geschäftsführerin eines 204 Jahren alten Familienunternehmens zu sein?
Erstens eine grosse Ehre. Die Firmengeschichte ist natürlich immer ein Teil meines Berufsverständnisses. Doch ich bin mir auch bewusst, dass wir jeden Tag nach vorne schauen müssen. Geschichte ist wichtig, aber der Antrieb zur Arbeit und zur Verbesserung zielt immer nur in die Zukunft.

Erstellt: 12.07.2019, 13:28 Uhr

Zur Person

Ariane Vonwiller (44) absolvierte ihre Ausbildung zur Bootsbauerin bei Boesch Motorboot AG in Kilchberg, danach folgte eine kaufmännische Weiterbildung. 2006 wurde sie von Jürg Weber, dem Vertreter der sechsten Generation der Bootsbauerfamilie Portier-Suter in der Yachtwerft Portier AG Meilen angestellt. Schon knapp ein Jahr später, löste sie ihn als Geschäftsführer des Unternehmens mit heute 12 Angestellten ab. Ariane Vonwiller lebt in fester Beziehung in Oberägeri. Zu ihren Hobbys zählt sie Skifahren, Reiten, Lesen, Reisen und natürlich den Wassersport mit Bootfahren, Segeln und Barefooting (barfuss Wasserski laufen).

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