Uetikon

Auf Fabrikareal soll mit Seewasser geheizt werden

Mithilfe von zwei Leitungen und einem Pumpenhaus will die AEW Energie AG künftig auf dem Uetiker Fabrikareal mit Seewasser heizen. Nicht nur die Unterquerung der Bahnlinie stellt beim Bau eine Herausforderung dar.

Unter dem Parkplatz am Uetiker Schiffssteg – hier im Bild hinten rechts – wird ein unterirdisches Pumpenhaus erstellt, von dem aus zwei Leitungen in den See führen.

Unter dem Parkplatz am Uetiker Schiffssteg – hier im Bild hinten rechts – wird ein unterirdisches Pumpenhaus erstellt, von dem aus zwei Leitungen in den See führen.

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Dafür, dass es im Gymi Uetikon auch am künftigen Standort im Winter wohlig warm sein wird, soll der Zürichsee sorgen – genauer gesagt, dessen Wasser. Alle Bauten auf dem ehemaligen Fabrikareal sowie weitere Uetiker Standorte wie das Haus Wäckerling und die Gemeindeliegenschaften sollen mit Energie, die aus Zürichseewasser gewonnen wird, geheizt und in einigen Fällen auch gekühlt werden. Derzeit liegt im Gemeindehaus Uetikon ein Baugesuch für ein Pumpenhaus zwischen Seestrasse und Schiffssteg auf. Bauherr ist die AEW Energie AG, welche hinter dem bestehenden und dem neu geplanten Wärmeverbund Uetikon steht.

Dass überhaupt eine neue Energiequelle gefunden werden musste, hängt mit dem Ende der Produktion durch die Zeochem AG auf dem Fabrikareal zusammen: Bis 2017 wurden die Gebäude nämlich mit der Abwärme von Abwässern aus der industriellen Produktion geheizt. Eine Option, die der AEW nun nicht mehr offensteht. «Wir beheizen die betroffenen Liegenschaften in der Zwischenzeit mit fossilen Energieträgern», sagt Daniel Wernli, welcher das Projekt für die AEW leitet.

Aus 30 Metern Tiefe

Dass es sich dabei nur um eine vorübergehende Lösung handelt, ergibt sich rein schon aus dem Vertrag, welcher der Aargauer Energieversorger mit den verschiedenen Wärmekunden, darunter der Gemeinde Uetikon, geschlossen hat. Dieser sieht nämlich vor, dass die Versorgung zu 80 Prozentaus erneuerbaren Energiequellen stammen muss, um CO2-Emissionen möglichst zu vermeiden. «Wir haben auch andere Energiequellen geprüft, aber das Seewasser ist die beste Option», erklärt Wernli. Die Nutzung von Holz oder Biogas sei beispielsweise wirtschaftlich nicht aufgegangen.

Viel sehen vom Pumpenhaus werden die Uetiker nicht: Einzig der Treppenaufgang rechts im Bild wird überirdisch sein. Visualisierung: AEW Energie AG

Viel sehen werden die Uetiker von dem neuen Pumpenhaus indes nicht, denn dieses liegt grösstenteils unter dem Boden. Eine Visualisierung zeigt, dass man auf dem Platz direkt neben dem Fabrikareal nur einen Treppenaufgang sehen wird. Von dem Gebäude, das elf Meter lang, sieben Meter breit und vier Meter hoch sein wird, gehen zwei Leitungen in den See hinaus: die eine, um das frische Wasser anzusaugen, die andere, um das verwendete Wasser wieder zurück in den See zu leiten. Im Pumpenhaus selbst wird übrigens keine Energie erzeugt. Hier wird das Wasser nur angepumpt und ein erstes Mal gefiltert.

Die beiden Leitungen sollen von dem Pumpenhaus weiter in die bereits bestehende Zentrale an der Alten Landstrasse führen, wo die Energie fürs Heizen und Kühlen gewonnen wird. «Das Wasser wird aus einer Tiefe von 30 Metern geholt und von vier auf ein Grad heruntergekühlt», erklärt Wernli. Durch dieses Verfahren könne die Energie gewonnen werden, um Wärme zu erzeugen.

«Schwierig, aber machbar»

Die Erstellung der Infrastruktur für das Seewasserprojekt ist durchaus anspruchsvoll: Sowohl die Geologie als auch die Schadstoffbelastung des Bauareals müssen berücksichtigt werden. «Wir haben eine Baugrunduntersuchung machen lassen», sagt Wernli. Das Gelände sei zwar schwierig, aber das Projekt sei machbar, beurteilt er die geologische Bodenbeschaffenheit. Das Areal am Hafen, wo das Pumpenhaus geplant ist, weist zudem eine geringe Schadstoffbelastung auf, etwa mit Schwermetallen und Kohlenwasserstoff. Wegen der Schadstoffbelastung habe man ein spezielles Entsorgungskonzept erstellt.

Die Leitungen würden in einer Kurve verlaufen und nicht auf direktem Weg zum See führen. Dies hängt mit der geplanten Sanierung des Seegrunds zusammen, die dies verunmöglicht. Fast 500 Meter wird die Linienführung von der Zentrale über das Pumpenhaus bis zur Entnahmestelle im See lang sein. Dabei ist besonders die Erstellung der letzten Strecke im See anspruchsvoll. «Auch für uns ist es eine Premiere, über eine solche Distanz in den See hinauszubohren», sagt Wernli. Mit der Energiegewinnung aus Seewasser hat die AEW allerdings schon Erfahrungen gesammelt, praktiziert sie diese doch in der Überbauung Promenade in Horgen.

Baldige Umsetzung geplant

Was hat die Unterquerung der Seestrasse und der Bahnlinie durch die Leitungen für Konsequenzen für die Verkehrsteilnehmer während der Bauzeit? «Die Einschränkungen sind gering», sagt Wernli. Der grösste Teil der Arbeiten erfolgten im Spülbohrverfahren. Dies bedeutet, dass die Leitungen unterirdisch verlegt werden, sodass an der Erdoberfläche grösstenteils nicht gegraben werden muss.

Mit einem Baustart rechnet die AEW im Frühjahr und will schon während der kommenden Heizperiode ihre Kunden mit aus Seewasser gewonnener Wärmeenergie versorgen. Dass bereits jetzt gebaut wird, obwohl das Gymnasium erst 2028 an den See zieht, hat nicht nur damit zu tun, dass weit mehr als das ehemalige Fabrikreal versorgt wird: Auch die geplante Sanierung des Seegrundes macht den frühen Bau notwendig. Für Wernli ist klar, dass die jetzige Zahl der Gebäude, die vom Projekt profitieren sollen, nicht endgültig sein muss. «Künftig könnten auch noch weitere Kunden mit Wärmeenergie aus Seewasser versorgt werden.»

Erstellt: 24.01.2019, 16:37 Uhr

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