Küsnacht

Aus der Welt der Blumen

Die Meisterfloristin Claudia Martin-Fiori sprach in der Küsnachter Chrottegrotte über Blumen und was sie für den Menschen bedeuten.

Claudia Martin-Fiori (links) erläuterte den grösstenteils weiblichen Besuchern, wie Blumen unser Leben beeinflussen.

Claudia Martin-Fiori (links) erläuterte den grösstenteils weiblichen Besuchern, wie Blumen unser Leben beeinflussen. Bild: Patrick Gutenberg

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Der Löwenzahn blüht derzeit in allen Wiesen und verwandelt mit seinen gelben Blüten die Landschaft in goldene Flächen. Rund 500 Bezeichnungen kennt der Volksmund für diese Frühlingsblume. In Mundart sind «Chrottepösche» und «Säublueme» wohl die geläufigsten Namen.

Claudia Martin-Fiori stellt sie als Oster- und Lichtblume vor, die für die Auferstehung Jesu stehe. «Der Löwenzahn verwelkt nicht, sondern verwandelt sich in die Pusteblume, die wiederum für neues Leben, für die Auferstehung sorgt und damit auch für ewiges Leben steht», erzählte die Küsnachter Meisterfloristin und Gärtnerin in der Chrottegrotte, wo sie am Donnerstagvormittag auf Einladung des Literaturclubs Booxkey ihrem rund 15-köpfigen Publikum die Welt der Blumen näher brachte.

Blumen als Lebenselixier

Seit je her würden Blumen den Menschen von der Wiege zur Bahre begleiten,und dies in allen Kulturen und in den verschiedensten Lebensbereichen, erzählt Martin den interessierten Zuhörern. Dabei zählte sie Beispiele auf, die von der Kunst über die Architektur und der Medizin bis zur Mode und der Literatur reichen. Auch die Meisterfloristin selber wird schon ihr Leben lang von den Blumen begleitet. Trägt die als Claudia Fiori mit Tessiner Wurzeln Geborene Blumen, welch Zufall oder Omen, doch schon im Nachnamen. Und so habe sie denn auch schon mit zwölf Jahren den Wunsch gehabt, Floristin zu werden.

«Blumen sind mein Lebenselixier», sagte die 55-Jährige, die als Erwachsenenbildnerin regelmässig Floristik-Kurse für Laien und Experten anbietet und ein entsprechendes Angebot in ihrer Casa di Fiore in Küsnacht bereithält. Einige Bücher aus ihrer umfangreichen Bibliothek hatte sie in die Chrottegrotte mitgebracht und wies auf das eine oder andere, ob Fachliteratur oder Roman, hin.

Schnuppern erlaubt

Um die Interessierten auf ihren Blumenweg, wie Martin ihren mit Projektionen illustrierten Vortag ankündigte, einzustimmen, hatte sie ein Arrangement mit Duftrosen, ein Sträusschen Maiglöckchen, eine Hyazinthe im Blumentopf und Jasminblüten im kleinen Raum bereitgestellt. «Riechen Sie daran und saugen Sie den Duft in sich auf», forderte sie ihre mehrheitlich aus Frauen bestehende Gäste auf.

Denn Blumen, so erfuhren diese, bereiten der Betrachterin nicht nur eine optische Freude, sondern berühren auch über den Geruchssinn. Kein Wunder, fänden sie in der Medizin Anwendung, was unter anderem auch dem Wissen einer Hildegard von Bingen zu verdanken ist oder Edward Bach, der die Heilkräfte von Blüten erforscht und einer breiten Bevölkerung in Form seiner Bachblütentropfen zugänglich gemacht hat.

Waren Blumen einst nur Kaisern und Königen vorbehalten, wie etwa Chrysanthemen, sind sie heutzutage für alle Menschen erschwinglich. Während sich früher reiche Leute eine wohl duftende Gardenia ins Knopfloch gesteckt hätten, begnügte sich der kleine Mann mit einer weissen Nelke. Im 17. Jahrhundert hat in Holland eine einzige Tulpenzwiebel zum ersten Börsencrash der Geschichte geführt, war sie doch für 13'000 Gulden ersteigert worden, was dazumal dem Wert eines grösseren Hauses in Amsterdam entsprach. Der Name indes stammt von Tulipani, also Turban ab, hatten Tulpen doch ihren Ursprung im ottomanischen Reich.

Zurück zu Wiesenblumen

Über die Sonnenblume wusste die Referentin zu berichten, dass diese eine verzauberte Nymphe ist, die sich aus Trauer über eine nicht erfüllte Liebe in die Sonnenblume verwandelte. Schliesslich drückte die Floristin ihre Besorgnis darüber aus, wie aufwendige Blumendekorationen mit Abertausenden von Blüten aus dem Ausland meist nach einer kurzen Präsentation einfach im Abfall landen würden. Da fehle es an Respekt vor der Pflanze, was auch hierzulande zur Bewegung Slow Flowers geführt habe, dem Trend zum regionalen Wiesenblumenstrauss.

Während Claudia Martin ausführlich über die Herkunft und Verwendung der jeweiligen Blumen sprach, umging sie ein Thema gekonnt. Zur Sprache der Blumen und was sie den Menschen mitteilen, wollte sich Claudia Martin nicht äussern, trotz Drängen im Publikum. «Das bedingt, dass sowohl der Schenkende als auch der Beschenkte diese Sprache kennen», wich sie aus und verwies auf etliche Bücher zu diesem Thema. Auch komme es auf die Kultur drauf an, meinte sie zu den Unterschieden dieser Blumensprache. Einzig bei der roten Rose bestehe kein Zweifel: «Sie ist das Symbol der Liebe.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.04.2019, 14:39 Uhr

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