Küsnacht

Bänz Friedli sorgte in Küsnacht für Amüsement

Der Kolumnist Bänz Friedli hat in der Bibliothek Küsnacht aus seinem neusten Buch gelesen. «Es ist verboten, über das Wasser zu gehen» heisst es – ein Titel, der die unterhaltsame Note des Abends widerspiegelt.

Schlüpft immer wieder in verschiedene Rollen: Kolumnist und Hausmann Bänz Friedli.

Schlüpft immer wieder in verschiedene Rollen: Kolumnist und Hausmann Bänz Friedli. Bild: Keystone

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Ein schwungvoller Satz nach vorne, als stünde da eine Bühne – dabei ist es nur ein kleiner ausgesparter Platz vor dem Bücherregal in der Küsnachter Bibliothek. Da legt er los, der gebürtige Berner Bänz Friedli, auf den unzählige Berufsbezeichnungen passen. In dem Moment vorgestern Abend aber vor allem die des Kabarettisten.

Denn schon ist er mitten drin, gestenreich und mit Wortwitz die Küsnachter Kommunalpolitik aufs Korn zu nehmen: Die beiden abgelehnten Dorfplatzprojekte. Die neu eingeweihte Turnhalle mit Wasserschaden. Das Goldküstenklischee aber – nein, das wolle er nicht bedienen. Wie käme er auch darauf, wo die Millionen freiwillig für eine Tobelbrücke fliessen – wenn sie denn dürften. Und so verteilt er noch die eine oder andere nett verpackte Watsche in diese Richtung. Doch die 50 Anwesenden hat er zu diesem Zeitpunkt schon gewonnen. Sie nehmen die ironische Abrechnung mit ihrer Gemeinde mit Humor.

Grosser Andrang

50 Anwesende: Das sind so viele, wie sich im Vorfeld der Veranstaltung eine kostenlose Platzreservation sichern konnten. Für mehr Leute sind die Raumverhältnisse im Höchhus zu gering. Die Plätze seien denn auch im Nu vergeben gewesen, sagt Ilka Allenspach, Mitarbeiterin der Bibliothek, nach dem Anlass. Das grosse Interesse verdankt Friedli ohne Zweifel einer seiner anderen Tätigkeiten – die des Kolumnisten. Unzählige Texte dieses Formats hat er allein in «20 Minuten» mit den «Pendlerregeln» sowie im «Migros-Magazin» veröffentlicht.

Die Kolumnen sind es auch, die bei seinem Auftritt in Küsnacht im Zentrum stehen.

Und Kolumnen sind es auch, die in der Küsnachter Bibliothek mit seinem Auftritt im Zentrum stehen, ist dieser doch als Lesung deklariert. Das Buch, aus dem der 53-Jährige hierfür liest, ist sein neustes. «Es ist verboten, über das Wasser zu gehen», eine Sammlung von Kolumnen, die er ab 2015 geschrieben hat. Da ist etwa die Geschichte seines Groupies Heidi. An rund 60 Lesungen sei die ältere Dame erschienen, habe ihn dann und wann getadelt, wenn er einen Satz vergessen habe vorzutragen. Oft habe sie ihn – den überzeugten öV-Benutzer – an den Bahnhof gefahren und «dabei nie in den fünften Gang geschaltet, weil sie ihn einmal mit dem Rückwärtsgang verwechselt hatte.»

Fehlen darf freilich auch nicht die titelgebende Kolumne: Eine Aufzählung irrwitziger Verbote, die der Autor irgendwo auf der Welt angetroffen hat. Mit trockener Aussprache imitiert er etwa die Amtssprache, mit der das Seilbahngesetz von Mecklenburg-Vorpommern verfasst ist – obschon es ein entsprechendes Transportmittel in dem ebenen Bundesland gar nicht gibt. Im Kanton Zürich dagegen sei ein Angler gebüsst worden, der den gefangenen Hecht in den See zurückgeworfen habe. In einem Aargauer Landschulhaus dürfe man zum Lüften nicht die Fenster öffnen.

Effektvolle Pause

Ein nachdenklich-ironischer Blick Friedlis und eine effektvolle Pause sagen das Ihrige zu den Verboten. Das Publikum lacht viel in diesen gut eineinhalb Stunden – dies dürfte dem Inhalt der Texte, aber noch mehr der einnehmenden Vortragsweise Friedlis geschuldet sein.

Immer wieder aber wechselt er vom Hochdeutschen der Lesung in den Dialekt, kommentiert, ergänzt oder spricht die Zuschauer direkt an. Mal greift er hinter sich ins Büchergestell – froh, für einmal nicht in der Ecke der Beziehungsratgeber platziert worden zu sein – um den ausgestellten Wälzer «Ein Mann der Tat» von Richard Russo zu nehmen: Das Buch liege bei ihm seit Monaten auf dem Nachttisch – ungelesen. Die gut 600 Seiten würden ihn dermassen abschrecken. Da erkennt sich wohl mancher der Anwesenden selber. Mal sorgt er mit eingestreuten Witzen – Ogi beim Kreuzworträtseln: Ehemaliger Bundesrat mit drei Buchstaben? Ich! – für zusätzliches Amüsement.

Es seien nicht unbedingt seine liebsten Kolumnen, die er für den Abend ausgewählt habe, sagt er später. Denn die, die er besonders möge, hätten eher einen ernsten Unterton und würden sich für das komödiantische Vortragen weniger eignen. Daran zeigt sich auch, wie die Tätigkeiten Friedlis ineinander übergehen – Kolumnen inspirierten ihn zum Kabarett, aber auch zu Büchern – und umgekehrt.

Neues Kabarett ab 2019

Das Kabarett aber gewinne immer mehr Raum, ab 2019 etwa mit dem Programm «Was würde Elvis sagen» , erklärt Friedli, der auch als Hausmann eine prominente Figur geworden ist. Das sei er immer noch, auch wenn die Kinder erwachsen seien. «Aber die Arbeit ist nicht weniger geworden», sagt er mit vielsagendem Blick. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.11.2018, 16:04 Uhr

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