Uetikon

Aufbruchstimmung am neuen Gymnasium

Nach den Sommerferien nimmt die Kantonsschule in Uetikon ihren Betrieb auf. Bis dahin ist noch viel zu tun: Die Bauarbeiten müssen abgeschlossen und die Zimmer eingerichtet werden.

Freuen sich auf den Schulstart am 20. August: Adjunkt Adrian Villiger (von links), Rektor Martin Zimmermann und Prorektor Jürg Berthold.

Freuen sich auf den Schulstart am 20. August: Adjunkt Adrian Villiger (von links), Rektor Martin Zimmermann und Prorektor Jürg Berthold. Bild: David Baer

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Mit dem Unterricht könnte in Uetikon bereits begonnen werden. Die etwas über 100 Schülerinnen und Schüler sind den vier Klassen zugeteilt, die Klassenlehrer bestimmt – und der Lehrplan steht. Doch der Zugang zum Uetiker Gymi-Provisorium hinter dem Riedsteg-Zentrum ist erschwert: Bauarbeiter sind daran, die Wege zu teeren.

Es ist schwer vorstellbar, dass hier am 20. August der Schulbetrieb aufgenommen wird. «Es sind noch hunderte Sachen zu erledigen», sagt Martin Zimmermann, Rektor der neuen Kantonsschule. Gerade eben hätten sie beispielsweise einen ortsansässigen Arzt kontaktiert. Jede Schule brauche einen Vertrauensarzt.

Wir sitzen zusammen mit Prorektor Jürg Berthold und Adjunkt Adrian Villiger im künftigen Büro des Rektors. Die Wände sind leer, die Einrichtung rudimentär und das wichtigste Arbeitsinstrument, der Computer, fehlt.

Vom Oberland an den See

«Wir möchten nahe an den Schülern sein und viel mit ihnen reden», sagt Zimmermann zur Schulkultur, die er in Uetikon etablieren möchte. Dies sei der Weg, mit dem sie bei den Schülern eine verantwortungsreiche Haltung erzielen möchten. Zimmermann war 30 Jahre an der Kantonsschule Wetzikon tätig, die letzten 15 Jahren als Schulleiter. Er unterrichtete Französisch und Deutsch – und wird dies in einem kleinen Pensum, vier Stunden pro Woche, auch in Uetikon machen.

«Das ist Standard an jeder Kantonsschule», sagt Prorektor Berthold. Wie Zimmermann kommt der studierte Germanist und Philosoph von der Kantonsschule Wetzikon. Als Prorektor wird er zu 50 Prozent unterrichten, davon einen Teil an der Universität Zürich, wo er als Titularprofessor tätig ist. In der anderen Hälfte seines Pensums nimmt er Leitungsaufgaben wahr.

Der Dritte der Führungscrew ist Adrian Villiger. Er hat schon während seines BWL-Studiums angefangen, im Mittelschulumfeld zu arbeiten. Zuletzt arbeitete er als Adjunkt sechs Jahre am Realgymnasium Rämibühl in Zürich. Während Zimmermann und Berthold für den Unterrichtsbetrieb verantwortlich sind, Villigers Aufgabengebiet um fasst die Finanzen, die Technik und die Infrastruktur.

Seit Anfang Jahr dabei

Vier Jahre Planungs- und Aufbauarbeit waren nötig, damit die Uetiker Kantonsschule ihren Betrieb aufnehmen kann. Involviert sind seitens Kanton die Bau- und die Bildungsdirektion, hinzu kommen Architektur- und Planungsbüros. Rektor Zimmermann stiess erst Anfang dieses Jahres dazu. Er übernahm das Zepter von Projektleiter Urs Bamert, der nun in Wädenswil eine neue Mittelschule aufbauen wird.

Vieles traf das Leitungsgremium deshalb als vorgegeben oder bereits entschieden an. «Das perfekte Schulhaus gibt es nicht», sagt Villiger. Als Nutzer komme man spät hinzu und stelle dann fest, was noch nicht funktioniere. So hält ihn unter anderem das fehlende Abfallkonzept auf Trab. Und ob sich die Komplettlösung der Swisscom, bei der jeder Netzwerkdose ein bestimmter Zweck zugeordnet ist, bewährt, wird sich erst zeigen.

Zimmermann und Berthold beschäftigen sich derweil mit der Absenzenordnung und verschiedenen weiteren Papieren, die es noch zu erstellen gilt. Anderes, wie der definitive Standort der Raucherecke eilt nicht, weil die Schüler altershalber offiziell erst in einem Jahre rauchen dürfen.

Schule des Wandels

Mit der Einstellung der Lehrer hat noch Übergangsrektor Bamert begonnen. Die Auswahl sei eine schwierige Aufgabe gewesen, sagt Zimmermann. Das hängt auch mit dem ungewöhnlichen Stellenprofil zusammen: Gesucht war für jedes Fach eine erfahrene und eine jüngere Lehrperson, damit ein Austausch stattfinden kann. Die insgesamt 28 Lehrerinnen und Lehrer mussten bereit sein, mit einem kleinen Pensum zu starten - und arbeiten deshalb alle noch an anderen Kantonsschulen.

Gefragt ist von ihnen Flexibilität und eine hohe Motivation, sich einzubringen. Denn die Kantonsschule positioniert sich laut Rektor Zimmermann als Schule des Wandels. Dies in mehrfacher Hinsicht. So muss sie ihre Strukturen stetig anpassen, weil sie innerhalb der nächsten vier oder fünf Jahren zum Vollbestand von 500 Schülern anwachsen wird. Wandel ist aber auch inhaltlich unaufhaltbar: Die sogenannten Mint-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – erhalten mehr Gewicht. Um die Schüler für die digitale Zukunft zu rüsten, werden in Uetikon alle Untergymnasiasten in Robotik unterrichtet.

«Faszinierende Aufgabe»

Dass das Schulhaus als Provisorium angelegt ist, fällt erst bei genauerem Hinsehen auf. Läuft alles nach Plan, wird in zehn Jahren der definitive Standort am See bezogen. Ein Projekt, das Zimmermann und Berthold noch intensiv beschäftigen wird und das mit ein Grund ist, weshalb sie sich einer neuen beruflichen Herausforderung stellen.

Voraussichtlich ab 2020 werden sie sich dort einbringen können. «Es ist eine faszinierende Aufgabe», sagt Jürg Berthold. Es gehe darum, sich Gedanken zu machen, was für ein Geist in 20 Jahren an der Schule am See wehen solle. Und gleichzeitig müsse der Schulbetrieb im August funktionieren.

Am Montag, 20. August, findet von 16 bis 21 Uhr ein Eröffnungsfest statt, das sich auch an die Bevölkerung richtet. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.07.2018, 17:14 Uhr

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